So nicht!

Das habe ich vor kurzem gedacht! Ich hätte am liebsten die rote Karte gezogen und Person X vom Platz verwiesen – raus aus meinem Blickfeld!

Aber, was war passiert?
Dafür hole ich mal etwas aus: Es hat sich sicher herum gesprochen, dass ich in der Kommunikationsbranche arbeite. Jeden Tag kommuniziere ich – über alles Mögliche und ja auch über alle möglichen Kanäle. Ich schreibe unfassbar viel E-Mails, ich telefoniere an manchen Tagen so viel, dass ich abends kein Wort mehr reden mag und privat deswegen auch ganz ganz wenig telefoniere (sorry Mutti), ich zwitschere und poste auch regelmäßig was im Sozialen Netzwerkrauschen, manchmal schreibe ich auch noch Briefe und das sogar sehr gerne, ich versende Kurznachrichten per SMS und Whatsapp und 1-2 Mal im Jahr benutze ich sogar noch ein Faxgerät. Und natürlich rede ich auch – mit der Familie, mit meinen Freunden, auch mit Fremden, mit meinen Kollegen, meinen Kunden, potenziellen Neukunden, mit Dienstleistern – beim Mittagessen, in Meetings…und bei Meet-Ups. Denn: Ab und an gebe ich mir die volle Dröhnung Netzwerken.

Dabei kann ich das gar nicht. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich kein natural Networker bin. Kein begehrter Small-Talker, kein Visitenkarten-Sammler-und -Austeiler. Mittlerweile habe ich zwar die Basics des Netzwerkens ganz gut drauf, das 1×1 des Socializen klappt – je nach Veranstaltung – auch ganz gut – ja, sogar ohne Alkohol. Sowieso, erst recht ohne Alkohol. Aber so richtig wohl fühle ich mich selten. Man mag meinen, dass ich – im Sternzeichen Löwe geboren – doch überhaupt null schüchtern sein kann. Und ja, so wirklich hyper introvertiert bin ich wahrscheinlich nicht. Ich kriege den Mund alleine auf, kann frei erzählen und bringe sogar manchmal Leute zum Lachen. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung, um in der Kommunikation zu arbeiten. Und alles andere kann man lernen, all die  Communications-Tools, Tricks & Tipps – ein Leben lang.

Und so trug es sich vor kurzem zu, dass ich entsetzt zurück schreckte, als ich bei einer Netzwerk-Veranstaltung so penetrant angesprochen und ausgelöchert wurde, dass ich innerlich Alarm schlug: SO NICHT! Hatte dieser Mensch wirklich keine Ahnung davon, wie man ein Gespräch führt? Konnte jemand tatsächlich so unempathisch sein?

Ich suchte vergeblich nach einem Ausweg, nach der roten Karte, nach einer charmanten Alternative für „äh sorry, interessiert mich alles so gar nicht und ich verstehe auch nur blablabla“. Kannste aber auch nicht bringen, dachte ich mir und so harrte ich aus. Gut, dass man ja irgendwann aufs Klo muss, dass Handy klingelt, man ein bekanntes Gesicht in der Menge erspäht oder einem urplötzlich einfällt, dass man ja am nächsten Morgen einen uuuuunheimlich frühen Termin hat. Man sollte auf alles vorbereitet sein und nie ohne Notfallplan zum Networken gehen. Lesson learned!

An dieser Stelle muss ich auch gestehen: Ich habe auch lange gehadert, überhaupt über dieses Erlebnis zu schreiben. Denn jemanden bloßstellen, diffarmieren möchte ich wahrlich nicht. Gut also, dass sich jene Person, der wir diesen Beitrag zu verdanken haben, gar nicht erst mit Namen vorgestellt hat und ich die Kritzellei auf dem Namensbapper auch nicht entziffern konnte.

SO NICHT!
Ganz genau – will man sich nicht erst ein mal erkundigen, mit wem man es da zu tun hat, sich selbst kurz vorstellig machen, vielleicht sogar Hände schütteln, als mit der Tür sowas von ins Haus zu fallen, dass es beinahe zusammen kracht? Sollte man nicht erst ein paar Floskeln austauschen, die Veranstaltung (positiv) kommentieren, oder das Essen, die Getränke – von mir aus das Wetter und die tolle Stimmung? Irgendwas um in Plauderstimmung miteinander zu kommen? Ein kleines Vorspiel für das weitere Gespräch? Aber vielleicht bin ich ja auch total altmodisch, verspießt und mit Stock im Arsch. Das wird es sein.

Da sich Person X also nicht vorstellte, sondern direkt fragte, ob ich in Branche Y arbeiten würde (also nicht PR), war ich schon mal llllleicht irritiert. Als ich erwiderte, dass ich in der PR tätig bin, dachte mein Gegenüber, dass das ja Branche Y sei und legte los: Geschäftsidee hier, Suche nach Partnern da und hey, da würde ich doch bestimmt jemanden kennen? Als ich abermals erklärte, dass PR sicher nicht ganz das sei, was er suche und die für ihn belanglosesten Projekte und Kunden aufzählte, die im Hause so betreut werden – man muss auch mal extrem schlecht verkaufen, dachte ich – verstand er den Wink mit dem Zaunpfahl leider gar nicht, schlimmer noch: er fand in jedem der genannten Projekte und Kunden sogar Synergien für seine Geschäftsidee.

Auch Anmerkungen wie „Sorry, da kann ich Ihnen nicht helfen“, oder „Da bin ich wohl die Falsche“ oder „Am besten Sie suchen mal nach XY“ brachten mich nicht weiter. Wie unhöflich darf ich werden, fragte ich mich!? Wie offensichtlich durfte ich gelangweilt, genervt und auch angewidert aussehen, mit den Augen rollen, die Arme angestrengt vor der Brust verschränken, dass man hätte vermuten können, ich wäre einem Panikanfall nahe?

Andererseits:
Ein Theater wollte ich jetzt auch nicht machen – man trifft sich ja immer mindestens zwei Mal im Leben und in der Szene kennt man sich, da will man ja auch nicht mit einer uncharmanten Performance auffallen.

Es war ausweglos! SO NICHT! schrillten meine Alarmglocken! Warum war ich überhaupt zu dieser Veranstaltung gegangen? Und überhaupt – warum wurde gerade ich, gerade in diesem Moment, gerade von diesem Menschen so angesprochen?

Und so lernte ich sehr viel, nicht nur übers Netzwerken, über Kalt-Akquise sondern auch…über mich selbst.

Meine vorläufigen Dos & Dont’s des Netzwerkens – können ergänzt werden:

DOs

  • Sag gefälligst Deinen Namen und frag Deinen Gegenüber, wie er/sie heißt!
  • Sag etwas Nettes über die Veranstaltung, das Wetter, das Essen, den Gastgeber, ein aktuelles sportliches Ereignis, die Stadt…IIIIIRGENDWAS, um warm zu werden!
  • Frag Deinen Gegenüber, warum er an der Veranstaltung teilnimmt und versuche die Beweggründe zu verstehen!
  • Bleib authentisch!
  • Bleib höflich!
  • Überlege Dir, ob es wirklich sinnvolle Synergien gibt!
  • Wenn ja, tausche Visitenkarten aus, besiegel den neuen Kontakt mit einem Prost oder einem Witz….
  • Wenn nein, tausche trotzdem Visitenkarten aus (du hast doch genug) verdrücke dich charmant!

DONT’s

  • Gehe niemals ohne Notfallplan zu einem Event! (gilt auch für ein Date)
  • Sei kein uncharmantes Arschloch – es gibt immer einen Ausweg und Du lernst Deine rhetorischen Fähigkeiten einzusetzen!
  • Falle niemals mit der Tür ins Haus!

Ich habe mehr Dos als Dont’s formuliert, um das ganze positiv zu sehen. Es war ja ein Learning, wohl mehr für mich, als für Person X. SO NICHT noch ein zweites Mal, denke ich mir! Und vielleicht bin ich auch nicht allein mit dieser Studienerfahrung…

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