Surfen ist nicht cool – nicht nur

Auto beladen. Surfboards on top

Auto beladen. Surfboards on top

Wer jetzt an Sunnyboys und Surferchics, gebräunte Haut und Hang Loose denkt, kennt nur die halbe Wahrheit des Surfens. Die beliebte Sportart ist – nunja – eine Sportart. Manchmal verdammt anstrengend und nicht immer nur einfach cool. Der Weg in den engen Wetsuit, mit Trockenübungen im Sand bis zum ersten Mal Stehen auf dem Board im Wasser ist mühsam und lang, nass und oft salzig. Nicht jedem gelingt es sofort zu stehen, aber diejenigen, die dran bleiben werden mit einem unfassbar geilen Gefühl belohnt. Dem Gefühl vom Fliegen, von Freiheit, von einer jauchzenden, jubelnden Seele!

Blutige Anfänger blicken neidvoll zu den Fortgeschrittenen, die im hinteren Teil des Gewässers – dem Line Up – auf die perfekte Welle warten. Sie selbst schieben ihr riesiges Softboard, oft blau, gelb oder rosa, unbeholfen über den weißen Schaum, dem White Wash, hieven sich ungelenk auf das Brett und paddeln, paddeln, paddeln bis sie doch seitlich abrutschen und es wieder nicht geschafft haben, sich geschmeidig in die Senkrechte zu katapultieren. In diesem Momenten kann man frustrierte Gesichter beobachten, müde Augen; und selbst die Haarsträhnen kleben uncool am Kopf. Man hat sich das alles gaaaanz anders vorgestellt. Einfach cooler.

Wer anfängt zu laufen, schafft selten aus dem Stand eine Rekordzeit oder einen ganzen Marathon. Ähnlich geht es beim Surfen zu. Du findest Theorie ist langweilig? Wellenkunde, Strömung, Strandbeschaffenheit, Boardmanöver all das gehört dazu – ebenso wie weiße Sonnencremestreifen im Gesicht, Sand in den Haaren und das Tragen deines eigenen Equipments vom Auto zum Strand und nach der Session mit müden Armen wieder zurück – wenn der nasse Wetsuit noch mehr wiegt. Anschließend wollen Boards gepflegt, Wetsuits und Leashes gewaschen und Muskeln gelockert werden.

Stichwort Auto: Selten geht es ohne, es sei denn man hat einen perfekten Strand vor der Haustür und kann direkt vom Schlafzimmer auf den Point Break zupaddeln. Die CO2-Bilanz der Surferszene ist höchstwahrscheinlich ziemlich miserabel. Doch die Fahrerei und Suche nach DEN Wellen überwiegt und so können Spritpreise und Luftverpestung keinen Wellensüchtigen bremsen.

Sunsetsurfing, Cotillo

Sunsetsurfing, Cotillo

Also: Warum fasziniert dieser Sport so, auch wenn man ihn nicht überall und unmittelbar ausüben kann? Wie schafft man es, zu denen da hinten zu gehören oder kann selbst das White Wash Surfen Spaß machen?

Surferitis-Infizierte aus aller Welt berichten, dass egal wo und egal wann sie im Wasser sind, jeder Surf anders sei und genau das mache den Sport so faszinierend. Der Ablauf des Take-Off – Welle erspähen, paddeln, hochdrücken, stehen – sei zwar grundsätzlich immer der Gleiche, doch mit jeder Welle, die man erwischt, würde jeder Surf einzigartig. Jedes Mal könne man das Gefühl vom Fliegen, von Freiheit, von einer jauchzenden, jubelnden Seele von Neuem erleben. Dabei ist Surfen nicht nur Action sondern gleichzeitig auch Ruhepol. Draußen im Line-Up zu sitzen und um einen herum das weite Meer und ein leichter Wellengang wirkt gleichermaßen beruhigend, wie der Surf selbst berauschend. Und nicht zu vergessen, dass Gemeinschaftsgefühl und die riesige Surfercommunity auf der ganzen Welt. Wellen gibt es auf der ganzen Welt, also trifft man Surfer aus der ganzen Welt. Das Gefühl vom Fliegen versteht man in allen Sprachen.

Es mag sein, dass Surfen nicht jedermann liegt und man diesen Sport anderen, talentierteren Wassersportfreunden überlässt. Doch wie bei jeder Sportart, gilt auch beim Surfen: Habe Spaß, dann geht es von allein. Niemand erwartet etwas von Dir. Du entscheidest selbst, ob du diese oder die nächste oder gar keine Welle mehr surfst, wann du hinaus ins „große Wasser“ gehst, wann Du lieber am Strand sitzt und den anderen zusiehst und sich mit ihnen freust, wenn sie im richtigen Moment die richtige Welle erwischt haben. Du hast nichts zu verlieren!

Have a good surf!

Have a good surf!

3 Gedanken zu “Surfen ist nicht cool – nicht nur

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