Ich bin verliebt!

Würden meine nur zum Teil internetaffinen Eltern und Großeltern das hier lesen, sie würden Luftsprünge machen, ihre Nachbarn zum Umtrunk einladen und schon mal Hochzeitsgrüße in der lokalen Zeitung buchen. „Endlich wird dat Kind erwachsen, heiratet und liefert den Nachwuchs, der schon längst fällig ist“, so ihr Wunsch. Aber da meine nur zum Teil internetaffine Verwandschaft eh nicht mitliest, muss ich sie auch nicht enttäuschen, wenn ich sage, dass mein Verliebt-Sein nun rein gar nichts mit Familienplanung und Allerlei zu tun hat.

Und es hat auch nichts mit Weihnachtszauber und übermäßigem Glühweinkonsum zu tun, dass ich mich einer derartig gelösten Heiterkeit erfreue, die ich natürlich gern in die Welt hinaus tragen würde, sofern man mich ließe. Doch genau da stoße ich auf Barrikaden: Gute Laune, Optimismus, Freude…kommen hier nicht rein. Der Türsteher der Griesgrämigkeit mustert einen von oben bis unten und lässt einen dann doch eiskalt abblitzen. „No chance for happiness“ steht an der imaginären Tür. So die Devise.

Pessimismus, Jammer und Klagelieder über alltägliche Belanglosigkeiten stehen hingegen hoch im Kurs. In den aktuellen Motz-Charts liegen „Ich habe nie Zeit“, „Weihnachten nervt“ und „Es ist sowieso alles kacke“ ganz weit vorn. Hauptsache es ist alles bäh, es zwickt hier und schmerzt dort, das Geld ist zu knapp und die Spritpreise zu teuer.

Na klar ist das alles daneben und unschön und suboptimal. Aber mit einer derartigen Einstellung wird es niemals besser.

Aber wie eh und je ist dies eine – pardon, meine – subjektive Beobachtung.

Wenn es den Menschen schlecht geht, soll es die Menschheit auch mitbekommen. Und es geht nicht darum, dass es nun bald eine Lösung gibt sondern lediglich darum, sein Leid zu klagen, Mitleid und Zustimmung zu sammeln.

Freude schenkenGeht es einem hingehen gut, gelüstet es einem danach, free hugs zu verteilen, könnte man über jeden in diesen Tagen als Weihnachtsmann verkleideten Mensch schmunzeln und würde man am liebsten den lieben langen Tag tanzen, dann muss irgendwas mit einem nicht stimmen. Gute Laune? Hier in tristesse Deutschland? Im grauen Winter? Absurd! Bitte mal ganz schnell wieder klar kommen und den Ernst der Lage begreifen, wird einem entgegen geschleudert, wenn man unaufhörlich grinst.

Es geht so weit, dass gut gelaunte Menschen ausgeschlossen werden. Nur wer etwas zu jammern hat, darf mitreden, die Jubelnden sollen doch bitte still sein. Die haben ja alles. Die brauchen nichts mehr.

Ich frage mich dann immer, ob die Übelgelaunten neidisch sind auf die Gutgelaunten? Oder können sie gar kein Verlangen verspüren, weil sie von Miesepetrigkeit durchdrungen sind? Bleiben dann Optimisten nur unter sich – in ihrem Club der Glücklichen? Klingt fast schon elitär. Dabei kann glücklich sein, wer wenig hat. Das ist doch die Kunst.

In jedem Fall bin ich aktuell sehr froh darüber, dass mein innerer Grinch in diesen Tagen Urlaub macht und mich in die schönen Momente und die schönen Begegnungen verliebt sein lässt. Bitte mehr davon – mehr für alle.

 

Sollte ich in einigen Monaten mit hängendem Haupt durch die Gegend streifen, erinnert mich bitte daran, dass ich mal bitte ganz schnell klar kommen muss. Weil ich’s kann.

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