„Plötzlich“ blond.

Kein Witz und kein Albtraum – echt wahr. Plötzlich hatte ich blondes Haar!

Obwohl ich eine Naturbrünette bin und viel Wert auf Natürlichkeit lege, hatte ich Anfangs des Jahres plötzlich diese Eingebung: Wieso habe ich mir nie die Haare blond gefärbt, obwohl ich als Kind schon immer lieber blond gewesen wäre? Wieso eigentlich nicht? Ich springe doch ständig in kalte Gewässer.

Wahrscheinlich wollte ich schon als Kind immer das, was unerreichbar schien oder war einfach schon damals sehr „out of the box“ denkend. Eine blonde Asiatin oder Halbasiatin kannte ich damals nicht. Selbst bei Barbie und ihren Spielzeug-Genossen gab es noch nicht so viel Diversity wie heute. Und damals hatten sie auch alle noch kein Instagram.

Dass es jetzt knapp 3 Jahrzehnte gedauert hat, bis ich den Schritt gewagt habe, hat viele Gründe. Ein Wort sagt da denke ich sehr viel: Prioritäten. Als Kind und Teenager investierte ich mein Taschengeld eben in so wichtige Dinge wie Süßigkeiten, Micky Maus Heftchen (später natürlich die Bravo) und Freibadbesuche als in Haarfärbemittel oder teure Friseurbesuche. Als Studi hatte ich sowieso kaum Geld und wenn dann ging es spätestens bei Semesterparties drauf. Als Berufsanfänger in einer neuen Stadt hatte ich auch tausend andere Verrücktheiten im Kopf als auf dem Kopf.

Doch bei alle dem, die Idee aus meiner Kindheit war immer noch da. Sie wurde Anfang dieses Jahres wieder hörbar und klang gar nicht mehr so verrückt. Diese Idee war plötzlich wichtiger, als dämliche Süßigkeiten, eine tolle Ablenkung von überteuerten Freibadbesuchen in Hamburg, an die im Februar eh nicht zu denken ist und sowieso ein perfekter Anlass, um mal wieder auszugehen. Möglicherweise habe ich mich früher nicht getraut. Aber jetzt, jetzt schon. Wie ein guter Wein musste diese Idee erst mal reifen.

Happy End.

Stopp – nein! So ganz happy end war es dann doch nicht. Denn so ein Friseurbesuch ist ein emotionaler Akt bei uns Frauen. Da wird wochenlang im Voraus überlegt, was jetzt Neues oder alt Bewährtes gezaubert, wieder hergestellt, refreshed und gehighlighted wird – am liebsten und eigentlich auch nur bei unserem Stammfriseur. Der kennt unsere Haare, ihre Struktur – er weiß, was uns steht und auch, was nicht.

Nur, hatte ich bisher noch keinen solchen Vertrauensfriseur und war auf jede neidisch, die einen hatte. Und ich hoffte, jetzt vielleicht einen zu finden, der offen war für mein Make-Over.

Auf alles war ich gefasst: „Warum willst du denn blond sein, du hast soooo schöne braune Haare!!!“ oder auch „Blondfärben geht bei dir leider nicht – da müssen wir blondieren, was natürlich echt mies für die Haare und Kopfhaut ist“ sowie „Ja klar, kein Problem“ oder auch „Ja klar, kein Problem…oh und jetzt 2 Stunden später stelle ich fest, dass du orangene Haare hast. Macht trotzdem drölfzichtausend Euro.“

Und dann saß ich dort beim Friseur, bei einem, bei dem ich noch nie war und von dem ich Gutes gehört hatte. Ich fühlte mich von Anfang an gut und gleichzeitig verhalten beraten. Mein Friseur ließ mich wissen, dass eine Blondfärbung durchaus möglich sei, rechnete die Farbmischung und probierte erst an einer abgeschnitten Strähne, wie gut das Färben wirklich funktioniert. Da es funktionierte, legten wir los. Knapp drei Stunden später trug ich einen blonden Bob. Statt dunkelbraunem Stufenschnitt. Das Ergebnis gefiel mir!

Die Reaktionen von Freunden, Bekannten, Familie, Kollegen waren vorhersehbar: Von „boah krass“ bis „boah krass“ und „boah krass“ war alles dabei – mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt und bin selbst überrascht, wenn es doch noch Menschen gibt, die ganz erstaunt sind.

20150718_153341Ich find’s persönlich immer noch „boah krass“ gut, dass ich inzwischen schon ein Mal nachfärben ließ. Allerdings bei einem anderen Friseur. Und dieser hat gute Chancen, mein Vertrauensfriseur zu werden.

Jetzt also doch: Happy End.

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