Es ist Frühling, NICHT Sommer!

Kirschblüten im Mai

Kirschblüten im Mai

Ja, der Winter war lang. Heimtückisch lang, bitterlich kalt und hartnäckig. Wenn einer so sehr klammert, dann ist man froh, ihn los zu sein. Schließlich kam die Ablösung – mit dem 1. Mai 2013 ging ein Aufatmen durch Deutschland. Zumindest in Deutschlands nördlichen Breitengraden. Endlich! Der 1. Mai erstrahlte mit blühenden Bäumen, hellrosa Kirschblüten, wärmenden Sonnenstrahlen auf den noch blassen T-Shirt Armen. Und am 2. Mai schlichen bereits einige sonnenverbrannte Gesichter zur Arbeit – mit einem ungetrübten, ansteckenden Glücksgefühl (Serotonin und Dopamin sei Dank), das der Jahreszeitenwechsel vollbracht hatte . Der Frühling ist die Jahreszeit des Neuanfangs – zumindest in den gemäßigten Zeitzonen. Vielleicht aber auch ein Relikt aus Zeiten vor dem Klimawandel. Auch wenn man wohl „den Klimawandel“ nicht auf einen festen Tag definieren kann – ein schleichender Prozess, der sich durch immer extremere Winter, unsommerlichere Sommer sowie kurze Frühlinge und Herbste bemerkbar macht. Also damals noch aber, in meiner Kindheit, da gab es noch 4 ordentliche Jahreszeiten. Und herkunftsbedingt natürlich auch immer die fünfte, närrische. Doch heute, im Jahre 2013 – sicher aber ein 2000er-Jahre-Phänomen – sind die Jahreszeiten nicht mehr das, was sie mal waren. Ein Blick ins Social Web verrät: Der Sommer dauert 1 Tag oder ist das schönste Wochenende des Jahres oder kommt auch eigentlich nie. Oder er findet tatsächlich schon jetzt statt – im Mai – wenn wir eigentlich in Frühlingsstimmung sein sollten. Wenn wir uns über die erste Blütenpracht und immer grüner werdende Bäume freuen, wenn die Sonne mit jedem Tag höher steigt, mit jedem Tag wärmer wärmt und die Vögel jeden Morgen um 5 Uhr im Chor trällern, dass man sogar davon wach wird und verzückt lauscht. Das ist Frühling. Frühling ist, wenn wir immer noch eine Jacke – die Übergangsjacke – dabei haben. Wenn die Ballerinas spätestens beim Feierabendbier im schon geöffneten Biergarten keine so gute Idee waren, wenn der Regen duftet, wenn auf NDR2 wieder „Wer piept denn da“ läuft. Wenn es abends eben noch nicht eeeewig warm und hell ist, wenn auch schon jetzt bemerkenswert und ins Freie lockend. Die Instagrams, Tweets, Pins und Posts der letzten Tage verrieten eine Sehnsucht nach Wärme. Eine Wärme, die der Frühling anscheinend noch nicht bietet. Aber lasst ihn uns nicht so stiefmütterlich behandeln. Der Frühling sollte auch symbolisch gefeiert werden. Fangen wir von vorne an. Lassen wir uns von ihm wachküssen und mit Lebensfreude nach der schier endlosen Winterzeit verwöhnen. Bis der Sommer kommt und wir dann Lüftchen lechzend unsere Füße in kalte Bäche setzen. Sommer ist, wenn das Eis sofort schmilzt, die Stirn dauerglänzt, die Röcke kurz sind, die Flip Flops flifloppen, wenn der Schatten zum Lieblingsplatz wird und wir die Nacht zum Tag machen, bevor wir uns nach gemütlichen Couchabenden sehnen. Aber davon soll jetzt im FRÜHLING noch nicht die Rede sein.

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