Was bitte ist ein #instabrunch?

Der Begriff „instabrunch“ mit voran gestelltem Hashtag – also #instabrunch ist eine Wortkreation aus dem sozialen Foto-Sharing-Netzwerk Instagram und dem im Neudeutsch mittlerweile auch geläufigen Begriff Brunch, was den Mahlzeiten-Zusammenschluss von Breakfast (also Frühstück) und Lunch (also Mittagessen) definiert. Ein #instabrunch ist demnach ein Foto-Sharing-Frühstücks-Mittagessen und mit dem voran gestellten Hashtag (also #) lassen sich die während der Mahlzeiten gemachten und gefilterten Bilder (und mittlerweile auch Videos) online finden (sowohl auf Instagram sowie, je nach Verbreitungs-Einstellung auch in anderen sozialen Netzwerken).

Soweit verstanden?

Ich war mir bis zu meinem ersten #instabrunch (heute am 22.9.13 – der Tag der #bwt13 – also Bundestagswahl 2013) ehrlich gesagt überhaupt nicht im Klarem darüber, was ein #instabrunch eigentlich hinsichtlich sozialer Interaktion bedeutet. Denn um an einem #instabrunch teilzunehmen, bedarf es natürlich auch einer technischen Voraussetzungen. Nämlich, die Nutzung eines internetfähigen Handys – auch Smartphone genannt. Jeder #instabrunch-Teilnehmer sollte selbst auch aktiv Instagram nutzen und somit „berechtigt“ sein, zu solch einer Foto-Sharing-Völlerei. Somit verbringt man einen maßgeblichen Teil seiner Zeit damit, auf seinem Smartphone zu wischen, sei es, um ein Foto zu machen, den richtigen Bildausschnitt zu wählen bzw. letztlich natürlich auch den korrekten Filter und ggf. Rahmen auf/um das gemachte Foto zu legen und, es somit internetfähig zu pimpen.

Macht man ein Foto am Tag, können Konversationen mit anderen Menschen ohne Weiteres stattfinden. Auch die Nahrungsaufnahme bleibt dabei ganz und gar nicht auf der Strecke.

Ist die Vorgabe jedoch, mindestens 9 (in Worten: neun) Fotos (pardon instagrams) zu machen – in einer Art Foto-Schnitzeljagd -, die ein ebenso vorgegebenes Motiv abbilden, so bleibt das Essen und so bleibt das Gespräch mit anderen aus oder wird zumindest stiefmütterlich behandelt. Schade eigentlich, denn brunchen ist gerade an einem Sonntag eine der schönsten Tätigkeiten. Und gesellig obendrein. Stundenlang schlemmen und schnacken. Fein ist das.

Detail im Wandbild - Flaschenpost #welovehh

Detail im Wandbild – Flaschenpost #welovehh

Heute nahm ich das erste Mal an einem #instabrunch teil, organisiert vom Projekt #welovehh und ich fand die Idee cool, andere Foto-affine HamburgliebhaberInnen bei gutem Essen (im Café Pauline) kennen zu lernen.

Doch: Das Kennenlernen beschränkte sich auf Speed-Dating-esque Kurzkonversationen und das gegenseitige Erklären des instabingos – dem Spiel, für welches mindestens neun Fotos notwendig waren. In diesem kurzen Momenten aber meinte ich, überwiegend nette, kreative, humorvolle Menschen getroffen zu haben. Es ging nicht darum, sich gegenseitig erst ein Mal zu erzählen, woher man kommt, was man arbeite und wie man selbst zu instagram gekommen sei. Es wurde auch nicht tiefgründig philosophiert über Fotografie oder Mahlzeiten – es gab übrigens passend zum Start der Wies’n ein bayerisches Frühstück mit Haxen, Weißwurscht und Brez’n (der Vegetarier in mir freute sich über Käse und Pflaumencrumble). Man unterhielt sich kurzweilig.

Nun klingt diese bisherige Beschreibung von #instabrunch nach Enttäuschung. Aber das war es nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, was mich erwarten würde und wurde „aufgeklärt“. Das Essen war gut, die Location bezaubernd, die Motivvorgaben herausfordernd und die Gespräche für den jeweiligen Moment auf den Punkt gebracht. ich weiß nun noch mehr, dass meine instagram-Gewohnheiten nicht zum gespielten instabingo passen. Es gewann nicht das schönste, ausgefallenste oder kreativste Foto, sondern das zufälligerweise in der richtigen Reihenfolge liegende Bild – ich gewann einen Kaffee&Kuchen-Besuch im Café (yeah). Und anhand des heute genutzten Hashtags – #paulineinstabrunch – kann ich auch im Nachhinein sehen, welche Bilder von den anderen Gästen gemacht wurden, was sie vielleicht „gesehen“ haben, wie sie es fotografiert haben. So kurzweilig also die heutige Foto-Sharing-Völlerei war, so kann ich mir auch in den nächsten Tagen noch hashtagreiche Fotos von diesem Sonntagnachmittag ansehen und noch mal darüber nachdenken, was so erzählt wurde. Den/die ein oder andere würde ich bei anderer Gelegenheit noch mal genauer ausfragen über gewisse Dinge. So gesehen, war es ein anregender Zeitvertreib mit mehrfachem Win-Win.

In diesem Sinne:
Danke an Sebastian Timm von welovehh und Steffen Thiel vom Café Pauline für die köstliche und kreative Einladung!
I love Hamburg!

#paulineinstabrunch #instabingo Gewinn

#paulineinstabrunch #instabingo Gewinn

3 Gedanken zu “Was bitte ist ein #instabrunch?

  1. Wow. Spätestens jetzt weiß ich, dass ich alt, verschroben und absoluter Hinterweltler bin. Ich hatte nämlich keinen Schimmer, warum man sich zum Essenfotografieren treffen sollte. Aber jetzt hab ich einen. Danke für den feinen Artikel! Und die herrliche Ironie im Erklärteil am Anfang.

    • Von „alt“ kann hier nicht die Rede sein…ich würde mal sagen, der Altersdurschnitt lag bei 30…ein paar Social-Media-Kidz waren dabei (also diese Digital Natives) und ein paar Leute mit so Welterfahrung😉

  2. Instabrunch hahaha is das crazy….ich komm einfach nicht mehr mit😀
    Aber eigentlich ne lustige Idee, und socializing ist immer gut.

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