Hamburgs BURGERliche Mitte

Zweihundertfünfzig Gramm saftigstes Rindfleisch getoppt mit knackigem Salat, fruchtigen Tomaten und würziger Soße zwischen zwei kernigen Scheiben Brot – nein, hier ist nicht die Rede von einer reichhaltigen Stulle – und nein, ich bin auch nicht zum Fleischesser konvertiert. Es geht um einen Burger, den klassischen Burger. Einst war er als Fastfood abgetan, als asoziale Kalorienbombe geachtet,  für ungesunde Couchpotatoes und kochfaule Gourmands (nicht zu verwechseln mit Gourmets). Doch mit dem Boom von Burgerläden in den Städten um den ganzen Globus erlebt diese Mahlzeit eine schier rastlose Renaissance. Denn das Prinzip heißt: Burger to stay in schönem Ambiente. Es wird gekocht, nicht zusammen geklappt und in Papier gewickelt. Wo man auch hinsieht in Hamburg: an Burgerrestaurants kommt man  nicht vorbei. Und es werden immer wieder neue eröffnet, als wäre der Markt – Achtung Wortspiel – noch nicht gesättigt. So macht in Kürze das Restaurant „Burgerlich“ in Hamburgs Innenstadt auf, nur wenige Gehminuten entfernt von anderen Burger-Etablissements. Dabei müsste man sich doch so langsam – Achtung noch ein Wortspiel – satt gegessen haben an all den Variationen für Carnevarier, Vegetarier, Veganer und Low Carbianer. Serviert mit Pommes aus Kartoffeln oder Süßkartoffeln, mit Salatbeilage oder als cheesy Variante mit schmackigem Käsetopping.

londonWer kann da noch widerstehen? Allein auch all die wohlklingenden, manchmal märchenhaften Namen, die die Burger tragen: Chorrizo Burger, Wald & Wiese oder the Flaming Roger…der burgerlichen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit Riesenaugen scannen wir die Menükarten, das Wasser zergeht uns im Munde. Wir bezahlen zweistellige Beträge für die Premium-Stulle und haben das Gefühl, uns etwas Gutes zu tun. Die neuen Burger sind Soul- und Slowfood zugleich. Ja ein bißchen haben wir ein schlechtes Gewissen bei all den Mengen – aber kann denn das bißchen Sünde gepaart mit Vitaminen, angerichtet auf einem Teller und verspeist mit Messer und Gabel wirklich so schlimm sein?

skinnyburgerAuch die Namen der Burgerrestaurants lassen Einiges aber keinesfalls Fastfood vermuten. In  bester Citylage findet man die kosmopolitische Brooklyn Burger Bar, die auch unfassbar köstliche Drinks mit und ohne Umdrehungen zaubert – ich kann die Mango-Pfeffer-Limonade nur wärmstens als Gin Tonic Alternative empfehlen. Aber auch sämtliche Szeneviertel Hamburgs werden dem anhaltenden Burgerhunger gerecht: „Otto’s Burger“ im Grindel und in Sankt Georg, „El Chanti Deli“ in Hoheluft, zwar nicht nur auf Burger reduziert, dennoch höchst beliebt ist das „Hatari“ in Eimsbüttel, der Schanze und in Ottensen, „the Burger Lab“ und „Jung & Frech“ – beide ebenfalls in der Schanze, das Franchise „Hans im Glück“ – was auch ein anderes Milieu vermuten ließe – zwischen Schanze und Grindel, „the Bird“ in Sankt Pauli und und und – daneben all die konventionellen Fastfood-Ketten für den Burger to go, fürs schmalere Portemonaie sozusagen.

hatariDass es so viele Burger in der Stadt der Fisch- und Franzbrötchen gibt ,ist verwunderlich. Oder aber auch nicht. Hamburg – ja, der Name trägt den Burger nun mal in sich. Und die Stadt  ist weltlich, szenig, hip. Der Burger ist für jedermann – ein vermeintlich einfaches Essen für jeden sozialen Status, für jeden Geschmack, ob mit Serviette oder ohne. Das kann auch Hamburg. Gerade Hamburg kann das: schnöselig und schnoderrig.

Welcher Trend uns wohl als nächstes ereilt? Ich ahne da etwas, das nur eine logische Konsequenz des neuen Ernährungsbewusstseins ist. In Berlin zumindest kann man schon paleo auswärts dinieren, auch wenn ich der Meinung bin, dass Hamburg Berlin nicht alles nachmachen muss. Dennoch: Augen auf – wer hat sich schon außerhalb der eigenen Küche in ansprechenden Ambiente und für ein zünftiges Taschengeld steinzeit-kulinarisch verwöhnen lassen, hier zwischen Alster und Elbe?

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