I heart bicycles

Caties Bike

Caties Bike ©Catie Hoffmann

Diese Feldstudie handelt vom Fahrrad vom Fahrradfahren vom Fahrradfahren in Hamburg und vom Fahrradfahrer weniger wohlgesonnenen Verkehrsumfeld. Eine Studie aus mehreren Fragmenten mit persönlichen Akzenten:

Intro
Ich liebe nicht nur Fahrräder und fotografiere sie gern oder stelle mich selbst mit meinem Velo vor die Linse (obwohl ich total fotoscheu bin), ich fahre auch unheimlich gerne Fahrrad. Bei Wind und bei Wetter. Und das in Hamburg – ohja, kein Witz!

Radeln in Hamburg
Als Nicht-in-Hamburg-Lebender mag man denken: „Oh toll, Hamburg ist so eine schöne Stadt, da kann man ganz bestimmt toll Fahrrad fahren. Da gibt es auch keine Berge!“

Als In-Hamburg-Lebender-und-vor-Allem-Radelnder weiß man: „Oh ja, Hamburg ist wirklich eine schöne Stadt, da sollte man bestimmt toll Fahrrad fahren können. Da gibt es zwar keine Berge, aber dafür zu wenig Radwege, zu viele Autofahrer, Busfahrer, Taxifahrer oder unaufmerksame Fußgänger, leinenlose Hunde und Kinder, Glasscherben und im Schnee-Chaos allzu selten freigeräumte wie gestreute Radwege!“

Ihr seht: Fahrradfahren ist eigentlich ein fatales Unterfangen in Hamburg – wenn die Handlung an sich nicht etwas ganz Wundervolles wäre und Hamburg an sich als Stadt nicht ebenso ganz wundervoll.

Und für Wind und Wetter gibt es unglaublich unerotische dafür praktikable Regenjacken und -hosen sowie durchaus stylishe Regenstiefel. Alles in allem also irgendwie annehmbare Rahmenbedingungen.

Die Anderen
Nicht zu vergessen, die Motzmentalität meiner Mitmenschen:
Typisch deutsche Sätze wie: „Falsche Seeeite“, „Kein Licht, junge Dame“ oder „Hetzense nich so“ müssten mich kalt lassen. Echtma! Aber wenn ich morgens gut gelaunt Richtung Schanze radle und mich fast vorbildlich mit Licht und an die STVO haltend verhalte, man mir dann aber morgens schon so kommt, dann…dann…könnt ich echt….hmpf, arghs….krisch plack…weißte?! Ey so viel miese Laune um zwischen 8 und 9, dat iss nich jesunt, leeeve Leut (da hört ihr den Rheinländer in mir). Da isset mir ejal, ob dat hier in Hamburch so ne Laune iss, oder man morjens einfach mies druff, dat man da so rumnörjeln muss, nee – dat iss…dat iss….neee, neee, dat iss nee….wat kannste da noch machen?! Sach ich dir! Boaaah ey!

Muss ma jesacht werden!

Räusper.

Und an die lieben KFZ-Fahrer (Bus, PKW, LKW, Taxi…alles mit Motor und vier Rädern, aber ohne Umsicht), hier ein paar bereits 2009 verfasste Worte, ganz im Stile der Motzmentalität – da bin ich Profi:

Lieber Verkehrsteilnehmer von heute morgen,
wahrscheinlich machst Du Dir niemals Sorgen.
Gedankenlos kuppelst Du in Deiner Kiste,
während ich auf meinem Zweirad sitze.
Mit einer Hand kramst Du im Handschuhfach
Und wunderst Dich, wenn’s plötzlich kracht.
Natürlich hast Du keine Schuld,
allein nur ich, mit meiner Ungeduld.
Deine Ampel leuchtet niemals rot,
was wäre nur, wäre ich jetzt tot?
Nein! – Ich lebe ja, hatt’ es kommen sehen,
blieb an meiner grünen Ampel stehen.
Hätt so gern die Straße überquert,
als sich rasend schnell Dein Auto nähert.
Unverhofft tratste noch auf die Bremse,
fuchtelstest hastig mit beiden Händen.
Hätt ich nun gnädig deine Füße küssen
Dich noch dankbar, freundlich grüßen müssen?
Ich motzte zu Dir durch die Windschutzscheibe,
Du fandest, dass ich übertreibe.
Das Fenster kurbeltest Du hinunter,
grinstest fröhlich, ja recht munter.
Wütend aber äffte ich Dir ins Gesicht:
Nächstes Mal halt ich nicht!

…zu Studienzwecken nehme ich so einiges in Kauf.

Projects to love’n like 

Watch out: Caties Bike is a Panther  ©Till Gläser, wearetraffic.de

Watch out: Caties Bike is a Panther ©Till Gläser, wearetraffic.de


Achso und was das Fotothema angeht, wie oben kurz angerissen: Ein großartiges Projekt hat sich 2012 aufgetan, es nennt sich: WE ARE TRAFFIC. Björn Lexius und Till Gläser portraitieren Hamburger Radfahrer mit ihren Rädern. Die Beteiligung und Resonanz sind bombastisch – über 100 Portraits gibt es schon und jeder der Radeln im Herzen hat, sollte sich vor die Linse stellen und sich mit seinen Velo kreativ in Szene setzen lassen: Mal auf der Bühne im CCH, mal auf einer Rolltreppe, vorm Fernsehturm (oh, das bin ja ich), in einer Zirkusmanege, im alten Elbtunnel…überall eben, denn radgefahren wird in Hamburg überall. Nun ist sogar ein Bildband geplant, der zunächst über Crowdfunding finanziert werden soll. Ich werde auch ein paar Taler in den Topf werfen und bin gespannt auf den Bildband.

Nicht zu vergessen die jeden letzten Freitag im Monat stattfindende CRITICAL MASS. Massives Maßnahmen-Fahrradfahren zu Tausenden durch Hamburgs Straßen – getreu dem Motto: We are not blocking traffic, we are traffic.

Zum Schluss noch eine Ode an Mein Fahrrad
Mein Fahrrad ist mein Auto, mein Packesel, mein Verkehrsmittel des Vertrauens.
Mein Fahrrad bringt mich zum Laufen, zur Arbeit, zum Feiern und wieder nach Hause.
Mein Fahrrad trägt mich und meine Kilos, meine Einkäufe und meine Retouren.
Mein Fahrrad meckert nie.
Mein Fahrrad ist immer da.
Mein Fahrrad. I heart you!

PS:
Und meine „eigenen“ Bilder sind nicht ganz so menschlich, wie die von Björn und Till, aber wenn ich ein fotografiefähiges Gerät dabei habe, dann knipse ich ab und an mal schöne Räder. Die bisherigen Geknipsten sowie online entdeckten Schönlinge kann man auf meinem Pinterest Board „TBO – The Bike Obsession“ begutachten.

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