Tea to Go

Ist Tea to go the next big thing? Laut dem Handelsblatt hat Starbucks erkannt, dass sich mit Kaffee nicht mehr DAS große Geld machen lässt, weshalb man nun ins Teegeschäft einsteigt. Aber keine Sorge: man will sich „breiter aufstellen“ – Kaffeekreationen wie „Tall Latte double shot, Karamel-Flavour und mit Edding auf den Pappbecher gekritzelter Vorname“ für drei siebzig bleiben uns wohl erhalten. Dann wäre ja alles gesagt…

…wenn ich nicht dazu tendieren würde, immer viel zu viel zu schreiben. Wenn Du also Zeit zu lesen hast, bleib doch noch etwas da. Wir haben doch Zeit. Und müssen nicht schon wieder husch husch irgendwohin eilen. Ich lad Dich gern ein, einfach mal eine Weile zu sitzen, zu lesen, zu grübeln. Egal ob Du nun Tee oder Kaffee (oder Milch oder Saft oder Wein…) trinkst. Bier ist auch okay – wirklich.

Käffchen mit Ausblick – Amsterdam 2011

Nicht, dass ich noch nie etwas to go konsumiert hätte. Ich gestehe, es passiert etwa 1-2 Mal die Woche. Ich weiß das tatsächlich so genau, weil ich mir die Ausgaben immer aufschreibe. Ich habe Kollegen, die tun es auch öfter. Manche sogar 1 mal am Tag. Also Coffee to go…Aber, warum tun sie es? Wir haben ja Kaffee bei uns auf der Arbeit. Sogar für lau. Das Problem ist nur, er schmeckt nicht. Wirklich. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es wohl der mieseste Kaffee in der ganzen Schanze ist. Deswegen sind viele Kollegen auf Kaffeepads umgestiegen oder teilweise auf Nespresso-Kapseln. Die Umwelt hat natürlich keiner gefragt.

Hier eine These: Es geht uns in erster Linie darum unseren Kaffeedurst zu stillen, unsere Müdigkeit zu bekämpfen, unsere Geschmacksnerven zu verwöhnen, weswegen wir stets das Kaffee-Optimum aufsuchen. Es ist also regelrecht grandios, dass es direkt um die Ecke das Elbgold gibt – bester Kaffee in der Schanze! (wooord!)

Coffe to go back at workspace

Natürlich könnte ich, der Umwelt zu Liebe, meinen Latte double shot mit laktosefreier Milch für drei dreißig auch dort trinken und nicht mitnehmen. ABER, es fehlt mir nach meinem Mittagessen (ein- oder auswärts) leider die Zeit. Ich würde sonst wirklich sehr, sehr gern bleiben. Das tolle am Elbgold ist ja nicht nur, dass der Geschmack stimmt, sondern auch, dass man dort irgendwie entschleunigt wird. Kommste rein, wird Dir gleich warm ums Gemüt, der Duft von geröstetem Kaffee in der Nase. Geil! Und viele (schöne) Schanzenmenschen da. Man hätte also viel zu gucken und es würde nie langweilig.

Genug der Lobhudelei…Elbgold hin oder her – wirklich ökologisch ist diese ganze to go Kultur nicht. Ich müsste mir bei Gelegenheit ein paar Zahlen ansehen, um diese Überlegung weiter auszuführen. Aber man stelle sich mal einen Pappbecher mit Plastikdeckel vor (siehe rechtes Bild), dazu, je nach Geschmack, ein kleines Zuckertütchen aus Papier und ein Holzstäbchen zum Umrühren. Wie viele von uns to go-Verehrern trennen wirklich Deckel von Becher? Mal ganz ehrlich…tust Du es? Das ganze im direkten Vergleich zu einem Becher aus – sagen wir – Keramik, spülmaschinengeeignet. Kann man auch mit der Hand spülen. In jedem Fall also wiederverwendbar. Hört sich durchaus umweltfreundlicher an.

Aber, to go hat natürlich auch Vorteile. Allen voran die sogenannte Convenience (=dt. die Annehmlichkeit, der Komfort) für unterwegs. Heutzutage muss man ja geradezu unterwegs sein, emsig, immerzu umtrieben – ergo muss man wach sein. Folglich: man  muss Kaffee trinken (müssen). Damit sich die lieben Teetrinker jedoch nicht diskriminiert fühlen und Heißgetränk-Ausschank-Stuben zukünftig wirtschaftlich bleiben, gibt es das Aufgussgetränk fortan auch für unterwegs. Tee ist im übrigen – wenn ungezuckert – auch kalorienärmer als Kaffee. Wenn das mal nicht DAS Trendargument schlecht hin ist!

Wirklich convenient ist Tea to go aber nicht, will ich behaupten. Sollten Starbucks und seine Marktbegleiter das Becher-Konzept des Coffee to go übernehmen, frage ich mich und natürlich alle, die geblieben sind, um zu lesen: Wohin bitte mit dem Teebeutel? Ein schwarzer Tee muss nicht lange ziehen, ein Kräutertee schon mal bis zu zehn Minuten (und Früchtetee sollte meiner Meinung nach eh verboten werden).

Man stelle sich mal folgendes Szenario vor: Man hat es eilig. Man balanciert geschäftig in der einen Hand das blau leuchtende und laut piepende Smartphone, in der anderen Hand einen Becher mit frisch aufgebrühtem Tee. Iiiirgendwann muss der Beutel doch raus. Sonst schmeckt er doch bitter. Schon mal einen überdurchen schwarzen Tee getrunken? Allein schon bei dem Gedanken, schmecke ich das Tein auf meinen Zähnen. Und verfehlt Tea to go nicht auch den wohligen Teegenuss? Was assoziieren wir gleich noch mal mit Tee? – Wärme, Gemütlichkeit, Ruhe. Am frisch aufgebrühten Tee im vermeintlich praktischen Pappbecher mit Plastikdeckel für unterwegs verbrenne ich mir doch die Zunge und weiß nicht, wohin mit dem Teebeutel; verflogen ist der ganze Teezauber.

Fassen wir zusammen:
Es gibt viele Menschen, die unterwegs gern etwas Heißes trinken möchten, hohe Geschmacksanprüche und das passende Kleingeld haben –  aber, und das ist ein historisch gewachsenes Gesellschaftsphänomen, keine Zeit, um Halt zu machen. Die to go Kultur funktioniert und sie wird voraussichtlich auch mit Tee als Zusatzoption für auf die Hand funktionieren. Ist to go aber nicht auch ein Verfall der guten alten Kaffehaus-/Teestuben-Kultur und entgehen uns nicht auch haufenweise soziale Begegnungen, eben weil wir nie Zeit haben, mal irgendwo zu verweilen?

Mir grauts schon vor überkreativen, brachialromantischen Geschmackssorten für unverschämt viel Geld. Ob es jemals wieder eine to stay Kultur geben wird? Sogar Leggins und Dauerwellen hatten ein Revival.

Es bleibt also nur noch zu sagen: Lass uns einfach abwarten und Tee trinken! 

Japanische Teezeremonie, Kumamoto 2005

Danke, dass Du geblieben bist, um zu lesen und auch an Björn, der das Thema für thefelstudien interessant gemacht hat. 

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