1 Jahr Marathon

Letzte Woche, am 21. April war Marathon-Jahrestag. Mein erster Marathon-Jahrestag. Und nächsten Sonntag laufe ich zum dritten Mal 42,2 Kilometer. Zeit, einmal Inne zu halten für ein paar Zeilen zu dieser etwas verrückten Leidenschaft.

Erst gestern wurde ich wieder gefragt, warum und seit wann und überhaupt das alles kam mit diesem Marathon. Jeder Läufer, ob bekennender Jogger oder ambitionierter Freizeit-Marathoni oder Profi hat seine eigene Geschichte. Meine ist noch gar nicht so alt, aber manchmal frage ich mich ob sie unterbewusst doch schon viel früher begonnen hat, denn Vater und Großvater sind bereits in früheren Jahren auf die Straße gegangen und haben Kilometer um Kilometer laufend zurück gelegt. Setze ich diese Familientradition damit fort?

Vor zwei Jahren noch, hörte man mich sagen: „Einen Marathon werde ich bestimmt nie laufen“.
Dabei war ich zu dieser Zeit nicht unsportlich – rückblickend war ich in meinem ganzen Leben noch nie wirklich unsportlich. Mal mehr mal weniger aktiv – entsprechend mal fitter, mal fülliger – aber nie nur Couchpotatoe. Seit ich in Hamburg lebe, also seit bald vier Jahren, kenne ich plötzlich ganz viele und immer mehr laufbegeisterte Menschen. So kam es auch, dass ich hier mal 5km zu einem guten Zweck lief und dort und dann hier bei einem Firmenlauf und so weiter und so fort. Bis ich im April 2012 mit einer Staffel am Marathon und zwei Monate später allein an einem Halbmarathon teilnahm. Noch heute schwärme ich vom Staffelmarathon: Ich fand es irrsinnig komisch am Sonntag morgen um kurz nach 9 über die Reeperbahn zu laufen, die hier und dort noch Schnapsleichen und After-Hour-Feiernde trug. Der Blick von der Elbchaussee auf die Hafenkräne, die Kurve hinunter zum Fischmarkt, dann links entlang zu den Landungsbrücken. Durch den Wallringtunnel und dann für mich damals – Zieleinlauf und Staffelübergabe am Jungfernstieg. Himmel, war das schön! Meine bis dato am längsten gelaufene Strecke – von rund 16km. Und ich fühlte mich unheimlich gut.

Doch dann lief ich im Juni beim Halbmarathon – also erneut eine neue Streckenlänge. Ich wollte unbedingt unter zwei Stunden ins Ziel kommen und feierte meine Finisher-Zeit von 1:55:07. Doch kaum war ich zu Hause angekommen krümmte ich mich schmerzverzehrt und völlig fertig in meinem Bettchen. Mir ging es plötzlich richtig schlecht. Und im Post-Halbmarathon-Schmerz-Delirium erschien mir, die doppelte Distanz zu laufen, einfach unvorstellbar, ummachbar und überhaupt völlig unwichtig. Respekt an alle, die das machen und schaffen, aber mir reicht es, dachte ich. Dahin waren all die positiven Erinnerungen an Flair und Event-Atmosphäre. Ich jammerte nur in mich hinein und fand mich damit ab, 2-3 Mal die Woche ein paar Sit-Ups zu machen und etwas joggen zu gehen.

Nur fünf Monate später meldete ich mich heimlich für den Hamburg Marathon 2013 an.

Was war geschehen?
Wollte ich noch vor meinem 30sten einen Marathon geschafft haben? Es gibt ja so Listen, die einem sagen, was man bis dann und dann erlebt haben soll – Marathon wird ganz oft genannt, nebst Weltreise oder „Ich liebe Dich“ sagen. Ich habe aber gar keine Lebens To-Do Liste und ich habe auch keine Wette verloren und musste auch niemandem beweisen, der mir das nicht zutraute, dass ich es doch kann.

Ich habe nur die richtigen „falschen Freunde“. Es waren letztlich diese sehr sehr tollen Freunde – manche von ihnen mit langjähriger Lauferfahrung – , die mir mit ihrer bezaubernden Art das Gefühl gaben: ein Marathon ist machbar. Sie sagten das sogar, ohne mich zum Extremsportler konvertieren zu wollen. Einfach mal ausprobieren entspricht auch eher meinem Lebenscredo.  Und so erinnerte ich mich immer öfter an das tolle Staffelmarathon-Ereignis. Dabei war ich ja nur einer von vielen Teilnehmern, wurde nicht mal Erster (auch nicht unsere Staffel) und gewann kein Preisgeld, keine Blumen.

Ich gewann viel mehr: Gute Laune!
Und von guter Laune kann man bekanntlich nicht genug kriegen – deshalb wollte ich fortan auch nicht mit dem miesen Gefühl des Halbmarathons hobbysportlich durch die Gegend gurken. Vielleicht war ich ja nicht der Typ für so „Mitteldistanzen“ von 21,1 km?!😉 Ich wollte es noch mal wissen, ich wollte dem Laufen noch eine Chance geben.

Und so lief ich am 21. April 2013 meinen ersten Marathon. Meine Wunschziel-Zeit von unter 4 Stunden habe ich zwar nicht erreicht, aber eine unglaubliche Erfahrung und mentale Stärke erlebt. Vielleicht hat mich laufen gelassener und stärker gemacht – letztes Jahr habe ich jedenfalls einige sehr erwachsene Dinge getan (obwohl ich doch noch gar nicht 30 bin), die ich mir vor zwei Jahren nicht vorgestellt hätte zu tun. Ich glaube, dass jeder, der einmal Marathon gelaufen ist, weiß, dass da was mit einem passiert beim Laufen. Muskelkraft und Ausdauer hin oder her – Marathon ist zu 80% Kopfsache.

Nach dem Finish letztes Jahr in Hamburg war klar, dass ich noch einen zweiten Marathon laufen wollen würde – warum nicht auch im gleichen Jahr? Es klang verrückt, aber es fühlte sich gut an. Und so erkor ich Venedig zum Austragungsort – ich hoffe ich werde noch lange und viel von diesem Ereignis schwärmen. Venedig kann ich für einen Marathon jedenfalls sehr empfehlen und bietet sich als Kombi City-/Lauf-Trip sehr gut an.

Wie es mir nächste Woche bei meinem dritten sehr langen hoffentlich Gute-Laune-Lauf geht, werden wir sehen. Ich bin tatsächlich schon wieder ganz heiß drauf, hibbelig-kribbelig sozusagen, trotz mäßiger Vorbereitung – bedingt durch meine 2-monatige Reise. Wenn ich also lächelnd langsam durch Hamburg trabe und lieber winke, Hände abklatsche und Szenerie genieße, dann soll es so sein. Wer kommt anfeuern?

Je ne regraitte rien ist auch so ein Lebens-Motto
Inzwischen bin ich übrigens noch zwei weitere Mitteldistanzen gelaufen und fühlte mich beide Male tausendfach besser als beim ersten Mal. Mein Vater hat mich vor einiger Zeit gewarnt, Laufen würde süchtig macht. Ich gebe es ja ungern zu, aber…er hat Recht.

 

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