Und plötzlich offline

Wisst ihr noch – Ende Dezember 2013, kurz vor meinem Abflug nach Kolumbien habe ich noch groß getönt: Ich geh offline! Meine 2-monatige Reise nehme ich zum Anlass, auch mal digital runter zu schalten. Und dann…habe ich mich doch von drüben gemeldet, habe Nachrichten an Family und Friends verschickt und sie wissen lassen, dass es mir gut geht. Denn W-Lan gab es ja fast überall.

Und nun ist meine Reise schon wieder lange vorbei – ich schon lange im Alltag angekommen, mit neuen Routinen und alten Gewohnheiten. Online bin ich jeden Tag. Zum einen gehört’s halt mit zum Job und zum anderen habe ich inzwischen so viele Interessen, die sich online am besten verfolgen lassen.

Vorübergehend nicht 24/7 online
Vor kurzem habe ich beschlossen, mich vom WG-Nomadenleben zu trennen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Das hatte nicht nur zur Folge, dass ich plötzlich keine Tupperdosen mehr hatte und auch keinen Staubsauger, sondern für einige Zeit auch keine Internetverbindung. Die sollte in der zweiten Woche nach meinem Einzug hergestellt werden. Darauf stellte ich mich ein und dachte, ich käme schon klar mit Smartphone, notfalls mobilem Tethering und ohne Surfstick.

Aus zwei Wochen wurden drei
Ich gebe zu, das nervte. Nicht nur, weil ich dann für die kleine Einzugssause auf CDs setzen musste (ja – so was besitze ich…und auch CD Abspielgeräte) sondern auch, weil ich nicht mal eben so einem Gedanken per Online-Recherche schnell nachgehen konnte.

Drei volle Wochen ohne Internet (zu Hause)
Sprich: morgens keine Nachrichten lesen auf den gängigen Nachrichtenportalen, kein Löschen von sinnlosen Spam- und Werbemails und auch keine ersten Likes und Huhus auf den sozialen Netzwerken. Einfach nur Müsli, Kaffee und Radio. Ja genau: Radio! Nach getaner Arbeit und vollendetem Sportprogramm konnte ich abends dann auch keine Nachrichten vom Tag via Web konsumieren, keine Serien, kein prokrastinierendes Newsfeed-Scrolling. Als Medien standen wieder Radio und…surprise, surprise BÜCHER parat. Denn einen Fernseher habe ich nicht.

Eins vorweg: Es war herrlich!
Und so machte ich es mir fortan abends mit Lesestoff auf dem Sofa gemütlich. Der ganze Lesestoff, der sich über die letzten Jahre geschenkt und ungelesen angesammelt hatte. Dabei schenkt mir meine Verwandtschaft eigentlich nichts Ungewünschtes. Das waren also alles Bücher, die ich wirklich mal lesen wollte. Doch anstatt sie zu lesen, schaute ich Serien oder verdaddelte die Zeit online. Ja wirklich. Wie traurig. Wie dumm.

Am Anfang der drei Wochen las ich ein vor Ewigkeiten angefangenes Buch zu Ende: „Die Wahrheit über das Lügen“ von Robert Feldmann. Zufälligerweise habe ich sogar am 10. September 2013 vom Auspacken und Anlesen dieses Buches ein Instavideo gemacht. Lesezeit also ca. 1 Jahr…

Dann verschlang ich T.C. Boyles „Wenn das Schlachten vorbei ist“ innerhalb einer Woche und schließlich von Konstantin Richter „Kafka war jung und er brauchte das Geld“ in wenigen Tagen – höchst unterhaltsam und lesenswert! Bei letzterem erinnere ich mich noch genau, dass ich es mir damals (Weihnachten 2012 muss es gewesen sein) nur wegen des Titels gewünscht hatte. Ich hatte völlig vergessen, dass es sich um eine „rasante Kulturgeschichte für Vielbeschäftigte“ handelte, wie es im Untertitel heißt. Und war zunächst verblüfft, was ich mir da eigentlich gewünscht hatte – fand das Büchlein aber im Nu herrlich erfrischend! Zur Feuilletonistin werde ich jetzt aber trotzdem (noch) nicht.

Nun habe ich seit einigen Tagen wieder eine wunderbar funktionierende Verbindung ins WWW, ganz kabellos und flott. Im Regal stehen allerdings noch einige (von Weihnachten 2012 und Geburtstag 2014) Bücher im Regal und wollen in die Hände genommen und aufgeschlagen, Seite um Seite umblättert werden.

Was also tun?
Online endlich wieder voll einsteigen und alles stoisch aufsaugen? Oder doch lieber einmal Füße hoch legen, gedämmtes Licht anschalten und einfach nur lesen. Und genau das geht ganz wunderbar, wenn es nur das Medium Buch, die Couch und mich gibt. Dann bleibt die Kiste (der Laptop) zu, das Radio aus.

Plötzlich hatte ich also meine digitale Auszeit, wenn auch „nur“ morgens und abends und auch nur für drei Wochen. Aber genau diese Zeit konnte ich Dingen nachgehen, die so lange liegen geblieben waren.

Lesen zum Beispiel
Lesen ist eine tolle Beschäftigung und ich bin ein großer Fan von gedruckten Geschichten. Ich mag die Schwere eines Buches, den Akt des Umblätterns, das Geräusch beim Umblättern, das Lesezeichen einlegen, um an dieser einen Stelle morgen oder später weiter zu lesen und den Seufzer nach dem letzten Punkt, wenn die Geschichte zu Ende ist. All das kann mir ein elektronisches Geschichtenanzeigegerät nicht geben – aber die Vorteile sind auch bekannt. Vielleicht konvertiere ich ja irgendwann.

Übrigens: Tupperdosen und Staubsauger sind inzwischen auch eingezogen.

2 Gedanken zu “Und plötzlich offline

  1. haha, habe gerade deine literaturtipps im großen buchladen gesucht und teilweise auf meine wunschliste gesetzt. dann dieses oh, wird empfohlen, toll, worum geht es, ach spannend und das noch und das noch. jaja, ich kenne das. es ist schwer sich abzunabeln. doch mit etwas training (total bescheuert) klappt das gut. dir viel erfolg weiterhin! und erzähl mal, was du so liest. mache ich auch und ich finde es ist ein gutes gefühl zu sehen, dass ich auch noch offline lesen kann😉
    liebe grüße,
    jule*

    • Hi Jule,
      frisch angelesen ist „Die Enden der Welt“ von Roger Willemsen. Ansonsten warten u.a. noch „Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität“ und „A House in the Sky: A memoir“ auf ihren Einsatz😉

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