Wenn ich mal groß bin…

… dann werde ich…
– Feuerwehrmann,  Tierärztin, Schauspielerin, Koch…
…Blogger.

Damals, Anfang der (meiner unschuldigen) 90er Jahre hatte man noch bodenständige Ziele…und dann kam das Internet. Mit diesem Internet wurden zahlreiche  neue Berufe und Lebensmodelle geschaffen.
Plötzlich konnte man Social Media Manager werden, Webdesigner, StartUp-Unternehmer oder auch Blogger.

Aber, lässt sich als Blogger auch Geld verdienen? Wie läuft das denn, wenn man einfach mal irgendwie anfängt, bei wordpress oder blogspot einen Blog einlegt – seine Meinung zu einem gewissen Thema kundtut…wie läuft das dann mit dem Geld verdienen? Welcher Text bringt das Kleingeld für die Brötchen?  Und wie sieht es mit den Bloggern aus, die zu einem Publishing-Netzwerk gehören wie etwa Glam Media?

Klartext

Ich stelle diese Frage nicht, weil ich selbst blogge und damit Geld verdienen will – au contraire. Denn, um eins klar zu stellen, ich will hiermit gar kein Geld verdienen. Ich mache das aus Spaß an der Freude (Freizeit-Texten), denn mein Blog deckt ein viel zu spezielles Spektrum ab, von dem Firmen nicht viel haben, mal abgesehen von meiner mikrigen Reichweite.

Ich stelle diese Frage, weil ich inzwischen, von Berufs wegen, diverse Blogger kenne, die von diversen Firmen als relevante Multiplikatoren gesehen werden. Diese Blogger haben a) einen tollen Blog, b) sind up-to-date in ihrem jeweiligen Themenbereich und c) haben eine vorzeigbares Netzwerk, angefangen bei ihrer beneidenswerten Reichweite, ihren Fans und Followern und und und.

Aus diesen und sicherlich noch einigen weiteren Gründen erhalten sie Einladungen zu Events, hochwertige Testprodukte, kontinuierliche Aufmerksamkeit. Das Leben eines Bloggers müsste eigentlich unglaublich toll sein. Aber ist es das auch?

Zumindest wenn man die Blogger nimmt, die eben all das bekommen. Es gibt ja viele Typen von Bloggern. Solche, die einfach angefangen haben, regelmäßig etwas in Text- und/oder Bildform auf eine Website zu stellen. Sie haben nach und nach Leser immer mehr Leser erreicht und wurden irgendwie „berühmt“. Sozusagen: „Digital famous“. In erster Linie mag das Ziel gar nicht Ruhm und Reichtum gewesen sein (oder doch? -man möge mich aufklären), fühlt sich aber so gut an, dass man weiterbloggt.

Dann gibt es solche Blogger, die genau das wollen und einfach nachmachen. Manche erreichen damit sogar auch den Status „digital fame“, sind vielleicht sowas wie digitale B- oder C-Promis. Aber nicht originell. Allerdings ist ihr Ziel Ruhm und Reichtum.

Eine andere Blogger-Gruppe schreibt einfach, erreicht passabel viele Leute – wahrscheinlich immer noch mehr als die FDP Wähler hat – bleibt aber weitestgehend unbeachtet in der „digital hall of fame“. Finden solche Blogger aber völlig in Ordnung.

Ganz grob gesagt.
–>note 2 myself: Eine ausführliche Blogger-Typologie könnte ich mir mal für einen späteren Beitrag vornehmen.

Umdenken 

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einigen Modebloggern über den Zwiespalt: Einladung zu einer Produktvorstelllung mit Reise und Pipapo. Natürlich alles for free und natürlich soll man sich als Blogger bloß nicht gezwungen fühlen, etwas schreiben zu müssen.

Aber gleichzeitig steckt sehr viel Herzblut in den Blogprojekten, an denen oftmals  mehrere Personen mitarbeiten. Ja, richtig „mitarbeiten“. Schreiben, layouten, Bildauswahl…etc. Einen Blog zu betreiben, heißt eigentlich redaktionell arbeiten. Mit dem Unterschied: Subjektivität ist erlaubt. Und: Bloggen wird kaum oder nicht entlohnt. Die Frage ist auch von wem Bloggen bezahlt werden sollte – dieser Frage geht auch  Antje Schrupp in ihrem Beitrag auf carta.info nach. Sie sieht Bloggen als Tauschgeschäft und hält Bannerschaltung für den besten Kompromiss, denn sollten wirklich Leser/innen für die Blogtexte bezahlen?

Wie lange kann man als Blogger der „digital fame“-Liga mitmachen, aber damit maximal ein kleines Taschengeld verdienen? Wie kommt man sonst an den Input, um Beiträge erstellen zu können, wenn man den persönlichen Kontakt nicht pflegt? Und wie viel verpasst man, wenn man Einladungen ablehnt? Wieviel Authentizität geht verloren, wenn Beiträge und Kooperationen gegenfinanziert werden?

Pünktlich zur Berlin Fashion Week hat sich nun ein neues Blog-Projekt aufgetan: Muse.Net – ein Zusammenschluss von Modebloggern. Ziel: professionalisierte Positionierung in der Bloggerszene.

Das Neue ist zum einen, die Finanzierung – transparent nachzulesen, Mediadaten vorhanden. Zum anderen ist auch der Zusammenschluss mehrerer Blogger ein modernes Konzept in der deutschen Bloggerszene. Bisher traf man nur vereinzelt Blogger, die sich ihre Beiträge bezahlen lassen wollten. Sie fordern, wie selbstverständlich Geld, wenn zu einem Event eingeladen oder ein Produkttest angeboten wird. Allerdings erfährt man das (erst), wenn der persönliche Kontakt (endlich) aufgebaut ist. An sich ist es auch nicht verwerflich, Geld für eine Leistung zu verlangen. Schließlich wollen beide Seiten (Unternehmen + Blogger) von der Zusammenarbeit profitieren. Und das ist der Punkt, den viele Unternehmen noch lernen müssen. Bisher dachten sie, dass sie den Bloggern mit Goodiebags und VIP-Behandlung einen Gefallen täten. Da es aber zunehmend B-und C-Promi-Blogs gibt, ist es schwer die Spreu vom Weizen zu trennen. Wer sind eigentlich die wirklich relevanten Blogger? Und wie viel bringt einem das x-te Gewinnspiel auf Blog XY? Wie lange läuft ein erfolgreicher (gleich profitabler) Blog neben dem normalen Job?

Ab sofort heißt es mehr denn je – liebe PR-Kollegen: Zuhören, abwägen, verhandeln, wenn eine Zusammenarbeit mit Bloggern wirklich ernst gemeint ist. –> 2nd note 2 myself: Meine Arbeit als PR-Mensch wird damit nicht leichter…;)

Ende der Gratiskultur

Wir befinden uns im Umbruch im Umgang mit kostenlos erhältlichen Medien.
Wie geht es weiter mit der digitalen Gratiskultur?

Dieses Thema beschäftigt mich schon eine ganze Weile – mindestens seit dem Frühjahr 2012 – und ist noch lange nicht zu Ende gedacht. Mit diesem Post möchte ich (auch für mich) zu einem Austausch anregen und hoffe auf aufschlussreiche Diskussionen mit (allen Typen von) Bloggern, PR-Kollegen und Unternehmen, die Blogger Relations als Teil ihrer Öffentlichkeitsarbeit verfolgen.

3 Gedanken zu “Wenn ich mal groß bin…

  1. Sehr schöne Fragen. Ich gehöre wohl eher zu den Management-Bloggern die nah an der „Self-Marketing-kostenlose-eBooks-Newsletter-Kurse-verkaufen“-dran sind und keine Gadgets testen oder über Fashion schreiben.

    Trotzdem interessiert mich deine Frage in Bezug auf Blogger allgemein. Ich finde es grundsätzlich schwierig fremde Inhalte zu integrieren, denn sie sind halt fremd. Ich habe bisher jedes einzige Angebot deiner PR-Kollegen abgelehnt, in einem Fall wurde mir auch klar Geld geboten. Ich antworte auf solche Anfragen gerne damit, dass ich einfach nicht weiß wie ich den Inhalt unterkriegen soll ohne das es sich wie Fremdkörperbloggen anfühlt.

    Im Grunde sind meine Podcasts mit meiner Peer nichts anderes als Inhalte anderer, aber es ist natürlich ein himmelweiter Unterschied wenn ich z.B. mit meinem Coworker Matthias über seine Arbeit ins Gespräch gekommen bin und die meiner Meinung nach spannendsten Themen noch einmal in einem Podcast vertiefe.

    Meine Meinung zu paid Content ist, dass es durchaus funktionieren könnte solange der Inhalt stimmt und zum Blog passt. Die Gegenleistung die der Blogger für sagen wir 400€/ Posting bringt ist die Contentproduktion (Audio, Video, Text), die Verteilung in sämtlichen Social Networks der eigenen Peer und Crowdstorming Elemente bei signifikanten Gesprächen in Kommentaren. Der Auftraggeber zahlt den Blogger also dafür, dass er eine Brücke zu einer Zielgruppe baut, die er selbst nicht erreichen kann, aber der Auftraggeber muss sich die Mühe machen zu überlegen wie man das Thema einbetten kann. Und natürlich sollte der Blogger einen Disclaimer einsetzen, dass das Posting paid ist.

    • Erstmal Danke für die Zustimmung und deiner Erfahrung mit Anfragen – Fremdkörperblogging bringt es auf den Punkt! Und ja, man muss da sicherlich noch mehr differenzieren zwischen den Blog-Arten. Besonders im Bereich Consumer Blogs, wie oben beschrieben, ist Refinanzierung wichtiger denn je.

  2. Pingback: Dein Blog und wir. | thefeldstudien

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