Die ungeschminkte Wahrheit!

23 Nov Goodnight Make-Up.

Statt mir beim inzwischen traditionellen November-Beauty-Nachmittag mit meinen Sportsfreundinnen die Nägel lackieren oder den Nacken massieren zu lassen, entschied ich mich gestern für ein Make-Up. Ich ließ mich das erste Mal von einem Profi schminken! Und wer mich kennt, weiß, dass ich Natürlichkeit sehr schätze.

Me, ungeschminkt.

Me, ungeschminkt.

Aber, eins nach dem anderen:
In der Calla Beauty Lounge im Hamburger Stadtviertel St.Georg trafen wir uns fernab vom Training, gönnten uns verschiedenste Beauty-Anwendungen und tratschten bei Prosecco (mit Hibiskus…yummy) und Häppchen. Es gab reichlich News auszutauschen und all die Leckereien wegzuputzen – auch so hätten wir den Nachmittag wahrscheinlich gut rum bekommen. Als mich die Kosmetikerin schließlich zum Make-up aufrief, bat ich die Runde noch mal um Aufmerksamkeit, denn so würde ich gleich wohl nicht mehr aussehen. Ich hatte mich völlig ungeschminkt aus dem Haus begeben – also weder die kleinen Rötungen abgedeckt oder die Wimpern getuscht. Mein “Sonntags-Look” war mit mir schon am Samstag durch die halbe Stadt geradelt, durch ein bißchen Hamburger Schietwetter, vorbei an aufgehübschten Touristen und feschen Locals. Zu Hause hatte ich noch ein tapferes, ungeschminktes Selfie geschossen und mich dabei gefragt, warum wir  Menschen uns eigentlich schminken – manche mehr, als andere.

Ja so mancher Anlass lädt natürlich dazu ein, sich etwas fein zu machen, Falten zu überschminken und eine charmante Röte auf die Wangen zu pudern und mit Mascara einen verführerischen Augenaufschlag zu zaubern. Und im Alltag – wenn man “nur” ins Büro geht, den Müll rausträgt, den Hund Gassi führt oder beim Bäcker um die Ecke Sonntagsbrötchen holt…selbst zu diesen Anlässen helfen viele Menschen – Frauen wie Männer – mit Farbe und Cremes nach, um wacher, charmanter und vorteilhafter auszuschauen. An sich ja nicht verkehrt und historisch gewachsen. Tarnungen sind eben völlig normal in der Menschen- und Tierwelt – wie würden wir wohl ohne Make-Up Macht ausüben und uns von anderen unterscheiden?

Ich wurde in einen hell erleuchteten Raum geführt…
…und durfte auf einem hohen Hocker Platz nehmen. Links neben mir waren unzählige Tuben, Döschen, Pinsel, Stifte und Farben aufgestellt, rechts neben mir an der Wand lehnte ein gigantischer Spiegel, zu dem ich zwischendurch immer wieder rüber lukte, um das Make-Over step by step mitzuverfolgen. Hätte ich von jedem Step ein Foto gemacht, hätte die Anwendung statt sportlicher 25 Minuten wohl eher 50 Minuten gedauert. Es gibt also “nur” den Vorher-Nachher-Vergleich…

…und meine Erinnerung der Prozedur:
1.) Zuerst musterte die Kosmetikerin mein Gesicht, einmal mit offenen und einmal mit geschlossenen Augen. Sie fragte nach meinen Vorstellungen und ich sagte ihr, dass ich es gerne natürlich hätte. Also keine zu grellen Farben. Ich vertraute ihr einfach. Sie sagte auch, dass wenn es mir nicht gefallen würde, wir auch noch mal von vorn anfangen könnten.

2.) Dann cremte sie mein Gesicht mit einer neutralen Gesichtscreme ein und bemerkte dabei, dass ich trockene Haut hätte. Aha.

3.) Die erste Schicht und erste Farbe Make-up wurde aufgetragen. Dafür benetzte sie einen Spachtel mit etwas Farbe und nahm diese mit einem Pinsel auf, um sie in meinem Gesicht zu verteilen – etwas um die Augen, auf der Stirn. Die zweite Schicht Make-up eines etwas dunkleren Tons fand auf gleiche Weise seinen Weg vom Fläschen in mein Gesicht und wurde nach und nach mit dem helleren Make-Up eingeblendet und teilweise auch mit Fingerspitzen eingeklopft. Das sei präziser, sagte die Kosmetikerin.

4.) Es folgte Puder und hier habe ich leider nicht besonders gut aufgepasst. Ich weiß nämlich nicht mehr, ob es zwei, drei oder sogar vier verschiedene Farben waren, die auf meinen Wangen, Schläfen, meiner Stirn, etwas am Kinn und vielleicht auch auf der Nase verteilt wurden. Das hört sich alles wahnsinnig viel an – für mich zumindest – fühlte sich aber erstaunlich leicht an. Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, zugekleistert zu werden, was neben meinem Wunsch nach Natürlichkeit mein zweiter Wunsch war.

5.) Anschließend ging es an meine Augen. Etwas Kajal an den Lidrändern und hellen Lidschatten. Vom Lidrand zur Augenbraue wurde von dunkel nach hell eingeblendet zu einem dezenten Smokey-Eye. Danach wurden mir die Wimpern schwarz getuscht. Ordentlich, auch die Wimpern am unteren Lidrand.

6.) A propos Augenbrauen. Die wurden nicht ausgespart – im Gegenteil. Und die Kosmetikerin empfahl mir auch sonst meine Augenbrauen zu betonen. Soso. Scrollt man durch Beautyblogs und Instagram-Kanäle, schaut man auf die Looks der Runyway-Models um den Globus, dann weiß man: Augenbrauen sind nicht nur ein paar Haarkurven über den Augen – sie verstärken die Mimik. Und betonte Augenbrauen machen einen Look perfekt, geben dem Gesicht mehr Stärke und nehmen ihm vielleicht auch die Lieblichkeit. Und so strich die Kosmetikerin mit einem ganz feinen Pinsel braun-schwarze Farbe in die Brauen.

7.) Zu guter letzt sollten auch meine Lippen etwas Farbe abbekommen. Ein Lippenstift wäre wohl die einfachste Idee, um Lippen zu schminken. Aber dann holte die Kosmetikerin einen Konturenstift aus ihrer Zauberbox hervor. Einen Konturenstift! Damit soll Lippenstift länger halten und die Lippen definiert wie betont werden. Die Kosmetikerin hatte einen hellbraunen Ton gewählt und eine Linie entlang der Lippenränder gemalt, die Mundwinkel ausgespart und anschließend Lipgloss im gleichen Farbton aufgetragen.

8.) Mit einem strengen Blick prüfte sie dann ihr Gesamtkunstwerk und lies mich nun mein geschminktes Ich im Spiegel begutachten. Also drehte ich mich nach rechts und blickte in zwei sehr dicke dunkle Augenbrauen und einen Mund, der nach Permanent Make-up schrie.

9.) Ich fand zwar schnell Komplimente für den insgesamt natürlichen Look, aber auch klare Worte zum Konturenstift, der mir sodann per Wattestäbchen wieder entfernt wurde. Ganz so dunkel hatte ich meine Lippen nicht erwartet und fühlte mich mit dieser, wie ich fand, strengen Wirkung etwas unwohl.

10.) Ohne Konturenstift gefiel ich mir besser!

Der Profi-Look.

Der Profi-Look.

Als ich nach etwa 25 Minuten zur Gruppe zurück ging und sie mein Make-Over sah waren die Reaktionen durchweg positiv. Nun möchte ich natürlich keiner meiner Freundinnen Unehrlichkeit unterstellen – aber i.d.R. machen einem die Menschen eher ein Kompliment, wenn es um eine optische Veränderung geht. Wer will nicht gerne hören, dass die neue Frisur gut aussieht, auch wenn man sich selbst noch dran gewöhnen muss. So ähnlich ging es mir gestern mit Profi Make-Up auch.

Mein ungeschminktes Fazit:
Es war wie immer ein toller Tag mit meinen Freunden, die ich meistens nur in Sportfunktionskleidung treffe. Und ich bin ebenso froh, dass ich mich für das Make-Up entschieden habe, um – ganz Feldstudien mäßig – etwas Neues auszuprobieren. Die Situation war ungewohnt: nicht nur, weil mir jemand unheimlich nah kam und mein Gesicht zur Leinwand eines Künstlers wurde mit der Aufgabe, die natürliche Schönheit zu betonen, den Typen aber nicht zu verändern. Alles in allem, ein spannendes Experiment von Fremd- und Selbstwahrnehmung, dessen Ergebnis ich noch zu einem Essen ausführte, bei dem dann auch die männlichen Sportsfreunde dabei waren.

Goodnight Make-Up.

Goodnight, Make-Up.

Als ich zu Hause ankam, sah ich nochmal ganz genau hin und kam mir selbst im Spiegel so nah wie selten. Meine Wangen glitzerten und am Haaransatz waren Puderpartikel zu sehen, wie auch an den Nasenflügeln. Wo waren meine Sommersprossen? Dann griff ich zum Make-Up Entferner. Das Abschminken dauerte länger als gewöhnlich, wenn ich mein fünf-Minuten-Augenringe-weg-wache-Augen-und leichte-sunkissed-Wangen-Gesicht abends in Wattepads reibe. Meine Haut war wieder befreit von parfümierter Foundation und von Puder. Meine Brauen waren wieder sie selbst – schmal und unperfekt. Die Narbe unter der Unterlippe wieder sichtbar.

Amateurhaftes Make-Up...

Amateurhaftes Make-Up…

Vielleicht bin ich stur, aber so wie ich mich bisher “angemalt” habe, gefalle ich mir doch besser. Doch, den ein oder anderen Profi-Trick werde ich sicher beherzigen – also, gebt mir nen Anlass!

Throwback Thursday

13 Nov 1796414_279279235556474_811542707_n

I wonder when Throwboack Thursday became so popular and who made it a thing. Any idea? Was it a celebrity who wanted to show a little more realness by posting a filter-free childhood picture? Maybe. Either way, I like this social media movement, because sometimes I like to sit back and enjoy a little nostalgia.

The other day a friend of mine celebrated her birthday with friends from various stages of her life. Everyone got to share their favorite memory of their friendship. I loved every single story!

I think these memories and flashbacks make us realize how pretty cool our lives are, especially if we’re having a shitty day. My recipe for a bad, moody day is watching music videos from the 90′s that include massive dance choreographies – like Caught in the Act’s “Love is Everywhere” (and of course couching).

Now I could dig through my box of photos from the 80′s and 90′s, or sing a long some crappy pop songs from back in the days. But for my first Throwback Thursay story I decided to share a very recent one. The photo you see above was taken in February this year. I was staying in Santa Marta when I decided to get my Open Water and Advanced Open Water diving licences. It was a week packed with early waking up, driving to nearby Taganga, sqeezing into a damp wetsuit, bumby boat rides, saltwater, morning diving sessions, underwater discoveries and learning how to navigate, how to stay boyant, how to read my gauge, how to put on a circus show for the fish and crabs and all the creatures down there, when my instructor made me do sommersaults and swim through a loop – and even how to stay calm during a thrilling night dive. In the afternoons I would try to get some theory in my head with a beer or fresh fruit juice, or write postcards that I would send only a few days before returning home.

Santa Marta became my home away from home for much longer than I attempted to stay in any place. It also became the place that I returned to after my trip to Palomino, La Guajira, and Costeno Beach. It was the one place where saying goodbye made me realize that my trip would be over very soon. But with mental pictures and even actual pictures from this time I get to go back whenever I feel the need of my “sunny diving-paradise-home away from home”.

Frauen ab 30…

5 Nov Einhorn

…ich bin jetzt eine. Eine Frau ab 30. Seit einigen Monaten bin ich neues Clubmitglied. Aber was das bedeutet, dass es mir etwas bedeutet, wurde mir erst bewusst als mir bei einem Routine-Termin beim Frauenarzt die freundliche Arzthelferin eine “Untersuchung für Frauen ab 30″ empfahl. Ich gestehe, ich war etwas perplex. Das klang wie: So, jetzt mal zack zack, ist nicht mehr lang Zeit, bald ist der Zug abgefahren, husch, husch, Sie machen das jetzt auch mal, daran führt kein Weg vorbei, endlich sind Sie auch an der Reihe. Schweigen. Räuspern. Pokerface. Ich werde darüber nachdenken.

Aber was heißt es, eine Frau ab 30 zu sein? Wird man davor schon als “Frau” wahrgenommen oder geht man noch als Glitzer-Hipster-Fun-Happy-Party-Girl durch, das zufälligerweise schon arbeitet und relativ selbstständig ist? Ist frau aber 30 wird allerlei definiert. Es gibt Gesichtscreme für Frauen ab 30, Untersuchungen für Frauen ab 30, Frauen ab 30-Ratgeber – einfach mal “Frauen ab 30″ googlen, da wird Kopfschütteln zum horizontalen Headbanging. Nicht zu vergessen auch die sagenumwobenenen und geschmacklos grell beworbenen Ü30 Partys, wo man Männer ab 30 treffen kann…aber tatsächlich Männer über 50 trifft, die einfach mal wieder ne Jüngere knallen kennenlernen wollen, habe ich mir sagen lassen.

Als Frau ab 30 steht man in der Pflicht – gegenüber der Gesellschaft: Überall kann man lesen und sich informieren, dass man ja drei Jahrzehnte lang Zeit hatte, sich zu finden, unabhängig zu werden und Spaß zu haben. Man sei JETZT in einem Alter, in dem man WICHTIGE ENTSCHEIDUNGEN fällt. Häusle bauen, Babys machen, Karriereleiter klettern. Das sei wirtschaftlich und normativ. Man könne auch weiterhin ganz bezaubernd aussehen, sich adrett kleiden. Aber Vernunft hat vor Spaß eben Priorität. Frauen ab 30 trinken auch angemessener, sprich sie hängen nur noch einmal in der Woche total durch – von Sonntag bis Sonntag, eine der bisher qualvollsten Feldstudien.

Als Frau ab 30 steht man in der Pflicht – gegenüber der eigenen Familie: Seit einigen Jahren gibt es zwei Themen, bei denen wir uns partout uneinig sind. Denn meine Familie findet es immernoch schwer nachvollziehbar, dass ich kein Fleisch esse und verdeutlicht mehr und mehr, dass ich mich, also unsere Gene…nunja…vermehren sollte. Das sagen sie so plump nicht, aber die Häufigkeit mit der sich meine Großeltern nach meinem Liebesleben erkundigen – also genauer gesagt, ob ich einen Freund habe, weil sie sich nun mal Urenkel wünschen (ja, das sagen sie) – spricht Bände. Auch meine Mutter interessiert sich zunehmend für meine Herzensangelegenheiten, denn beruflich scheint es ja zu klappen (dass ich vor kurzem meinen Job verloren habe und bald wieder von vorne anfange, habe ich ihr noch nicht erzählt). Und wenn man sich bei den Familientreffen genug über das Wetter, Gesundheit, Reisen, Tatort, Kochrezepte, das Wetter, Theaterstücke, Nachbar X und Nachbar Y, das Wetter, das Wetter und vor allem das Wetter ausgetauscht hat, dann drehen sich nach und nach, ganz langsam und ganz gezielt alle Köpfe in meine Richtung…wie so Puppen in Horrorfilmen, die l a n g s a m  mit starrem Blick zum Stehen k o m m e n und dich a n g l o t z e n. Nur! Noch! Dich!!!

Genau für diese Situation bin ich nun gewappnet auch im Hinblick auf das nahende Weihnachtsfest, das wie alle Jahre wieder zur Herausforderung wird, weil ich ja als Vegetarierin “nichts Richtiges zu essen bekomme”, denken meine Verwandten. Jaja stimmt, ich bin ja auch nur – Achtung Ironie – Haut und Knochen (und Muckis), denke ich. Wie soll das also bloß dieses Jahr werden, wenn ich meiner Familie offenbare, dass ich a) immer noch Single, b) immer noch unschwanger und c) neuerdings auch noch vegan bin?

Hallo, wie bitte? Heißt es nicht, dass Frauen ab 30 nun endlich mal “have their shit together” sollten? Was fällt mir nur ein, plötzlich auch noch vegan zu sein? Das macht man doch als Teenager weil man irgendwelche gruseligen Schlachterfilme gesehen hat und gegen alles ist was einem die Eltern sagen und vorleben. Und warum sapperlot bin ich immer noch Single, wenn es doch Tinder, Finya, OkCupid, Shop a Man, Elitepartner, Friendscout und wie sie alle heißen gibt? DAS GEHT NUN WIRKLICH ZU WEIT, höre ich sie schon alle schimpfen und kichere laut in mich hinein. Nein, ein bauchmuskelstarkes muahahaha hallt schallend von Ottensen, durch Hamburg, hinaus durch die ganze Republik und über alle Grenzen bis zu den kleinen Männchen im All.

Mein veganer Schlachtplan: Neben Maronenbraten mit Preiselbeersoße kredenze ich meinen Großeltern, Eltern, Tanten und wer nun alles dieses Jahr an der weihnachtlich gedeckten Tafel sitzt eine Liste meiner Herzbuben, die ich beim tindern und digitalen dating so erspäht habe. Eine Vorselektion also, ganz Aschenputtel-esque: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Da lässt sich doch sicher ein Prince Charming aka Mr. Right aka der Vater meiner Kinder aka Muttis Schwiegersohn finden. Meine Verwandten sollen somit sehen, dass ich ihre Sorgen und Wünsche berücksichtige, also nicht nur tatenlos zu Hause rumsitze und Serien schaue oder nur darauf warte, dass ein Prinz an meine Türe klopft, ein zauberhaftes Schühchen hinhält, ich mit meinem zarten Fuß (Größe 37/38) hineinschlüpfe und wir dann bis in alle Ewigkeit glücklich davon reiten, auf einem Einhorn versteht sich. Mit dieser Geste – des a) selber kochens und b) aktiv werdens, um den dauerhaften Singlestatus endlich in “it’s complicated” ändern zu können, kann ich meine Familie sicher zum Schweigen bringen und dieses Thema endlich ad acta legen.

Ich vermute ja, dass Oma & Co. ganz schnell verstummen werden und ihr sonst so verschmitztes Grinsen (von irgendwem muss ich das ja haben) klirrend erstarren wird. Ein himmelhochjauchzendes, doch wortloses Erstaunen wird ob des aromatischen, vollmundigen und festlichen Geschmacks meiner kulinarischen Überraschung in der Luft hängen. Um die Stille zu überbrücken werden sie alle laut schmatzen, verlegen mit dem Silberbesteck klappern und natürlich noch Nachschlag nehmen, nur um überhaupt etwas zu sagen. Denn an “Online Dating”…hatten sie…nun nicht gedacht, als sie sich meine Märchenhochzeit vorstellten. Das ist ja… wie…wie…nein…also wirklich, Kind….das hast Du doch nicht nötig, werden sie zaghaft vor sich hin murmeln.

Dieses Jahr läuft bei uns an Weihnachten “The Clash of Generations Part I”. Ja, dieses Internet ist für meine Familie irgendwie Neuland. Liebe dort zu finden, das können sie sich nicht vorstellen. Aber dass ich es ihretwillen dort versuche, das können oder wollen sie noch nicht verstehenSo haben wir das doch nicht gemeint, werden sie sagen. Ja, was denn nun, werde ich fragen. Ich bin nun mal ein Digital Native, das Bratenrezept habe ich auch aus dem Netz, höre ich mich dann sagen. An der Käsetheke werde ich bestimmt keinen kennen lernen – wo ich doch jetzt keinen Käse mehr esse, füge ich hinzu. Beim Sport und im Job gibt’s zwar reichlich Eyecandy, aber gucken reicht mir (“don’t fuck the company”, sage ich jetzt lieber nicht). Und überhaupt, auch wenn eure Ur-/Großeltern-Uhr tickt, meine Biologische tut’s noch nicht. Das wollt ihr vielleicht nicht hören, aber ich hab’s ehrlich gesagt nicht eilig mit Heirat und Kindern, auch wenn andere das machen und ich sehe, dass es ihnen damit sehr gut geht. Was ich meiner lieben Familie erstmal als Argument erspare, die theoretische Möglichkeit, meine Eizellen einfrieren zu lassen. Natürlich nicht sponsored by Arbeitgeber, sondern ganz unabhängig von irgendwelchen visionären Firmenbindungsmaßnahmen. Das ist dann vielleicht eher  etwas für Ostern. Vielleicht sind Oma & Co. dann für dieses Thema aufgeschlossener, wenn es eh um Auferstehung und so geht. So viel Sturm und Drang muss ich ihnen ja nicht auf einmal entgegnen. Aber es kann keiner behaupten, ich sei eine Frau ab 30 ohne Meinung, ohne Rücksicht, ohne Rückrat!

Für den Nachtisch muss ich mir noch etwas überlegen. Ein guter Schnaps zum Verdauen und vielleicht die sensationell leckeren veganen Brownies. Schokolade geht ja eigentlich immer und versöhnt. Dazu noch ein paar Geschichten aus Kolumbien, dann sind wieder alle froh, dass ich da bin, weil ich die Reise durch dieses ach so gefährliche Land überlebt habe.

Vielleicht wird meine Familie noch zwischendurch etwas von Teilnahme an der Gesellschaft erwähnen, dass ich mich (noch) mehr unters Volk mischen und meine Zeit nicht so viel vor dem Bildschirm verschwenden sollte…und abschließend bestimmt auch etwas zum Wetter. Möglicherweise haben sie in einem Punkt ja recht. Aber dass ich gar nicht (r)ausgehe, null Kultur interessiert bin und keine Ahnung habe, was da draußen so passiert – hallo Klimawandel – das können sie mir nicht vorhalten. Ich treffe Menschen, führe Gespräche, tausche Meinungen aus, mache mir Gedanken über das Leben, über diese Welt, über all diese seltsamen Menschen um mich herum.

Manchmal werfe ich eine Meinung auch über Board und überdenke sie. Ist das vielleicht der Grund? Denke ich zu viel nach?

Hier so ein Gedanke, dann haben wir diese Feldstudie auch fast geschafft: Frauen, die erst seit einigen Jahren zur Gruppe der Frauen ab 30 gehören haben es ja noch schwerer, denn sie gehören noch dazu der omnikritisierten Generation Y an. Das ist doppelt mies. Wirklich! Eigentlich haben wir “Frauen ab 30 der Generation Y” die totale Arschkarte gezogen. Ich sage das nicht, um rumzujammern, Frauenquote und so’n Shit my ass. Es liegt auf der Hand. Unsere narzisstische Unentschlossenheit und unser Hunger nach Unabhängigkeit werden uns noch zum Verhängnis! Doch ganz ehrlich: Warum sollte ich jetzt, wo ich 30 bin wissen wer ich bin, was ich schon so viel und doch manchmal noch ganz wenig kann und wohin ich will, wenn es doch so viele schöne Möglichkeiten gibt und ich mich ständig von hüpfenden Einhörnern, digitaler Bewunderung und so tollen Dingen wie Mädelsabend ablenken lassen kann? Und vor allem: Warum bin ich und wenn ja wie oft? (angelehnt an Precht’s “Wer bin ich und wenn ja wie viele?”)

Fest steht, dass nichts fest steht. Nur ich mit beiden Beinen auf dem Erdboden. BÄM!

Selbstbewusst, gesund, natürlich, ohne Botox. Die Gesellschaft und auch die liebe Familie wissen nicht alles über mich. Es reicht aber, dass ich weiß, dass ich in keine Schublade passe. Das mag floskelhaft klingen, aber versucht es ruhig einmal. Es fängt ja schon allein mit meiner ethnischen Herkunft an. Diese ganze Fragerei um Familienplanung prallt an mir ab – mein Schutzschild aus latent müdem Lächeln funktioniert inzwischen sehr gut. Das ganze mainstreamige Hipstergetue um den fettesten Style geht mir auf die Eierstöcke. Ja, vielleicht bin ich deswegen Single und unschwanger, weil ich zu vielen Dingen ganz klar Nein sage, mich nicht definieren, mich nicht einfrieren lasse und man(n) damit offenbar nicht klar kommt.

Als ich klein war, war die Sesamstraße ganz groß. Wisst ihr noch: “Der, die, das? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm…”. Deswegen erlaube ich mir nun abschließend getreu dieser prägenden Erinnerung, getreu des Generation Y Stempels und getreu meiner Clubmitgliedschaft als bewusst lebende Frau ab 30 zwei Fragen und freue mich auf einen sachlichen, gern auch humorvollen Meinungsaustausch:
1.) Liebe Gesellschaft, liebe Familie: Hättet ihr lieber eine dumme Ja-Sagerin?
2.) Geht es Männern ab 30 eigentlich auch so?

 

 

Hilfe, bin ich jetzt spießig?

2 Nov

Halloween Abend ca. 21 Uhr – ich im Supermarkt, um mich für eine Couching-Session einzudecken, nachdem ich mich sportlich ziemlich ausgepowert hatte. Was für ein dummer Fehler. Nein, nicht das Auspowern – das schlechte Timing meines Einkaufs. Schon auf dem Parkplatz tummelten sich ausgehfreudige Jugendliche in mehr oder minder gruseligen bis nuttigen Kostümen und merklich schon lange nicht mehr nüchtern. Mein Einkauf würde wahrscheinlich nicht länger als fünf Minuten dauern, dachte ich und sorgte mich gleichzeitig voreilig um den Verbleib meines Fahrrads. Diese Jugendlichen von heute – immer für ein bisschen Krawall und Remidemi zu haben.

Die Türen zum Supermarkt öffneten sich an diesem Abend viel zu langsam. Ich wollte doch nur schnellen Schrittes ein paar Zutaten für einen faulen Abend besorgen. Am sichersten fühlte ich mich bei all den Halloween-Teens in der Gemüseabteilung. Die war für sie nicht interessant. Denn ihr Weg führte direkt zum Alkohol und den Knabbereien. Da ich Letztere ebenso aufsuchen wollte und meinen Waren ja auch noch bezahlen musste würden sich unsere Wege wieder kreuzen. Und als ich dachte schon genug Gorillas und Blut verschmierte Zombieärzte gesehen zu haben, rauschte ein neuer Schwall an Monsterteens durch die Gänge des Supermarkts. Es hätte nur noch der Strom ausfallen müssen, ich wäre unfreiwillig auf einer Halloweenparty gelandet.

Doch es blieb beim grellen Somit-sehen-Lebensmittel-noch-frischer-und-noch-leckerer-aus-Licht und ich reihte mich brav an der Kasse ein zwischen jungem Gemüse kurz nach dem Stimmbruch und einigen hochgewachsenen Zombies. Blick aufs Kassenband: vor mir ein niedlicher Sechserträger Bier, hinter mir zwei Flaschen Wodka und mehrere Dosen Energydrink. Bei mir: Rucolasalat, gefüllte Weinblätter, Oliven und Cracker.

Ich sah die freundlich, resolute Kassierin an. Sie scannte einen Artikel nach dem anderen, fragte jeden Kunden nach einer Paybackkarte und wünschte jedem – ob in Feier- oder Faulenzstimmung – “einen schönen Abend noch”. Sie würde ihren Feierabend erst in gut 2 Stunden antreten.

Bei all dem Wahnsinn der mich umgab in diesem Haunted House, dem ich schnell entfliehen wollte, hatte ich in diesen fünf Minuten doch einen Lieblingsmoment. Und es war nicht der, als sich die Türen zum Verlassen des Supermarkts öffneten – natürlich auch viel zu langsam – oder der, als ich mein Fahrrad unversehrt auffand und hinaus in die Nacht radelte. Es war der Moment, als die Kassiererin nonchalant den Ausweis des Jünglings vor mir prüfte und er voller Stolz und doch noch voll kindlicher Stimme sagte, heute sei sein Geburtstag. Offenbau kaufte er sein erstes Sixpack. Die Kassierin zuckte wahrscheinlich innerlich mit den Schultern und ihr Blick sprach von mütterlicher, vielleicht sogar großmütterlicher Großmütigkeit. Sollen die Kids halt ihren Spaß haben, auch wenn es sicher ohne Alkohol geht – aber das werden sie irgendwann hoffentlich selbst lernen. Früher…ach früher waren wir doch auch so.

Bin ich nun spießig, fragte ich mich leise, als ich meine überwiegend nahrhaften Waren bezahlte und in meinem Turnbeutel verstaute? An diesem Abend fühlte ich mich wie im falschen Film und dem ganzen dämmlichen Trunkenheitshorror konnte ich partout nichts abgewinnen. Dabei bin ich kein Kind von Traurigkeit, das Verkleidung per se doof findet. Tatsächlich fließt ja sogar etwas Narrenheit durch meine Adern und bei Mottopartys tanze ich an vorderster Front.

Nur genau an diesem Abend war mir einfach nicht danach. Und auch nicht am nächsten Vormittag als ich Rasierschaumreste an Ampeln sah und nur beinahe nicht hineinfasste. Was für ein hohler Brauch! Ich konnte all dem verrückten Treiben einfach nichts abgewinnen.

Aber…was heißt das eigentlich, dieses “spießig sein”? Woher stammt der Begriff und wo sind die Grenzen zwischen Spießigkeit und Intoleranz? Ich habe hierzu einmal Google gefragt und prompt “ungefähr 434.000 Ergebnisse in 0,40 Sekunden” erhalten.

Ursprünglich – im Mittelalter – war ein “Spießbürger” jemand, der seine Stadt mit einem Spieß verteidigte, denn Spieße waren einfach und günstig herzustellen. Dann kamen andere Verteidigungsmethoden, an die sich einige nicht anpassen wollten und prompt galten die einst angesehenen Spießbürger als engstirnig und rückständig.

Nun würde ich mich grundsätzlich nicht als rückständig bezeichnen. Eigentlich probiere ich ja ständig neue Dinge aus und finde Veränderungen in der Regel gut. Auch habe ich kein Problem mit dem Älterwerden. Dass ich nicht (mehr) jeden Spaß mitmachen muss entscheide ich ja jedes Mal ohne andere in ihrem Tun einzuschränken oder sie als minderwertig zu bezeichnen oder ihre Handlungen zu denunzieren. Im traditionellen Sinne bin ich also eher  kein Spießer.

Ein Neo-Spießer bin ich aber auch nicht. Also einer, der bewusst versucht unspießig zu sein, trotzdem aber seine Scheuklappen anbehält und alles schlecht redet, was irgendwie anders ist. Doch, was ist mit dem gutbürgerlichen Vorsorge-Spießer? Der, der eben einen Bausparvertrag abschließt und heute schon an morgen denkt? Bin ich so einer? Oder einer, der über Smartphone nutzende Radfahrer nur den Kopf schüttelt, besonders wenn sie noch ein Kind im Kindersitz transportieren.

“Spießig” ist synonym für alles was irgendwie “un” ist, dagegen, ja vielleicht auch anti ohne links zu sein, ohne politisch. In gewisser Weise natürlich auch “rückständig”, aber für die meisten Anwender ist der Ursprung des Wortes ja völlig fremd, dass sie nur intuitiv oder zufällig richtig liegen. Man schwingt sich zum Richter und urteilt über die anderen – meist selbstgefällig und mutiert dadurch, ohne es zu wollen, zum intoleranten Spießer.

So lange mich die anderen nicht einschränken, sollen sie in Kostümen ihre Kurzen trinken und Halloween feiern bis Karneval vor der Türe steht. Wenn das Handeln anderer aber in irgendeiner Form dazu führt, dass ich beeinträchtigt werden, dann kommt es wohl zu einem Spießer-Duell. Bis dahin übe ich mich in Gelassenheit und nehme mir die Supermarkt-Kassiererin zum Vorbild: live and let live!

 

Couching

26 Okt Couching

Füße hoch legen war gestern, ab sofort ist wieder  “Couching” Saison: Das aktive Einswerden mit dem Wohnzimmermobiliar!

Der Ruhepuls ist bewusst low, der Bewegungsdrang gering. Getragen wird der Superhelden-Anzug aus Hoodie, Jogginghose und den selbstgestrickten Wollsocken von Oma für maximales Kuschelwärme-Feeling. Tee oder heiße Schokolade (wahlweise mit einem Schuss Rum) nur eine Armlänge entfernt, daneben in mundgerechte Stücke geschnittenes Obst, ein paar zuckrige Kleinigkeiten aus Schokolade. Für den Hunger nach Herzhaftem wartet im Tiefkühler die Notfallpizza. Das Licht ist gedimmt. Der Relevanzfilter nur auf den Serienmarathon, die Lieblingsfilme oder am besten noch auf den Wolkenkratzer hochgestapelten Lesestoff gepolt.

Wichtig ist: Couching hat nichts mit Faulenzen zu tun. Es ist aktive Regeneration durch minimale Regung – also zum Beispiel “Auf-Regung” oder “Körper-Regung”…von mir aus auch “Er-Regung”. Die Sinne sollten idealerweise geschont werden. Lesen ohne Hintergrundmusik. Filmschauen ohne second screen. Dösen ohne schlechtes Gewissen.

Couching ist hochwertige Me-Time!

Hamburgs BURGERliche Mitte

19 Okt hansimglück

Zweihundertfünfzig Gramm saftigstes Rindfleisch getoppt mit knackigem Salat, fruchtigen Tomaten und würziger Soße zwischen zwei kernigen Scheiben Brot – nein, hier ist nicht die Rede von einer reichhaltigen Stulle – und nein, ich bin auch nicht zum Fleischesser konvertiert. Es geht um einen Burger, den klassischen Burger. Einst war er als Fastfood abgetan, als asoziale Kalorienbombe geachtet,  für ungesunde Couchpotatoes und kochfaule Gourmands (nicht zu verwechseln mit Gourmets). Doch mit dem Boom von Burgerläden in den Städten um den ganzen Globus erlebt diese Mahlzeit eine schier rastlose Renaissance. Denn das Prinzip heißt: Burger to stay in schönem Ambiente. Es wird gekocht, nicht zusammen geklappt und in Papier gewickelt. Wo man auch hinsieht in Hamburg: an Burgerrestaurants kommt man  nicht vorbei. Und es werden immer wieder neue eröffnet, als wäre der Markt – Achtung Wortspiel – noch nicht gesättigt. So macht in Kürze das Restaurant “Burgerlich” in Hamburgs Innenstadt auf, nur wenige Gehminuten entfernt von anderen Burger-Etablissements. Dabei müsste man sich doch so langsam – Achtung noch ein Wortspiel – satt gegessen haben an all den Variationen für Carnevarier, Vegetarier, Veganer und Low Carbianer. Serviert mit Pommes aus Kartoffeln oder Süßkartoffeln, mit Salatbeilage oder als cheesy Variante mit schmackigem Käsetopping.

londonWer kann da noch widerstehen? Allein auch all die wohlklingenden, manchmal märchenhaften Namen, die die Burger tragen: Chorrizo Burger, Wald & Wiese oder the Flaming Roger…der burgerlichen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit Riesenaugen scannen wir die Menükarten, das Wasser zergeht uns im Munde. Wir bezahlen zweistellige Beträge für die Premium-Stulle und haben das Gefühl, uns etwas Gutes zu tun. Die neuen Burger sind Soul- und Slowfood zugleich. Ja ein bißchen haben wir ein schlechtes Gewissen bei all den Mengen – aber kann denn das bißchen Sünde gepaart mit Vitaminen, angerichtet auf einem Teller und verspeist mit Messer und Gabel wirklich so schlimm sein?

skinnyburgerAuch die Namen der Burgerrestaurants lassen Einiges aber keinesfalls Fastfood vermuten. In  bester Citylage findet man die kosmopolitische Brooklyn Burger Bar, die auch unfassbar köstliche Drinks mit und ohne Umdrehungen zaubert – ich kann die Mango-Pfeffer-Limonade nur wärmstens als Gin Tonic Alternative empfehlen. Aber auch sämtliche Szeneviertel Hamburgs werden dem anhaltenden Burgerhunger gerecht: “Otto’s Burger” im Grindel und in Sankt Georg, “El Chanti Deli” in Hoheluft, zwar nicht nur auf Burger reduziert, dennoch höchst beliebt ist das “Hatari” in Eimsbüttel, der Schanze und in Ottensen, “the Burger Lab” und “Jung & Frech” – beide ebenfalls in der Schanze, das Franchise “Hans im Glück” – was auch ein anderes Milieu vermuten ließe – zwischen Schanze und Grindel, “the Bird” in Sankt Pauli und und und – daneben all die konventionellen Fastfood-Ketten für den Burger to go, fürs schmalere Portemonaie sozusagen.

hatariDass es so viele Burger in der Stadt der Fisch- und Franzbrötchen gibt ,ist verwunderlich. Oder aber auch nicht. Hamburg – ja, der Name trägt den Burger nun mal in sich. Und die Stadt  ist weltlich, szenig, hip. Der Burger ist für jedermann – ein vermeintlich einfaches Essen für jeden sozialen Status, für jeden Geschmack, ob mit Serviette oder ohne. Das kann auch Hamburg. Gerade Hamburg kann das: schnöselig und schnoderrig.

Welcher Trend uns wohl als nächstes ereilt? Ich ahne da etwas, das nur eine logische Konsequenz des neuen Ernährungsbewusstseins ist. In Berlin zumindest kann man schon paleo auswärts dinieren, auch wenn ich der Meinung bin, dass Hamburg Berlin nicht alles nachmachen muss. Dennoch: Augen auf – wer hat sich schon außerhalb der eigenen Küche in ansprechenden Ambiente und für ein zünftiges Taschengeld steinzeit-kulinarisch verwöhnen lassen, hier zwischen Alster und Elbe?

Streetart in Colombia

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by Ark, fco, kometo, Led

Inspired by the recent exhibition “Knotenpunkt 14″ in Hamburg and with slowly coming to an end of editing and selecting a best of photos from my trip, today’s post will be about the streetart scene in Colombia.

If you’re not so much into reading…I still hope you’ll enjoy my photos.

BOGOTÁ

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unknown artist

When I flew to Colombia I spent my first days in the capital: Bogotá. It is a huge city with a population of  nearly 7 million people. Despite its size, however, there’s not so much to see and do as a tourist/traveler if you’re only after typical sightseeing. You can most definitely check off all major sights within 3 days and then continue your trip to wherever the wind blows. If you have a little more time and are willing to stroll around the districts, soak up the atmosphere (my ultimate travel motto), meet locals, study Spanish…and are not afraid of robberies (which btw probably only happen if you’re asking for them) that’s what you can and should do while in Bogotá, especially around the historic old town. Either on your own or in a guided tour.

On 31st December 2013, my fourth and last full day in Bogotá before coming back in March 2014, I opted for a guided graffiti tour that takes place twice a week and costs whatever you think it was worth it, but most people give between 15,000-30,000 Pesos (5.50 -11.50 Euros). It takes about 2 and a half hours and will show you how to read the pieces, how artists cooperate, and also what the legal situation is. You may have seen some works before on your way to a bus station, to the museums, or Monserate, while some others are hidden several meters above your head…or have already been painted over.

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by Crisp

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unknown artist

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unknown artist

 

 

 

 

 

My favorite fact of the tour was: streetart is not forbidden, for graffiti is nowhere classified as crime or violation. In fact,  there is no law on graffitis. So, with no legal yay or nay streetartists can pretty much do whatever they want wherever they want at any time – with the only exception being government buildings that must not me painted (sprayed) on. For that, Bogotá has become a place for international artists to experiment with styles and practice their art.

You will find different styles from simple tags of letters and messages to animal graffitis, and pieces that look like sketched, while other artists follow a mashup style of stickers and paint. The selected photos only show a fraction of works to be found in the old town, where the tour took place. And if you like to find out more about an artist, these names are worth checking out: Rodez, CrispPez, Toxicomano, and maybe you’d like to watch this short (12 minutes) Vimeo clip on  Bogota Street Art / Conexión Colombia – Perú as well.

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by Lik Mi

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unknown artist

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by Écrit Skime

unknown artist

by Crisp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

If only streetart with its alleged liberties was so easy… in the recent past Colombian municipalities – with Bogota as role model – started to commission artists to create works in selected areas and for businesses. Artists have also been commissioned by house tenants to work their house front. This however has frequently led to misunderstandings with the police who more than often would brutally suspend the artists to do their work only until the house tenants would suspend the police. Similar incidents demonstrate that street art is often (still) ruled by the laws of the streets include robberies and stabbing for paint and equipment are valuable, and not every artist is respected in a certain district.

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by Toxicomano

So it seems that despite their being no official law streetart in Colombia is well organized, which doesn’t mean one cannot find random tags in tunnels, too.

 

CALI

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Street artists at work in Cali

On January 1st, I took a plane from Bogotá to Cali, the third largest city of Colombia. There wasn’t much to do on New Year’s Day when I arrived but an overwhelming 30°C. So I changed immediately into summer gear, grabbed my camera, and went for a walk. With my newly acquired streetart knowledge and open eyes for urban works I came across a group of artists in action near a bus station and wondered if they were in any way responsible for these:

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RIOHACHA

Due to countless distractions along the way and my wish to get out of major cities I didn’t follow the traces of street artists too much. Here and there I would see a pretty cool piece but didn’t make the effort of photographing it or writing down the artists’ names. Then in February, my trip took me to Riohacha. It is a small city in the far north of Colombia – with a population of less than 200,000 people. There’s not much to do either, no major sights or events. Just incredible heat and not the slightest breeze from the coast. I was there only for a day on my way to Punta Gallinas, the most northern point of Colombia and South America – a deserted area in utter solitude. And now by looking back, it seems Riohacha has been a smooth introduction for people who make their way up north – up into more heat and even greater solitude.

The streetart scene here is very different from the one you can find in Bogotá, Cali, or Meddelin. As a matter of fact one could probably question if the works can in any way be considered street art in a traditional way. From what I understood with my minor Spanish knowledge (but compared to my first days in the country…already good enough to get that far – and hey, let’s face it: I wasn’t robbed), the pieces showed the city’s history and cultural heritage.

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Part of an approximately 10 meter long and 2 meter high mural work…

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…by Maria Claudia Zuchini, Siria Polo Gamero, Sandry Rosales Tórres

 

 

 

 

 

And I also came across this piece, a colorful Koi dragon. Any idea who the artist is? I forgot to take notes.

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After all I think the scenes in Colombia and Germany have a lot in common like an increasing social acceptance. As for me, I noticed how I’m mostly drawn to wide mural works, sharp lines, bold graphics, and pieces that are only visible from a distance like works from Crisp or PUSH Styrocuts and ZIPPER DIE RAKETE that make me smile. But nevertheless will probably stop at anything unexpected along the way whether it’s on a house front, a construction site, on a public train, or an open exhibition. How about you?

 

Kreativkrise

5 Okt

Man sieht sie den Kreativen und denen, die es gerne wären nicht an.
Diejenigen, die ständig neue Ideen haben und etwas schaffen wollen – eine Geschichte, ein Bild, ein kulinarisches Werk, ein Kleid, ein Lied…
doch wenn plötzlich nichts mehr geschieht,
kein Wort mehr zum Ton findet, kein Faden zum Stoff,
keine Zutat in den Topf, keine Farbe auf die Leinwand
kein Buchstabe mehr aufs Papier…

…dann stehen sie plötzlich: Die Kreativen.

Ihr Werkzeug taumelt und ruht. Sie fremdeln.

Plötzlich merken sie, dass das Plötzlich auch nicht plötzlich da war. Es hatte sich langsam angeschlichen.
Erst war es nur ein Nachdenken. Ein Grübeln. Ein Stirnrunzeln. Und irgendwann fühlte es sich wie ein plötzliches aus dem Nichts dahin gestelltes, unumwindbares Stopp-Schild an. Eine Kreuzung. Eine Ampel mit ewigem Rotlicht. Eine Bahnschranke, die sich einfach nicht mehr bewegt.
Vor einem rauscht nur noch alles dahin.
Farben rauschen. Laute rauschen.
Die Welt rauscht.

Sie wollen mitrauschen. Sie können nicht. Sie wissen nicht mehr wie.
Sie fragen sich, warum sie es nicht mehr wissen. Sie hadern mit sich. Sie wollen es doch so sehr.

Sollen sie zurück oder doch nach vorn? Einen Schritt zur Seite?
Einfach alles einmal auf den Kopf stellen?
Oder einfach stehen bleiben?

Oder ist das Innehalten einTeil des Schaffensprozesses, den man nur im Jetzt nicht als solchen erkennt?

 

Let’s go to the mall!

28 Sep

Stell Dir vor es ist verkaufsoffener Sonntag und alle gehen hin!

Früher galt der Sonntag als Ruhetag…da hatten  nur der Bäcker und die Kirche auf. Gut, früher wohnte ich auch auf dem Dorf und nicht in der Großstadt, aber dennoch hat sich unser Verhältnis zu Konsumgütern verändert. Am besten sie sind 24/7 verfügbar oder werden in 1-2 Werktagen zugestellt – überall dort hin, wo man mag. Ob ins Büro oder nach Hause oder an Paketshops oder Packstationen oder an den netten Nachbarn. So vermeidet man Shoppingtouren durch Einkaufsmeilen.

Aber da bin ich anscheinend sehr kurzsichtig. Nur weil ich Shopping per se anstrengend finde, denn ich finde per se NIE genau das, was ich suche und das was ich finde ist genau das, was ich eigentlich nicht kaufen wollte UND Geschäfte und Einkaufsgegenden sind mir persönlich immer einfach viel zu überfüllt. Ich habe also offenbar ein gestörtes Sozialverhältnis wenn es ums Einkaufen von Konsumgütern wie beispielsweise Kleidung geht. Und ja – ich gebe zu – ich habe es nun erkannt: ich muss nicht von mir auf andere schließen!

Was für ein arroganter Denkfehler: für mich ist Shopping mit Stress verbunden, doch wenn ich – wie heute – die überfüllten Einkaufsviertel Hamburgs sehe, die meterlangen Schlangen an den Kassen und das trubelige Treiben in Geschäften, dann muss ich einfach einsehen, dass ein Großteil der Gesellschaft Shopping gut findet. Die Vorteile eines verkaufsoffenen Sonntags liegen auch auf der Hand – gerade für Berufstätige. Unter der Woche bleiben dazu höchstens die Mittagspause oder der Feierabend und am Samstag ist man oft auch schon halb verplant mit Gartenarbeit, Schwiegerelternbesuch oder Kieztour. Wie gut, dass es den verkaufsoffenen Sonntag gibt! Die Massen können nicht lügen – und in den Gesichtern der sonntäglichen Konsumjünger kann ich auch kein Genervtsein vom langen Anstehen lesen.

Nein – früher war nicht alles besser, nur weil man sich Sonntag aufgrund eines mangelnden Angebots von Konsum-Unterhaltung Ruhe gegönnt hat. Heute ist es einfach normaler, ständig einkaufen gehen zu können – aus welchen zweckmäßigen Gründen oder der Selbstoptimierung wegen auch immer.

Und nur weil ich früher wie heute auch die Wahl habe, zum Bäcker oder in die Kirche zu gehen, heißt es nicht automatisch, dass ich es muss und, dass ich es auch tue. Sollte man mich dennoch an einem dieser ruhigen Wochenendtage in der Nähe eines Geschäfts entdecken ist das – selbstverständlich –  im Rahmen einer Feldstudie UND, aus Gehirnlosigkeit. Ich merke nämlich immer erst, dass es ja einer dieser Tage ist, wenn ich schon mitten im Geschehen bin, dabei war ich doch nur auf dem Weg zum Lieblingscafé (…oder zum Sport).

Ein Spätsommer wie aus dem Bilderbuche

21 Sep

Es gab im August ein paar Tage, an denen ich morgens auf dem Arbeitsweg Mütze trug.
Einmal dachte ich sogar daran Handschuhe zu tragen, so kalt war es mir auf dem Fahrrad.
Ich war enttäuscht, dass der so herrlich gestartete Sommer schon so früh vorüber war.
Ich war enttäuscht, dass ich mich so wenig um ihn gekümmert hatte.
Ausgiebiges Eis essen, ausgedehnte Grillsessions, ausgelassene Open Airs.
All diese Sommerlichkeiten waren in diesem Sommer zu kurz geraten.
Als Trost blieben mir all die sonnenreichen Erinnerungen aus meinen 2 Monaten in Kolumbien.

Und dann…dann wurde es September.
Am Straßenrand füllte sich das Herbstlaub.
Es raschelte immerzu, wenn ich mit dem Rad vorbei fuhr.
Doch egal wie sehr es schon herbste, eine Mütze trug ich morgens nicht.
Ich trug auch keine Handschuhe.
Und doch war ich mit dem Fahrrad unterwegs, zur gleichen Zeit wie im August.
Wenn ich einen Schal trug, dann klebte er nach halber Strecke schon am Hals.
Hatte ich die Sonnenbrille zu Hause vergessen, konnte ich die Freiluft-Mittagspause nur blinzelnd überstehen.
Die Abende waren lau…und lang.
Ich saß am Hafen und quatschte unter Sternenhimmel.
Ich lief wieder durch den Park und spürte Sonnenstrahlen auf meiner Haut.
Ich rannte über Wiesen, die nach Sommer dufteten.
Ich aß Eis und mir war nach Grillen, nach Tanzen im Freien.
Nur der Blick auf den Kalender verriet, dass der meteorologische Herbst schon begonnen hatte.
Die Mittagspausen verbrachte ich im Freien.
Den Heimweg am Feierabend dehnten mein Fahrrad und ich bis zum Hunger nach Abendbrot aus.
So lange wir konnten, wollten wir draußen sein.
Und wenn ich zu Hause war, stand die Tür zum Balkon offen.
Ich hörte Stimmen von Fußball spielenden Kindern, vernahm Grillgeruch und fröhliches Treiben im Hof.
Meine Lieblingsshorts kam noch mal zum Einsatz und ich konnte die Zeit des Socken-Tragens noch ein wenig hinauszögern.
Man sagte mir sogar, ich sähe Urlaubs erholt aus.

Einen Spätsommer wie dieser ist ein herrliches Naturgeschenk und lässt so manche (vermeintliche) Tragödie mit Leichtigkeit ertragen.

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