Wasser Marsch!

Neben mir steht meine vorerst letzte Tasse Kaffee.
Für eine Woche verzichte ich darauf und ebenso auf alkoholische Getränke, Softdrinks und Säfte. Stattdessen werde ich vor allem Mineralwasser trinken. „Erlaubt“ sind wohl Gemüsesäfte und Kräutertees. Denn ich mache mit beim „Projekt: Wasserwoche“.

Die Projektwoche wurde von der Getränke-Marke Gerolsteiner initiiert und läuft vom 1.-7. September. Eine Woche lang geht es um die Themen Ernährung, Bewegung, Wohlfühlen und gesunder Lifestyle – und wie all das vor allem durch ein gesundes Trinkverhalten erreicht werden kann. Gerolsteiner hat dafür 2.000 Wochenvorräte an Wasser gestellt. Mein Paket (drei Sixpacks in 0,75 Liter Flaschen) steht seit gestern bereit. Nun muss ich dazu sagen, eigentlich trinke ich ausschließlich Hamburger Leitungswasser und beim Arbeitgeber wird Trinkwasser von der Marke Hella gestellt. Ich sage das deshalb, weil ich nicht einfach als Testimonial für eine bestimmte Marke einstehen will. Gerolsteiner hat mich auch nicht gebeten oder gezwungen zu schreiben – natürlich ist mir die ganze Marketingmaschinerie klar (bin ja vom Fach). Es ist allen, die ein Wasserpaket bekommen haben und auch allen anderen freigestellt mit zu posten, mit zu kommentieren, zu -twittern, zu -instagrammen und so weiter. Ich mache es also freiwillig und stelle das Projekt vor, weil ich tatsächlich die Idee an sich (und natürlich auch für thefeldstudien) sehr spannend finde: Einfach mal bewusster trinken!

Kurzer bewusster Rückblick
In den letzten Tagen habe ich also noch mal bewusster hingeschaut bei meinem täglichen Trinkgenuss:
– Kaffee: Wie viel trinke ich eigentlich so? – Je nach dem bis zu 3 Tassen, meistens in der Variante Milchkaffee oder Espresso.
– Tee trinke ich auch, ca. 1-2 Tassen am Tag. Ausschließlich Kräutertee.
– Saft trinke ich so gut wie nie.
– Bier (alkfrei) oder Wein hingegen so 1-2 wöchentlich.
– Gemüsesaft trinke ich auch eher selten und wenn dann am liebsten Tomatensaft.
– Erfrischungsgetränke wie Cola oder Limo meide ich meistens.  Das Zeug ist mir einfach zu süß.
– Ach so…und Wasser…wie viel Wasser trinke ich eigentlich so am Tag? Wahrscheinlich viel zu wenig…die 1-Liter Flasche im Büro leere ich fast nie an einem Tag und zu Hause kommen noch so 1-2 Gläser dazu. Kommen noch die 0,5-1,0 Liter beim Sport hinzu, z.Zt.: 2-3x wöchentlich je ca. 1h.

Was für Wasser?
Ich kaufe mir selten bis nie Wasser in PET- oder Glasflaschen, denn Kraneberger mundet mir ganz vorzüglich, die Schlepperei auf dem Radl missfällt mir und ebenso das Ansammeln von leeren Flaschen, die, wenn geleert, zum Pfandautomaten gebracht werden wollen. Das ist mir alles zu viel hassle. Dem beuge ich mich jetzt etwas, denn die leer getrunkenen Pfandflaschen von Gerolsteiner muss ich natürlich auch entsprechend entsorgen. Abgeholt werden die nicht (aber das Pfandgeld – immerhin 4,50 € könnte ich ja für was spenden…siehe weiter unten). Nichts gegen irgendwelche Marken, die sicher gutes Mineralwasser herstellen – ich finde nur den Weg „Kran auf, Wasser ins Glas“ einfach unheimlich praktisch und auch lecker. Voraussetzung dafür ist aber auch, dass es trinkbares Leitungswasser gibt – wie hier in Hamburg und in vielen Städten Deutschlands. Zumindest bekam mir Bonner, Frankfurter, Berliner oder auch Bremer Leitungswasser stehst einwandfrei.

Trinkwasser ist nicht selbstverständlich
Dass Trinkwasser aus der Leitung keine Selbstverständlichkeit ist, erlebt man spätestens, wenn man in ein anderes Land reist. Doch auch hierzulande gibt es ab und an Hinweise, auf Leitungswasser zu verzichten, da dies belastet ist. So etwa wie in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom April diesen Jahres, in dem von hohen Nitrat-Werten die Rede ist, die durch übermäßige Düngung in der Landwirtschaft verursacht wurden. Allerdings unterliegt das deutsche Trinkwasser strengen Kontrollen der Trinkwasserverordnung (hier auch „Wasser für den menschlichen Gebrauch“ genannt). Ich gebe zu…vollständig gelesen habe ich sie noch nicht. Da aber die deutsche Gesetzesordnung einen Ruf von extremer Genauigkeit hat und man ja allgemein denkt, der Deutsche sei ein korrekter, präziser und vor allem zuverlässiger Zeitgenosse, trinke ich weiterhin naiv Kraneberger, ohne all das zu hinterfragen, was an Dreck, Schadstoffen und so weiter ins Glas hinein oder beim Duschen auf den Kopf rauscht. So typisch deutsch war ich wohl noch nie.

Aber wie gesagt, in vielen anderen Ländern der Welt, wird davon abgeraten Leitungswasser zu trinken. Und in vielen weiteren Ländern der Welt, gibt es nicht mal Leitungswasser. Dort fehlen Brunnen, dort fehlt es allgemein an vernünftiger und ausreichender Wasserinfrastruktur, um Dörfer und Familien zu versorgen. Wasser für den menschlichen Gebrauch…was soll das sein? Das ist absoluter Luxus. Wasser zum Überleben – wo bist Du?

Seit 2010 wird  das „Menschenrecht auf Wasser und Sanitätsversorgung“ von den Vereinten Nationen anerkannt:
Trinkwasser und Sanitätsversorgung sind demnach essentiell für die Realisierung aller Menschenrechte. Staaten und internationale Organisationen sollen finanzielle Mittel zur Verfügung stellen sowie Hilfsmaßnahmen ermöglichen – gerade in Entwicklungsländern – um sicheres, sauberes, erreichbares und bezahlbares Trinkwasser sowie Sanitätsversorgung bereit zu stellen. Wie sieht es 4 Jahre später aus?

Es mangelt noch immer an der Umsetzung, um die Wasserversorgung universell zu gewährleisten. Zwar laufen zahlreiche Initiativen und Projekte, die in verschiedensten Ländern, Brunnen bauen, Wasserinfrastruktur herstellen und die Ausbeutung durch Großkonzerne unterbinden wollen. Doch die globale Wasserversorgung ist und bleibt ungerecht verteilt.

Für einen kurzen Moment habe ich überlegt, dass Gerolsteiner ja auch einfach die 2.000 Pakete an Menschen hätte spenden können, die mal nicht eben so an den Hahn gehen können, um sich zu erfrischen oder die Hände zu waschen. Nur…das wäre ja eine einmalige Aktion gewesen…und hätte langfristig nichts verändert.

20140831_191310 (1)Und während ich all meine Gedanken zu diesem Thema festhalte und mich auf meine Wasserwoche einstimme, merke ich, dass man hin und her relativieren kann, zwischen Wasser als Luxusgut und Wasser als Lebensgut. Auch wenn das „Projekt: Wasserwoche“ von Gerolsteiner in erster Linie für eine bewusste Woche steht, mit dem Ziel die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern, wird mir einmal mehr auch klar, welchen Ressourcen-Luxus Deutschland eigentlich hat. Es schadet nicht, ab und an einmal inne zu halten und sich den Gegebenheiten bewusst zu werden. Dann kann man, wenn man möchte, auch etwas unternehmen, um die Missstände in anderen Teilen der Welt zu verbessern (siehe weiter oben). Die Charity-Flut der letzten Woche rund um die Icebucket Challenge – in erster Linie für die ALS Association – haben das deutlich gezeigt. Ob man das öffentlichkeitswirksam und mit Spaßfaktor tut ist jedem selbst überlassen. Gleiches gilt für alles im Leben – und ja, auch für einen gesunden (bewussten) Lifestyle.

Bald dann mehr über mein „Projekt: Wasserwoche“ und mögliche Kaffee-Entzugserscheinungen, freundliche Fragen in feuchtfröhlichen Runden oder plötzlicher, unerwarteter Limodurst – und möglicherweise neuen Erkenntnissen rund um Menschenrecht, Ressourcenverteilung und „Gutmenscherei“. In diesem Sinne: Wasser Marsch!

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