Lauferitis? Neee #iloverunning

Neulich wurde ich gefragt, ob ich eigentlich noch etwas Anderes mache als nur Laufen. Ich musste mir zudem anhören, wie jemand regelrecht abwertend sagte, im Marathon-Lauf sehe er/sie keine Notwendigkeit. Und sowieso sei diese Lauferei nun wirklich ein total nerviger Hype, der jetzt mal langsam aufhören könne. All diese bunten grellen Klamotten, diese bierbäuchigen Amateure und Fachidioten-Gespräche über Kompression, Pronation und Was-weiß-ich-Funktion. Ja, es muss schon wirklich schlimm sein, wenn man nicht mitreden kann.

Dass nun „alle Welt“ von meiner Laufbegeisterung erfährt ist tatsächlich meine eigene Schuld. Warum poste ich auch Bestzeiten, verschwitzte „Ich-bin-Finisher“-Fotos von mir (und anderen) auf Facebook, oder instagrame meine Schuhe mit unterschiedlich farbigen Schnürsenkeln? Für die Likes und Gratulationen? Für den digitalen Applaus? Wahrscheinlich schon! ABER: Wenn man schon nicht die ganze Welt umarmen kann, auch wenn man es manchmal sehr sehr gerne würde, weil man einfach so fucking happy darüber ist, an der frischen Luft all diese Endorphine laufend aufzusaugen und nette Menschen zu treffen, dann brüllt man es halt hinaus in die Welt – weil wird schon irgendwo ankommen.

Schade nur, dass ich mich jetzt so fühle, ich müsste mich für meine Leidenschaft rechtfertigen. Ich hatte einfach nicht mit so einem Outcome gerechnet – dass ich jetzt aufs „Du machst echt nur noch Sport“ reduziert werde Was auch nicht das schlimmste Branding ist – lieber als Sportskanone (RaCatie) abgestempelt werden als….als….na, als was eigentlich?

Natürlich meinen es die, die mit Marathon und allerlei Lauferei nichts anfangen können, das gar nicht so böse, wie ich das hier (mal wieder) darstelle. Klar. Man denkt halt nicht drüber nach, wenn man manchmal echt ziemlich dumme Sachen sagt. Ähnlich wie beim beharrlichen Nachfragen, wo man denn nun wirklich herkommt, weil man halt so untypisch Deutsch aussieht, aber so fantastisch Hochdeutsch beherrscht. Aber würde ich fragen „Was begeistert Dich?“ oder „Wofür brennst Du?“ oder „Was macht Dich denn glücklich?“ dann mache ich das ganze Gespräch kaputt. Denn damit rechnen die Leute nicht und das tut ja jetzt auch nichts zur Sache. Für sie klingt das dann trotzig. „Jetzt sei doch nicht gleich eingeschnappt!“ oder „Wollt ich halt mal gesagt haben“…

Und weil ich so unscheu damit bin, meine Laufliebe mit dem WWW zu teilen, wie andere ihre Hasi-Knuddel-BussiBussi-Liebe oder ihre politische Meinung, würde ich selbst nicht von einer krankhaften Begeisterung sprechen. Denn ich leide ja nicht darunter – unter Lauferitis. Ich liebe das Laufen.

Schön, dass es (wenigstens) für die digitale Sportarena so tolle Hashtags wie #iloverunning oder #runninglove gibt.

PS: Wer mir digitalen Applaus schenken will: Am 27.Oktober laufe ich mal wieder Marathon und zwar in Venedig.

3 Gedanken zu “Lauferitis? Neee #iloverunning

  1. Lass Dich von den Couch-Trainer_innen nicht ärgern. Das Problem von denen ist, dass sie nicht verstehen, was sie nicht erfahren haben. Lerntheoretisch durchaus logisch, aber nervig, wenn man damit konfrontiert wird.
    Viel Erfolg in Venedig und genieße weiter Deine Leidenschaften!
    P.S.: Don’t feed the trolls/haters!😉

  2. “ … im Marathon-Lauf sehe er/sie keine Notwendigkeit.“

    Hmmm, ich liebe diese nihilistische Aussage, dass alles keinen Sinn macht, alles für die Katz ist, blah-blah-fucking-blah. Das kann man natürlich auf alles beschwören: Warum guckt man Filme, wieso verbringt man die Zeit mit seiner Liebsten, wozu soll man kochen?

    Aus dem einfachen Prinzip dass es einem Spaß macht und man gerne einen Hobby hat. Also lass dich bitte nicht von solchen Wichtigtuer klein machen. Du tust deinem Körper und deine Seele einen gefallen und das is gut so.

    Würde gerne nach Venedig kommen und anfeuern. Ist eine schöne Stadt. Naja, beim nächsten Mal, aber nichts desto trotz viel Glück, viel Spaß und joah …

    Mir fällt keinen Abschluss ein.

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