Karneval in Popayán

Als ich mich entschieden hatte, nach den Großstädten Bogotá und Cali nun ein kleineres Örtchen zu bereisen, ahnte ich noch nicht, was mir dort – in Popayán – widerfahren würde. Popayán hat rund 270.000 Einwohner, wenn man dem Lonely Planet glauben darf. Das sind ein paar weniger als in Bonn leben. Und etwa zehn mal weniger als in Kolumbiens drittgrößter Stadt Cali. Wegen der vielen weißen Hausfassaden wird Popayán auch „La Ciudad Blanca“ also weiße Stadt genannt, die noch aus Kolonialzeiten stammen. Aber nach meiner Ankunft am frühen Nachmittag des 5. Januar 2014 lernte ich noch einen anderen (mir selbst ausgedachten, aber naheliegenden) Grund für die Namensgebung (la ciudad blanca) kennen: weißer Schaum, weißes Kalkpuder, weiße Flecken auf allen Körperteilen, allen Kleidungsstücken, allen Menschen. Schon aus dem Bus sah ich, wie sich Leute gegenseitig einsauten und wurde selbst keine 2 Minuten, die ich vom Busterminal Richtung Hostel losmarschiert war, ebenfalls fröhlich „eingeweißt“. Bienvenido a Popayán, sozusagen. Da ich noch keine Schaumsprühdose, etwa doppelt so lang, wie eine große Haarspraydose, hatte und nur mit meinem (geliehenen) Rucksack und einem Täschchen unterwegs war UND dann auch noch Ausländer, war ich eine beliebte Zielscheibe für weißen Schaum und alles, was man noch Tage nach den Festivitäten trotz gründlichster Dusche irgendwo am Körper auffindet….Ohren zum Beispiel.

high white five

high white five

Laut Backpacker-Bibel (es gibt übrigens doch einen Rough Guide, ich hatte nur den LP gefunden) stammt die Karnevalstradition aus Zeiten der spanischen Herrschaft. Am 5. Januar war es den Sklaven erlaubt, zu feiern – sie malten sich die Gesichter schwarz an, am Folgetag weiß. Heute wird schon am 4. Januar angefangen und drei Tage durchgefeiert und eingesaut. 3 Tage wach! Der Carneval de Blancos y Negros ist weit verbreitet im Südwesten Kolumbiens, aber offenbar werden in Santa Marta (oben im Norden) auch wilde Carneval-Parties gefeiert. Natürlich gibt es dann noch den Karneval vor der Fastenzeit.

So viel zu den allgemeinen Fakten.

Im Hostel wurde ich mit einem schadenfreudigen Grinsen von einigen, mit veständnislosem Naserümpfen von anderen begrüßt. Letztere (übrigens auch Deutsche) konnten es nämlich kaum erwarten, mit einem Taxi (!!!) wegzufahren (Anmerkung: zu Fuß sind es zum Busterminal 15 Minuten mit Gepäck) und hatten offenbar keinen Sinn für ein bißchen Schabernack. Da aber Schabernack mein inoffizieller zweiter Name ist, konnte ich es hingegen kaum erwarten, mit oder ohne Begleitung loszuziehen. Kaum hatte ich das 8-Bett-Zimmer betreten, hatte ich aber meine Begleitung gefunden: Suzanne aus Utrecht. Sie zog die bereits eingesaute Kleidung vom Vortag an, ich nur schnell eine kurze Hose – das Oberteil hatte ja bereits was abbekommen – dann zogen wir los. Wieder dauerte es keine zwei Minuten, da wurden wir eingesprüht. Aber nicht viel später und wir waren mit Sprühschaum ausgestattet und ready for Schabernack. Leider wird man manchmal von mehreren Leuten auf einmal angesprüht – leider finde ich Schaum über Augen (trotz Sonnenbrille), Mund und Nase ziemlich ungeil, aber sonst ist es ziemlich verrückt und ziemlich lustig. Ich kann aber auch verstehen, wenn man darauf zero Bock hat…hat ja schon was Kriegerisches, besonders wenn noch Wasserbomben dazu kommen.

In der Partyzone – Gürtel durften hier nicht getragen werden, Polizisten kontrollieren Leib und Taschen – tummelten sich mehrere Tausend Partyfreudige vor einer Bühne und feierten ihren Karneval, ein weißes Holi Festival. Schaum, Puder, Farbe kam von allen Seiten. Livemusik von der Bühne. Wir lernten eine Gruppe Kolumbianer kennen, die mich zuvor ordentlich eingesaut hatten und sich dann mit einem (zwei, drei….vier…hicks…) Schnaps entschuldigten. Da sie uns lustig fanden und wir sie blieben wir für den Rest der Party bei ihnen und ihrer vollen Kiste Sprühschaum, einer weiteren Packung Aguardiente (Schnaps im Tetra Pack), tanzten Salsa (oder versuchten es), lachten, tranken und torkelten irgendwann zurück ins Hostel.

los nuevos amigos

los nuevos amigos

Karneval in Popayán ist eine der verrücktesten Partys, die ich je erlebt habe – auch weil ich null Plan hatte, was dort passieren würde – und mehr als nur ein Trost dafür, dass ich Karneval in Bonn & Köln mal wieder verpassen werde. Und es ist gar nicht so schwer, neue Leute kennen zu lernen, auch wenn man die Sprache nicht versteht…tanzen, lachen und Spass sind voelkerverstaendigende Parameter und global verstandlich.

Popayán: klein, aber oho!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s