Wie challenged bist Du?!

Wir haben es wohl Barney Stinson zu verdanken, dass Challenges (zu dt: „Herausforderungen“) salonfähig wurden. Ein popkulturelles Beispiel für die Amerikanisierung unseres deutschen Spießbürgertums… Diese Challenges haben bereits Einzug in den Mainstream erhalten, dank Heidis Nachwuchsmodel-Challenges, den regelmäßigen Mutproben von bzw. mit Joko und Klaas – nur um zwei gegenwärtige Exempel zu nennen. Nicht zu vergessen natürlich auch die Rolle sozialer Medien: per Facebook erfahre ich wöchentlich von neuen Herausforderungen – Pardon – Challenges. Ich frage mich gerade, was ich nur ohne machen würde. Nur faul auf dem Sofa sitzen oder wahlweise in meiner Hängematte lungern und mich durchs digitale Leben der anderen scrollen? Puh, Glück gehabt, dass ich im Internet Anregungen für mein Analogleben erhalte. Jetzt kann ich meinem Leben endlich mehr Flavor einhauchen, mich mit anderen messen und ich habe die Wahl zwischen Detox-, Plank-, Burpee-, Squat-, Plank Fortgeschrittenen Level-, Green Smoothie-….und vielen, vielen – sehr vielen anderen sinnvollen bis sinnbefreiten Challenges.

Mal wieder klingt das auch alles so herablassend von mir. Ich gebe mich regelrecht zu abgeklärt, zu cool dafür. Nach dem Motto „Challenge – das ist so 2009“. Aber wer meine vermerkten Events auf Facebook prüft, wird sehen: Oha, die Catie hat sich ja auch schon einiges im noch jungen Jahr vorgenommen. Stimmt. Manches ist für mich Inspiration, vieles Experiment – ich probiere gerne  neue Dinge aus und manchmal will ich auch einfach nur wissen, ob ich wirklich so gut in einer Sache bin, wie ich manchmal behaupte. Mal sehen also, wie weit ich beim Planken komme – dem „Halten im Unterarmstütz“. Die 14-tägige Detox-Challenge habe ich im Übrigen nicht geschafft, weil mir der Aufwand fürs fast tägliche Kochen zu aufwendig und die Anleitungen der täglichen Yoga-Übungen zu diffus waren. Zum Glück führe ich ein doch meist ausgewogenes und aktives Leben, dass ich mich wegen des Abbruchs nicht schlecht fühlen und mieses Karma befürchten müsste. Eine Anleitung für den Umgang mit Challenge-Abbruch sucht man auf Facebook eher vergeblich. (Ja dieser letzte Satz ist in der Tat mal wieder ordinär-arrogant).

Und ihr? Welche Challenges reizen euch – vielleicht sogar, weil ihr nichts von Neujahrsvorsätzen haltet? Neuer Job? Neue Stadt? Eine Reise in ein fernes Land – möglicherweise allein? Ja, es muss ja nicht immer etwas mit Sport, Bewegung  und Ernährung zu tun haben. Auch der Gang vor die Tür kann für manchen Menschen am Tag nach einer durchzechten Nacht zur Herausforderung werden.

Stichwort „Neujahrsvorsätze“ – gibt es die denn noch? Bei einigen Leuten habe ich von Orientierung fürs neue Jahr gehört, andere nehmen sich nichts Spezielles ab dem 1. Januar vor, denn grundsätzlich könne man ja auch am 27. Oktober oder am 12. August oder an einem anderen beliebigeno Datum im Jahr sein neues Ich in Angriff nehmen. Kann man also behaupten, dass der Trend weg geht von Neujahrsvorsätzen und hin zu kurzweiligen Herausforderungen? Das würde zumindest erklären, dass Challenges (besonders) auf Facebook zur Zeit so durch die Decke gehen – und so viele Menschen ansprechen, die unterbewusst doch irgendwas anders oder besser machen wollen im neuen Jahr.

Wie auch immer die Gründe jedes Einzelnen sind, an Challenges teilzunehmen – eine Sache sollten wir in dieser schnelllebigen und immer schneller lebigen Zeit nicht außer Acht lassen: Achtsamkeit!

Klingt langweilig und spießig? Okay, dann tarnen wir sie eben, zum Beispiel als „30 Tage nichts tun….Challenge“. Die eigentliche Herausforderung besteht aber gar nicht in der coolen Namensfindung oder in der Bekanntmachung einer Challenge über Netzwerke – ihre Kurzweiligkeit sorgt für ein bißchen mehr Fun im Alltag, ein bißchen mehr Profilierung. Sich von Challenge zu Challenge zu hangeln, mag ein witziger Zeitvertreib sein, sich mal langfristig auf eine Sache einzulassen scheint jedoch in der heutigen Zeit kaum vorstellbar.

Etwas von einer Challenge in die nächste mitzunehmen, dadurch an Charakterstärke zu gewinnen, das mag den wenigsten als mögliches Ziel bewusst sein.

PS: Das Titelbild stammt im übrigen von einer meine bisher größten und tief im Herzen verankerten Herausforderungen – meiner 2-monatigen Reise durch Kolumbien. Die Flamingos habe ich ganz im Norden in La Guajira gesehen.

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