Fotophobie oder Selfielove

Selfie in Portugal 2012

Selfie in Portugal 2012

Wir schreiben das Jahr 2013. Fast die Hälfte aller Deutschen nutzt ein Smartphone und tauscht somit megabit-weise, also viele, Daten. Ständig. Immer. Überall.

Besonders gerne und oft getauscht werden Fotos. Und für die gibt es zahlreiche Apps. Foto machen, Foto verschönern, Foto teilen. Ständig. Immer. Überall.

I like, wie man so schön sagt in diesen sozialen Medien.

Ich so beim Schminken – Duckface. Klick.
Ich so beim Essen – omnomnom. Klick.
Ich so beim Shoppen – wow. Klick.

Das „Ich so beim“-Genre der Fotografie ist international auch unter dem Begriff Selfie bekannt. „Selfie“ ist dabei kurz für „self-photograph“, also ein Selbstfoto – ein modernes, digitales Selbstportrait und in diesen Tagen zum englischen Wort des Jahres gekührt. Dabei ist Selfie mehr als nur ein Wort, das immer häufiger benutzt wird und seinen Weg in unsere Alltagssprache geschafft hat. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen. Die digitale Selbstportraitfotografie hat ihren Weg in unseren Alltag gefunden – beim Essen, beim Sport, beim Schminken…Dort wo früher tagelang gepinselt wurde, wird heute einfach rumgeknipst, schier wahllos dokumentiert und verfälscht. Mit Hilfe von Filtern sehen wir (noch) besser als, als in Natura. Anders als in der Malerei geht diese Handlung schnell vonstatten. Schön sind wir, erfolgreich, noch dazu belesen, weltoffen, sympathisch, attraktiv, kosmopolitisch…und doch auch „nur“ in dieses vermeintliche Ich und diese Idee von uns selbst verliebt.

Selfie in Venedig 2013

Selfie in Venedig 2013

Jedoch:

no photos please!

no photos please!

Auf der anderen Seite kann man beobachten, wie vor Schreck Hände mit ausgespreizten Fingern vor das eigene Antlitz gehalten werden, um ein Foto zu vermeiden. Ein Foto, das jemand anderes von einem schießen will. Dabei ist die Rede ist nicht ein mal von Prominenten und aufdringlichen Paparazzi. Auch unter den nicht in der Öffentlichkeit stehenden Personen gibt es zahlreiche, die nicht fotografiert werden wollen. Sie finden sich hässlich oder schrecklich auf Bildern. Anderen soll bloß nicht erlaubt sein, sich ein Bild von Dir zu machen (im wahrsten Sinne des Wortes). Man selbst will die Kontrolle über sich selbst, sein Ansehen und auch seine Wahrnehmung behalten. So meine Vermutung, wenn ich fotophobe Menschen beobachte.

In beiden Fällen überwiegt die Eitelkeit. Selfieprofis wollen sich besonders schön und schmeichelhaft darstellen. Fotophobe wollen nicht entstellt werden. Schnappschüsse aber werden gelöscht – Fotografie darf nicht mehr spontan sein, stattdessen wird sie kontrolliert.

Headphonelove by René Sasse

Headphonelove by René Sasse

Zu meiner eigenen Überraschung ließ ich mich trotz Eitelkeit und einer Tendenz zur Fotophobie von Webmontag-René überreden, bei seinem Headphonelovers-Projekt mitzumachen. Seit kurzem macht und zeigt er tolle, sympathische Fotos von Hamburgern bzw. Wahlhamburgern mit Kopfhörern. Jeder Headphonelover wird mit einem Fragebogen und einer kleinen Bilderserie vorgestellt. Mein persönliches Lieblingsbild von mir sebst (jahaaa…von mir selbst – servus Eitelkeit) ist das unscharfe. Passt zu mir…weil, ich gern in Bewegung bin, finde ich. Nicht so starr. Das Shooting war lustig, auch wenn ich keinen Plan hatte, wie ich mich am besten geben sollte. Einfach machen, sagte René. Also machte ich.

Kopf aus – Vertrauen an.

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