Karma-Punkte

…es schadet nicht, freundlich zu sein. TheFeldstudien über die Moral von freundlichen Begegnungen und Kalkül. Denn manch einer wittert bei Freundlichkeit gleich einen Hintergedanken. Da ist was im Busch! Aber, ist das wirklich so?

Kurz gesagt:
Begegne den Menschen mit Freundlichkeit, entweder sie erwidern sie oder sie sind verwirrt. Zähne zeigen ist (k)eine Waffe. Oder, um es mit den Worten von Werner Finck, Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller zu sagen: Lächeln ist die eleganteste Art, seinen Gegnern die Zähne zu zeigen.

Neulich hatte ich eine längere Zahnarzt-Session…
mit Wartezeiten von bis zu 20 Minuten. Nun hatte ich die Wahl der seltsamen Lounge-Musik zu lauschen oder  an die Decke zu starren oder gar das Zahnarzt-Equipment zu erforschen. Da liegen wirklich spannende Sachen und beim Spray, dass für Innenmund-Fotos den Mundraum matt macht, musste ich tatsächlich fragen, wofür es gut ist. Die freundliche Zahnarzt-Helferin bot mir neben einer aufschlussreichen Auskunft außerdem noch etwas zu lesen für die Wartezeit an: „Die Gala vielleicht?“. Ich fand das einfach unheimlich nett und unterstellte ihr auch nicht, dass sie mich davon abhalten wollte, die Geräte anzutatschen, als wäre ich ein kleines Kind. Da ich außerdem mein Smartphone nicht zur Hand hatte und ziemlich wahrscheinlich Live-Tweets vom Behandlungsstuhl nicht gestattet gewesen wären (ich werde das beim nächsten Termin mal in Erfahrung bringen) war ich äußerst dankbar war für den analogen Lese-Zeitvertreib. Statt der Gala wählte ich den Spiegel, den ich zuvor bereits zu lesen begonnen hatte. Irgendwie war ich mental doch wach genug, um mich mit Journalie zu beschäftigen, als mit Boulevard. Wer weiß, ob ich bei einem Nachmittags-Termin anders entschieden hätte.

In jedem Fall freute ich mich ungemein über das unerwartete Leseangebot. Noch mehr freute ich mich einfach über die kleine Aufmerksamkeit, die mir geschenkt wurde. Es schadete weder der Zahnarzt-Helferin, noch meinem Zahnarzt. Im Gegenteil: Es bestätigte viel mehr mein Vertrauen in die gesamte Praxis. (Spätestens bei der Rechnung werde ich darüber vielleicht noch ein mal nachdenken.)

Einige Tage später ein anderes Erlebnis:
Ich wollte Geld abheben, beim Bankomat des Vertrauens. Es war Freitag Abend, Halli Galli auf der Schanze und ich nicht die Einzige, die Bares für Bier benötigte. So trug es sich zu, dass die Warteschlange vor den Automaten nicht übersichtlich war und ich mich einfach einreihte. Fatalerweise! Prompt empörten sich zwei junge Damen über mein forsches Einreihen, bezichtigten mich des Vordrängelns und ja, sie zickten mich an. Nun verfüge ich selbst über wesentliche Zicken-Skills, wenn ich ehrlich bin. Leicht irritiert, entgegnete ich, ich hätte mich nicht vorgedrängelt, das Ende der Schlange hatte ich an dieser Stelle vermutet. Wie dumm nur von mir, nicht wahr? Es war ja wirklich keine Absicht. Und meine Begleitung an diesem Abend – stets gut gelaunt – retournierte gekonnt charmant und geradezu zuckersüß: „Wir haben es nicht eilig, bitte geht ruhig vor!“ Kein Danke, kein Ätschibätsch, niente seitens der beiden Drängel-Damen. Sie gingen stumm zwei Schritte vor, pressten ihre Lippen zusammen und hielten den Kopf hoch.

Im zweiten Beispiel zeigt sich dem geübten Rhetoriker aber doch ein Fünkchen Kalkül. In erster Linie war das Ziel, die angespannte Situation zu lockern. Check, hat geklappt. Unterschwellig, durch die Blume, zwischen den Zeilen…you name it – klang mit: „Mädels, ganz ruhig – Geld ist für alle da“. Der Übereifer, der Vorwurf sollte gebremst werden. Auch das ist gelungen. Noch besser wäre es natürlich gewesen, wäre man mit einem Lächeln auseinander gegangen. Ein „Schwamm drüber, war nicht so gemeint“ hätte das Auseinandergehen besiegelt. Darf man in solch einer Situation überhaupt eine Entschuldigung erwarten? Und wenn ja von wem?

Und wer hat den Schaden in einer solchen Situation? Vielleicht sogar ich selbst, weil ich nicht sofort korrekt reagieren konnte? Oder aber die beiden Drängel-Damen, die sogar mit Freundlichkeit hätten punkten können: „Geht ruhig vor, wir haben es nicht eilig“, wäre doch eine Reaktion gewesen, um mir unterschwellig zu vermitteln, dass ich mich vermeintlich vorgedrängelt habe. ABER, man kann nicht davon ausgehen, dass andere die Unterschwelligkeit auch immer genau so verstehen. Auch andere Frauen nicht, die i.d.R. Master of Feinsinn sind!

Mit diesem Beitrag verteile ich ganz klare Karma-Punkte an die Frau Zahnarzt-Helferin und meine gute Seele Freundin. Jeden Tag eine gute Tat, einfach so, ganz natürlich. Nicht in der Erwartung jemand anderen etwas Gutes tun zu müssen sondern, weil es dem persönlichen Naturell entspricht. Ja, das wäre ideal.

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