Bahnfahr’n

...schnell zum Zug

…schnell zum Zug

Neulich fuhr ich mal wieder Bahn. Nein, nicht S- der U-Bahn…sondern Fernbahn. Zug.

Bahnfahren kann aufregend sein – für Kinder. Bahnfahren kann notwendig sein, für Pendler. Bahnfahren kann auch anstrengend sein – für ungeduld’ge Leut, die schnellstmöglich und aber spontan von A nach B wollen. Ungeduld’ge Leut kaufen sich kurz vor Abfahrt einen Fahrschein ohne Platzreservierung und denken, irgendwo zwischen Lok und Schlusswagon selbstverständlich eine Sitzmöglichkeit für die nächsten Stunden aufzutun. Manchmal haben sie aber dann so viel Gepäck dabei, dass sie es selbst kaum in die Bahn wuchten können. Wenn sie es dann durch die engen Gänge und Sitzreihen wuchten, schieben, drücken oder ziehen, schwitzend, fluchend stets nach einem Rastplatz suchend, dann treten sie dabei oft anderen Menschen auf die Füße oder überrollen anderer Leut‘ Füße. Sie machen sich dann sehr sehr unbeliebt.

Manche ungeduld’ge Leut setzen sich auch einfach auf irgendeinen Platz und achten nicht auf Reservierungen. Kommt aber dann eine Person, die sich einen solchen Platz durch eine Reservierung erkauft hat, gibt es einen kurzweiligen Rollenwechsel und der ungeduld’ge Leut ist plötzlich der mit der Sitzplatzreservierung. Dieser Mensch ist dann nicht nur ungeduldig sondern auch ungehalten. „Das ist mein Platz“ wird vehement um die gerechte Sitzplatzverteilung gebellt. Ertappt und beschämt rafft der ehemals ungeduld’ge Leut, nun auch atemlos vor Anstrengung durch die Sitzplatzsuche, seine Habseligkeiten zusammen und begibt sich erneut auf Sitzplatzsuche.

Eine Sitzplatzsuche versetzt ungeduld’ge Leut besonders bei Staubildung in eine brenzlige Situation. Staus entstehen meist bei der Einnahme und Einrichtung von (reservierten) Sitzplätzen. Hier ist oft zu beobachten wie unhandliche, das eigene Körpergewicht überschreitende Gepäckstücke mit letzter Kraft in die Gepäckablagen über den Sitzen bugsiert, anschließend Mäntel, Handschuhe, Mützen und sonstige Kleinigkeiten in Seelenruhe abgelegt werden und aus dem Handgepäck daraufhin das für die Fahrt Unterhaltungszubehör aus dem Handgepäck gegraben bis das nun leere Handgepäckteil ebenfalls in die Gepäckablagen über den Sitzen gelegt wird. Dann erst wird sich gesetzt. In und gegen Fahrtrichtung haben sich in dieser Zeit im Mittelgang zwischen den Sitzplätzen Sitzplatzsuchende mit ihrem Gepäck, Handgepäck sowie Verpflegungsbeutelchen gestaut. Es wird geflucht. Geflucht wird stumm durch verdrehte Augen, zusammengepresste Lippen, schwere Atmung und in sich hinein gemurmelte Hasstiraden. Geflucht wird aber auch unüberhörbar. Man könne doch erstmal alle durchlassen, bevor man sich auch noch seiner Unterbux entledige, so mancher Kommentar. Oder: Man denkt ja immer zuerst an sich. Ungeduld’ge Leut vergessen in solchen Situationen oft, dass sie sich in einem öffentlichen Raum befinden, ergo nicht alleine sind und vor allem vergessen sie, dass sie sich mit solchen verbalen Beiträgen nur allzu treffend selbst beschreiben. Sie verlieren ihre Contenance. Die menschliche Selbstbeherrschung ist nicht mit in die Bahn eingestiegen. Die blieb am Gleis stehen.

Was ungeduld’ge Leut nicht wissen: Durch Gefluche, Gestampfe, Gepolter und Gekeife löst sich ein solcher Stau auch nicht auf. Natürlich könnte die Bahn auch einen Wagen andocken, der ausschließlich nicht-reservierbare Plätze offeriert. So wüssten ungeduld’ge Leut oder solche, die sehr kurzfristig zum Ticketkauf kommen und somit also keine Sitzlatzreservierung erhielten, wo sie einzusteigen hätten und könnten dadurch so manch unangenehme Situation umgehen.

Ungeduld’ge Leut und deren Gekeife, Gebelle, Gezeter lässt sich übrigens besonders gut mit Kopfhörern und, je nach subjektiver Stimmungslage, passender musikalischen Untermalung ertragen.

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