Der Kapuzenpulli

Der Kapuzenpulli ist nicht einfach nur ein Sweatshirt. Der Kapuzzenpulli ist ein Statement. Ja, sogar ein Statement-Piece. Als Amateur-Fashionista bilde ich mir sogar ein, dass jeder Mensch ein solches Statement-Piece besitzen und hin und wider aktiv in Szene setzen sollte.

Zunächst einmal die Hardfacts:
Ein Kapuzenpulli muss…
– langärmlig und
– langschnittig sein, sprich über die Nieren, bis zum Popo gehen
– eine Bauchtasche haben mit Öffnungen links und rechts, sodass man die linke Hand links und die rechte Hand rechts hineinlegen kann
– natürlich eine Kapuze
– und zwei am Kragenansatz herabhängende Bändchen.

Auf dem Planeten Erde tauchte der Kapuzenpulli erstmals in den 1930er Jahren auf und zwar in den USA. Zu jener Zeit war der Kapuzenpulli ein praktisches Kleidungsstück unter Tagelöhnern und schützte vor allem  vor Nässe und Kälte. Trotz Hippies und Studio54-Blütezeit gelten die 1970er Jahre als die Kick-Off-Jahre des Kapuzenpullis. Doch erst seit den 1990er Jahren nennt man ihn dort „hoodie“, also Kapuzenpulli – kurz für „hooded sweatshirt“, also Kapuzenpullover.

Und nun zu den wichtigen Softskills:
Intuitiv weiß der Mensch, was er einem Kapuzenpulli – SEINEM Kapuzenpulli zu verdanken hat: Denn er – der Kapuzenpulli – kann Vieles, wenn man ihn nicht nur als sportliches Kleidungsstück aus Baumwolle betrachtet. Er  wärmt und schützt seinen Träger, egal ob männlich oder weiblich, egal ob jung der alt. Er macht geheimnisvoll, unsichtbar, anonym.

Schnell übergestreift für den Wochenend-Gang zum Bäcker, schnell übergestreift für die Joggingrunde um den Block, schnell übergestreift für den Gammelsamstag-Abend, schnell übergestreift, um beim windigen Strandspaziergang nicht zu frieren – schnell übergestreift um nicht splitternackt aus dem (fremden) Bett zu steigen.

Schnell übergetreift und laaaaang anbehalten.

Dieses Kuschel-Wärme-Schutzgefühl – das kleine tragbare Nest mit oder ohne Aufdruck, am besten eine Nummer größer als der Rest der Kleidungsstücke – das kann nur der Kapuzenpulli leisten. Wenn man ihn trägt – den Kapuzenpulli – dann drückt man aus: Ich brauche Wärme – ja auch auf dem Kopf, und um den Kopf herum, auch in der Stube; ich brauche Schutz vor der bösen Welt da draußen; ich möchte kein anderes Kleidungsstück tragen, denn nur mit dem Kapuzenpulli kann ich (heute) ich sein. Manchmal spricht er sogar, leise und doch gut hörbar: „Bitte Abstand halten“.

Gut zu wissen:
Auch der Kapuzenpulli muss ab und an gewaschen werden. Es empfiehlt sich, die Waschanleitung auf dem Etikett zu befolgen, um dem Kaupuzenpulli ein langes Leben zu bescheren und sich selbst einen treuen Begleiter bei Wind und Wetter – bei emotionaler Ebbe und Flut.

Nebenwirkungen
Die hier aufgeführten Hard- und Softskills beziehen sich auf die gewaltfreien Interpretationen des Kapuzenpullis in unserer Gesellschaft. Doch auch Kriminalität wird mit diesem besonderen Kleidungsstück in Zusammenhang gebracht. Nicht-Kapuzenpulli-Affine mögen Kapuzenpulli-Fans als faul und ungepflegt halten, sogar für Schlägertypen, Hooligans und Rechtsradikale. Nun bin ich selbst weder übermäßig faul noch auffällig ungepflegt und schon gar kein rechtsradikaler, schlägertypisierter Hooligan, nur weil ich derzeit drei dieses begehrten Kleidungsstückes mein Eigenen nennen darf.

Bedauerlicherweise hat der Kapuzenpulli aber auch in die brutalen und nachlässigen Subkulturen Einzug erhalten. Vielleicht ist dies der Filmkultur geschuldet, die „einfache“ Protagonisten mit einfachen Kleidungsstücken zeigte, siehe „Rocky“. Brutal sind natürlich auch – aber auf ironische Weise – die ganzen amerikanischen Highschool-/College-Filme, in denen massenhaft Hoodie getragen wird.

Hoddie-Hug

Hoddie-Hug

3 Gedanken zu “Der Kapuzenpulli

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