En Voyage

Grüezi aus Züri,

heute früh machte ich mich par avion auf den Weg ins schweizerische Zürich, um übers verlängerte Wochenende Freunde zu besuchen.

Mein Reiseweg von Tür zu Tür dauert gute 3,5 Stunden: zu Fuß zum Bus, mit dem Bus zur U-Bahn, mit der U-Bahn zur nächsten U-Bahn und von dieser in die S-Bahn zum Flughafen. Das erste Mal seit langem ohne Piepen und halbes Freimachen durch die Sicherheitskontrolle, zu Fuß zum Gate, in den Flieger und eine Stunde später raus, in die Tram, in den Bus und am Ende noch ein paar Meter zu Fuß. Und schon bin ich da!!! Ding dong.

Das tatsächlich Spannende an meiner Anreise waren aber (hört, hört) die vielen Mitreisenden.

Episode 1:
Es fing schon auf der ersten Rolltreppe in Terminal 2 an, als eine junge Frau DEN Fehler beging und links stehen blieb. Da ich mich selbst für die Rolltreppe entschieden und mich und mein Gepäck auf der rechten Seite platziert hatte, tangierte mich dieser Fauxpas (zunächst) nicht. Ich ahnte aber bereits ein Donnerwetter und vernahm, da leicht seitlich stehend, einen Mann mittleren Alters in offensichtlicher Zeitnot, der abrupt hinter der jungen Frau stehen blieb, da diese sich, fälschlicherweise, zum Stehen nicht auf die rechte Seite gestellt hatte sondern links, und so den Durchgang für gehende Rolltreppen-Benutzer blockierte.

Der Mann schnaubte. Er schüttelte den Kopf. Er versuchte sich an der Frau vorbei zu drängeln und flüsterte geradezu „lassen se mich ma vorbei!“, dass die junge Frau gar nicht erst reagierte, weil sie den Mann gar nicht hören konnte. Und da dachte ich mir: wenn er es soooo eilig hat, dann soll er doch einfach direkt die Treppe nehmen und am besten gleich zwei Stufen auf einmal steigen. Oder zumindest in einem hörbaren Ton, um Durchlass bitten, um rechtmäßig auf der linken Rolltreppen-Seite im eigenen gehenden Tempo auf die gewünschte Gebäude-Ebene zu kommen.

Episode 2:
Nach Gepäckabgabe und zügiger Sicherheitskontrolle schlenderte ich gemütlich zu meinem Gate.
Dort gönnte ich mir meinem ersten Kurzurlaubs-Kaffee und staunte nicht schlecht über die beiden Herren vor mir in der Schlange. Es war gerade einmal 9:00 Uhr in der Früh. Eine Zeit in der normalerweise Kaffee oder Tee getrunken wird, vielleicht auch mal ein Glas Milch oder Saft – in jedem Fall aber nicht-alkoholische Getränke – zumindest für einen Wochentag fernab der Reeperbahn! Die beiden Herren vor mir in der Schlange reisten, so schien es, nicht gemeinsam. Ich schreibe das, weil das Konsumverhalten der Mitmenschen (hier der persönlichen Mitreisenden) durchaus auch die persönliche Konsumentscheidung beeinflussen kann.
Die Männer, so schien es jedenfalls, gehörten nicht zusammen und bestellten ein großes Pils bzw. ein Croissant und einen Prosecco. Nun gehen mich die Gewohnheiten anderer Leute nichts an und man mag mich einen Spießer nennen…der ich ziemlich wahrscheinlich auch bin…aber es war totallement irritierend! Und natürlich wunderte ich mich, was so eine Bestellung und der Konsum alkoholische Getränke zu einer für mich ungewöhnlichen Uhrzeit, über unsere Gesellschaft aussagt. Oder sagt das vielleicht auch einfach gar nichts aus? Ich fragte mich, ob sich die beiden Herren einfach mal was gönnen wollten: ein paar Schluck prickelnden Schaumwein genießen, sich mit einem frisch-gezapften Bier erfrischen?! Dekadenz, Luxus, Genuss – einfach, weil mans kann. Und nicht, weil man nicht ohne kann.

Episode 3
Fast am Ziel meiner Anreise nach Zürich angekommen, erlebte ich die Episode, die manch einer sicher kennt. Besonders die Vielflieger eignen sich irgendwann eine Gelassenheit an und planen bereits beim Online Check-In mit einem möglichst nah am Ausgang gelegenen Sitzplatz, um schnell aus dem Flieger zu kommen, oder sie wissen einfach grundsätzlich, dass sofortiges Vom-Sitzplatz-Aufspringen sobald die Maschine die Halteposition eingenommen hat, nichts bringt, da sofortiges Flugzeug-Verlassen nicht möglich ist. Dennoch gehören erstaunlich viele Menschen zur Spezies „Vom-Sitzplatz-Aufspringen“. Es ist immer wieder erstaunlich, dieses kultur-, alters- und geschlechter-übergreifende Phänomen zu beobachten. Auch das Verhalten, im Anschluss der Handlung sofort-Aufstehen verdient hier eine kurze Abhandlung. Dazu stelle man sich kurz den engen Gang zwischen den Sitzreihen vor, egal ob in einem Jumbo oder einer kleinen Maschine. Eng ist so ein Flieger immer. Und noch enger wird es, wenn plötzlich alle auf einmal aufspringen und hinaus wollen. Da sie jedoch nicht hinaus kommen, stehen sie gequetscht, teilweise mit zur Seite geneigtem Kopf unter den Gepäckfächern und warten. Sie warten ungeduldig, genervt, aufs Klo müssend, nicht weiter kommend.

Ob Spießer und/oder Klugscheißer: Inzwischen weiß ich, dass ich schon irgendwann aus dem Flieger rauskomme, trinke außerdem liebend gern, manchmal viel und oft auch abends Kaffee und kann mich auch ab und an köstlich über Menschen ärgern, die mir im Weg rumstehen. Nur gerade im Urlaub gelingt es mir, das ganze mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit zu erleben…

Ade, bis bald.

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It’s the people who make the difference.

2 Gedanken zu “En Voyage

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