Achtung Shopping-Pärchen!

Sie sind nicht niedlich, sie sind nicht lieb und sie sind niemals zu Hause.
Shopping-Pärchen halten sich am liebsten in der Öffentlichkeit auf: in überfüllten Einkaufshäusern, auf von Menschen durchfluteten Shoppingmeilen, in ohrenbetäubend lauten Bistros. Auffällig viele belagern an Samstag Nachmittagen die Gemeinplätze.

Vorsicht ist also geboten, wenn man sich in ihrer unmittelbaren Nähe befindet, etwa vor oder hinter ihnen stehend in einer Warteschlange oder auch in der direkt nebenan liegenden Umkleidekabine eines Bekleidungsgeschäfts. Shopping-Pärchen probieren nämlich grundsätzlich potenzielle Neutextilien immer gemeinsam an, nie getrennt voneinander. Wer also nichtsahnend, sagen wir mal, eine funktionale Laufleggins anprobieren will, kann dabei folgendem Dialog lauschen:

DIALOG I
Sie: „Schau mal, ich krieg die gar nicht zu. Sonst trage ich immer die 38. Das versteh ich jetzt nicht. Ich muss wirklich abnehmen.“ (Pause)
Sie: „Aber wenn ich sie offen lasse, passt sie ja. Was meinst Du?“
Er: „Ja, hm…probier doch mal die andere an. Offen getragen erfüllt sie ja ihren Zweck nicht.“
Sie: „Ich habe bisher immer 38 getragen. Das versteh ich jetzt nicht. Offen geht nicht, sagst Du?“ (Pause)
Sie: „Ja, dann lass uns lieber noch mal weiter gucken.“

Ein unschuldiger Allein-Shopper hört diesem Dialog fassungslos in seiner 1,5 Kubikmeter Umkleidezelle stehend zu, völlig kraftlos, sodass die Hosenbeine der engen Laufleggins schlaff am Boden liegen. Man ist dazu verleitet, den Dialog mit seinem Spiegel-Alter-Ego nachzuäffen, den Bauch nach vorn zu wölben und sich plötzlich wirklich elendlich dick zu finden (=sie). Man könnte sich auch an einem Homer Simpsons Blick versuchen und nicht mehr nur so zu tun, als verstünde man nichts (=er).

Kommunikation zwischen Männer und Frauen – ein Thema für sich: Was sagt sie? Was versteht er? Was will sie, dass er versteht? Was meint er, was sie will, dass er denkt, was er denkt, dass sie will, was er sagt? Ein kleiner Tipp, da ich sie tatsächlich ein bißchen verstehen kann (Ja, wirklich. Denn, wir Frauen finden uns ja immer zu dies…oder zu das….): Frauen wollen ab und an folgendes hören: „Nein Schatz, Du siehst toll aus!“ oder „Nein Schatz, Du musst nicht abnehmen!“ oder auch „Nein Schatz, Du kannst wirklich alles tragen!“

Bei mir dann bitte ohne das ganze „Schatz“!

DIALOG II
Sehr schöne Shopping-Pärchen-Gespräche lauern auch im Supermarkt. Hier ist die Rollenverteilung des Bestimmers umgekehrt, wenn auch beide Parteien um das letzte Wort kämpfen:

Er: „Nee, lass ma frischen Koriander nehmen. Frischen! Nicht so Industriezeugs.“
Sie: „Iss aber günstiger. Und gemahlenen Koriander haben wir doch noch zu Hause. Wir brauchen auch noch Frischkäse.“
Er: „Jo. Läuft. Ist drin.“
Sie: „Nimm bitte den Fettarmen.“
Er: „Nimm bitte den Fettarmen…nününününü – achkomm, der schmeckt doch gar nicht. Hier, Vollrahm – schmeckt, nehmen wir.“
Sie: „Aber dann heute keine Chips.“
Er: „Für mich schon, musst ja nicht mitessen!“

Jäger und Sammler gehen bei der Nahrungssuche, wie sich in diesem modernen Beispiel vom Samstag, den 24. November 2012 herausstellt, mit unterschiedlichen Zielen und heterogener Effizienz vor. Sie achtet auf den Kosten-Nutzen-Kalorien-Vorteil, er auf den Schnelligkeits-Geschmacks-Ergiebigkeits-Faktor. Diese Konstellation unter zusätzlich erschwerten Bedingungen, wie Wartezeiten aufgrund von überfüllten Plätzen, Entscheidungsdiffizilität aufgrund von Warenvielfalt sowie Zeitmangel aufgrund des nahenden und bereits durchgeplanten Abend-Unterhaltungsprogramms sorgen für lebensbedrohliche Vorboten, insbesondere bei unbeteiligten Allein-Shoppern.

LEBENSGEFAHR?
Wirklich lebensbedrohend? Nun, der Stressfaktor in unsere zunehmend haltlosen Gesellschaft ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Vor allem, wenn man als junger, dynamischer und stets hochmotivierter Angestellter im Kreativ-Kommunikationsbusiness in einer pulsierenden Stadt wie – zum Beispiel – Hamburg agiert, spielt das Wochenende, sprich S A M S T A G UNNN S O N N T A G eine signifikante Entspannungs-back-to-Normalpuls-Rolle. WENN ABER Individuen in Situationen, wie oben beschrieben, geraten also unfreiwillig in einen Konflikt, kann es passieren, dass plötzlich ein Empathie-Prozess ausgelöst wird. Hierbei verwenden sie Kraft, Mühe und Gehirnsubstanz dafür auf, sich in andere hinein zu versetzen, arbeiten mit den eigentlich sich regenerierenden grauen Zellen eine SWAT-Analyse durch, bis sie einen Lösungsansatz entwickelt haben. Und das unbewusst, ungefragt und natürlich auch ungewollt. Das schnell erarbeitete Ergebnis ist also für die Katz und das Shopping-Pärchen bereits beim Tütentragen Richtung Parkhaus.

Der Puls rast. Man versucht sich zu beruhigen: „Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen. Es ist alles gut. Alles ist gut. Dir geht es gut…Alles…du spinnst!“ Und wieder schellen die inneren Alarmglocken! Man hat sich umsonst innerlich für andere aufgeregt, für die solche Dialoge normal sind, auch wenn sie nicht normal sein können. Schlussendlich bleibt der Stress am Allein-Shopper hängen, der es nicht geschafft hat, sein Wochenende zur Regeneration zu nutzen.

Dabei sollte doch klar sein, dass Achtung Shopping-Pärchen folgendes heißt:

– Meide am Samstag die Innenstadt!
– Erledige deine Einkäufe am besten schon am Donnerstag zwischen 22 und 0 Uhr, wie alle Großstadt-Singles.
Kaufe Deine Kleidung im Internet bei Händlern, die keine Versandkosten erheben.

Wenn Du Dich an diese drei einfachen Grundregeln hälst, kann Dir nichts passieren.

Und: Du wirst auch diese Vorweihnachtszeit gesund und stressfrei überstehen!

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