Om nom nom

'tis a piece of pink cake - om nom nom

‚tis a piece of pink cake – om nom nom

Schon mal gefragt, warum alles om nom nom-isiert wird? Jedes Brötchen, jedes Süppchen, jedes Krümmelchen. Alles ist immerzu om nom nom lecker.

Bei om nom nom handelt es sich um eine Lautmalerei zur Verdeutlichung eines intensiven Geschmackserlebnisses oder zur Verdeutlichung fehlender Tischmanieren und dabei stattfindener Vertilgung einer wohlmundenden Mahlzeit. Om nom nom ist heutzutage global enorm beliebt!

Glaubt man dem Urban Dictionary wird die Herkunft von om nom nom auf die in der Sesamstraße auftretenden Figur des Krümmelmonsters zurückgeführt. Beim Verzehr seiner Kekse krümmelt es nicht nur ungeniert, es – also das Krümmelmonster –  fällt regelrecht über seine Keksbeute her und stopft sie gierig und laut hörbar mit om nom nom in sich hinein. Kinder, die Hauptzielgruppe der Sesamstraße, finden das lustig.

Aber wie hat es om nom nom nun in „unsere“ Erwachsenen-Welt geschafft, in jedes Foodstagram, in unsere Alltagssprache?

Das Internet haben die Kids nämlich noch nicht erobert, auch wenn sie damit aufwachsen. Erobern wir bierernst gewordenen Erwachsenen uns mit om nom nom aber vielleicht ein wenig Kindlichkeit zurück? Erleben wir eine Verniedlichungs-Revolution? Warum auch nicht – Hello Kitty ist längst nichts mehr nur für kleine 5-jährige Gören und Emoticons verzieren unsere Fantastilliarden von täglich verschickten Nachrichten. Der Foodstagram-Theorie möchte ich hier noch etwas genauer nachgehen.

Aber, was war das gleich nochmal – dieses „Foodstagram“?

„Foodstagram“ ist ein Kunstwort, das sich zusammensetzt aus „Food“, also englisch für Essen, und dem Namen der wohl beliebtesten Fotografie-App „Instagram“, deren zahlreiche Filter zur Nostalgisierung von Schnappschüssen verhelfen. Foodstagrams sind also Schnappschüsse von Essen. Und sein Essen zu fotografieren ist nicht erst seit Beginn des neuen Hipsterzeitalters (21. Jahrhundert) eine mehrmals täglich stattfindende Handlung. So lohnt sich in diesem Zusammenhang auch ein Blick über den globalen Tellerrand Richtung Asien. Aus einer über rund ein Jahr angelegten Feldstudie vor Ort, im Land des Lächelns, zwischen 2005 und 2006 bestätigte sich meine Annahme, dass Japaner ihr Essen ungemein lieben. Zu Recht! Sie lieben es, sie essen es, aber bevor sie es essen….fotografieren sie es – und damals vor rund 8 Jahren kannte man noch kein Instagram. Da gab es also noch keine Foodstagrams. Es reichte die immer-dabei -Digitalkamera. Gerne ließen sich die Japaner zu „meiner“ Zeit auch mit ihrem Essen fotografieren mit dem typischen Victory-Zeichen: „ichi, ni, san – cheeezu! Itadakimasu!“ Die Erkenntnis: Mit dem Festhalten einer Mahlzeit durch eine Fotografie wird Anerkennung und auch so etwas wie Dankbarkeit für ein (gutes) Essen ausgedrückt.

Beobachtet man Japaner und auch andere reisefreudige Asiaten in anderen Ländern – also als Tourist – kann man selbiges Verhalten auch vor dem Verzehr von Pizza, Döner oder Currywurst beobachten. Erst das Foto, dann das Food-Vergnügen! Essen ist ja auch Kultur und kann aufregende Einblicke in ein fremdes Land liefern. Kultur für alle Sinne – ein regelrechtes Körpererlebnis. Noch vor einigen Jahren landeten die gemachten Fotos, entwickelt und sortiert in einem Fotoalbum. Eingeklebt und eventuell sogar beschriftet. Als Basis für den Reisebericht, dür die Nachwelt oder für melancholische, schwärmerische Nachmittage.

Längst ist Food-Schnappschuss-Fotografie nichts typisch Asiatisches mehr. Zumindest in den Hipsterhochburgen.

Und heute, im Sharing-Zeitalter,

…wird jedes Foodfoto umgehend ge-shared dank Instagram und ähnlichen Foto-Apps: Klick, Filter drauf, Bildunterschrift und zack hochladen ins große weite (böse) Internet. „Hm…lecker Daten…om nom nom“ sagt sich das Internet bestimmt auch!

Om nom nom ist durch die Nutzung von Instagram und Co. zu einem Phänomen unserer Wohlstandsgesellschaft geworden. Wer es sich leisten kann, probiert sich durch die Geschmackswelten unserer Erde und lässt andere per Foto daran teilhaben: „Hey schaut her…das ist so…om nom nom“ oder „Frisch gebackene Macadamie-Berry-Vanilla-Flavor-Nuts-Crumble-Double-Chocolate-Cranberry-Fudge-Brownies – om nom nom„.

Das hat doch etwas Gebetartiges ist aber kürzer und bedarf keiner Übersetzung – im Deutschen könnte es in etwa so heißen, angelehnt an das Vater Unser: „…unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unser Schudligern und führe uns nicht in Versuchung dieses Mahl unfotografiert zu lassen, denn auch andere sollen sich daran laben. Denn dein kommt ins Netz, hat die Schönheit für die Ewigkeit – Amen!“

Wir halten fest

Durch die Kombi aus Foodstagram und des abstrahierten, allseits verständlichen „Hmmm, das schmeckt aber sehr gut“ oder „Hmmm, das sieht aber lecker aus“ ist om nom nom vorerst nicht aus unserem Alltag wegzudenken.

Noch besser wäre es natürlich, wenn wir unser tägliches om nom nom Essen auch wirklich teilen würden, also nicht nur in Bildern und Leckerheits-Bezeugungen sondern am selben Tisch, zur selben Zeit. Vielleicht ist ja om nom nom auch ein Symptom unserer zunehmend anonymen Einsamkeits-Gesellschaft. Gerade weil man alleine isst, gibt einem das vermeintlich soziale Internet die Möglichkeit mit anderen gemeinsam zu speisen, zu genießen.

In diesem Sinne – ich bin schon gespannt auf mein erstes Mal bei YumWe einer Koch-Online-Plattform im Rahmen der Social Media Week in Hamburg (18.-22.Februar) – denn auch Kochen ist social. In diesem Sinne: Bon appétit!  Äh…ich meinte natürlich: om nom nom nom nom nom nom nom nom …            

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