Wasser Marsch!

31 Aug 20140831_191359 (1)

Neben mir steht meine vorerst letzte Tasse Kaffee.
Für eine Woche verzichte ich darauf und ebenso auf alkoholische Getränke, Softdrinks und Säfte. Stattdessen werde ich vor allem Mineralwasser trinken. “Erlaubt” sind wohl Gemüsesäfte und Kräutertees. Denn ich mache mit beim “Projekt: Wasserwoche”.

Die Projektwoche wurde von der Getränke-Marke Gerolsteiner initiiert und läuft vom 1.-7. September. Eine Woche lang geht es um die Themen Ernährung, Bewegung, Wohlfühlen und gesunder Lifestyle – und wie all das vor allem durch ein gesundes Trinkverhalten erreicht werden kann. Gerolsteiner hat dafür 2.000 Wochenvorräte an Wasser gestellt. Mein Paket (drei Sixpacks in 0,75 Liter Flaschen) steht seit gestern bereit. Nun muss ich dazu sagen, eigentlich trinke ich ausschließlich Hamburger Leitungswasser und beim Arbeitgeber wird Trinkwasser von der Marke Hella gestellt. Ich sage das deshalb, weil ich nicht einfach als Testimonial für eine bestimmte Marke einstehen will. Gerolsteiner hat mich auch nicht gebeten oder gezwungen zu schreiben – natürlich ist mir die ganze Marketingmaschinerie klar (bin ja vom Fach). Es ist allen, die ein Wasserpaket bekommen haben und auch allen anderen freigestellt mit zu posten, mit zu kommentieren, zu -twittern, zu -instagrammen und so weiter. Ich mache es also freiwillig und stelle das Projekt vor, weil ich tatsächlich die Idee an sich (und natürlich auch für thefeldstudien) sehr spannend finde: Einfach mal bewusster trinken!

Kurzer bewusster Rückblick
In den letzten Tagen habe ich also noch mal bewusster hingeschaut bei meinem täglichen Trinkgenuss:
– Kaffee: Wie viel trinke ich eigentlich so? – Je nach dem bis zu 3 Tassen, meistens in der Variante Milchkaffee oder Espresso.
– Tee trinke ich auch, ca. 1-2 Tassen am Tag. Ausschließlich Kräutertee.
– Saft trinke ich so gut wie nie.
– Bier (alkfrei) oder Wein hingegen so 1-2 wöchentlich.
– Gemüsesaft trinke ich auch eher selten und wenn dann am liebsten Tomatensaft.
– Erfrischungsgetränke wie Cola oder Limo meide ich meistens.  Das Zeug ist mir einfach zu süß.
– Ach so…und Wasser…wie viel Wasser trinke ich eigentlich so am Tag? Wahrscheinlich viel zu wenig…die 1-Liter Flasche im Büro leere ich fast nie an einem Tag und zu Hause kommen noch so 1-2 Gläser dazu. Kommen noch die 0,5-1,0 Liter beim Sport hinzu, z.Zt.: 2-3x wöchentlich je ca. 1h.

Was für Wasser?
Ich kaufe mir selten bis nie Wasser in PET- oder Glasflaschen, denn Kraneberger mundet mir ganz vorzüglich, die Schlepperei auf dem Radl missfällt mir und ebenso das Ansammeln von leeren Flaschen, die, wenn geleert, zum Pfandautomaten gebracht werden wollen. Das ist mir alles zu viel hassle. Dem beuge ich mich jetzt etwas, denn die leer getrunkenen Pfandflaschen von Gerolsteiner muss ich natürlich auch entsprechend entsorgen. Abgeholt werden die nicht (aber das Pfandgeld – immerhin 4,50 € könnte ich ja für was spenden…siehe weiter unten). Nichts gegen irgendwelche Marken, die sicher gutes Mineralwasser herstellen – ich finde nur den Weg “Kran auf, Wasser ins Glas” einfach unheimlich praktisch und auch lecker. Voraussetzung dafür ist aber auch, dass es trinkbares Leitungswasser gibt – wie hier in Hamburg und in vielen Städten Deutschlands. Zumindest bekam mir Bonner, Frankfurter, Berliner oder auch Bremer Leitungswasser stehst einwandfrei.

Trinkwasser ist nicht selbstverständlich
Dass Trinkwasser aus der Leitung keine Selbstverständlichkeit ist, erlebt man spätestens, wenn man in ein anderes Land reist. Doch auch hierzulande gibt es ab und an Hinweise, auf Leitungswasser zu verzichten, da dies belastet ist. So etwa wie in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom April diesen Jahres, in dem von hohen Nitrat-Werten die Rede ist, die durch übermäßige Düngung in der Landwirtschaft verursacht wurden. Allerdings unterliegt das deutsche Trinkwasser strengen Kontrollen der Trinkwasserverordnung (hier auch “Wasser für den menschlichen Gebrauch” genannt). Ich gebe zu…vollständig gelesen habe ich sie noch nicht. Da aber die deutsche Gesetzesordnung einen Ruf von extremer Genauigkeit hat und man ja allgemein denkt, der Deutsche sei ein korrekter, präziser und vor allem zuverlässiger Zeitgenosse, trinke ich weiterhin naiv Kraneberger, ohne all das zu hinterfragen, was an Dreck, Schadstoffen und so weiter ins Glas hinein oder beim Duschen auf den Kopf rauscht. So typisch deutsch war ich wohl noch nie.

Aber wie gesagt, in vielen anderen Ländern der Welt, wird davon abgeraten Leitungswasser zu trinken. Und in vielen weiteren Ländern der Welt, gibt es nicht mal Leitungswasser. Dort fehlen Brunnen, dort fehlt es allgemein an vernünftiger und ausreichender Wasserinfrastruktur, um Dörfer und Familien zu versorgen. Wasser für den menschlichen Gebrauch…was soll das sein? Das ist absoluter Luxus. Wasser zum Überleben – wo bist Du?

Seit 2010 wird  das “Menschenrecht auf Wasser und Sanitätsversorgung” von den Vereinten Nationen anerkannt:
Trinkwasser und Sanitätsversorgung sind demnach essentiell für die Realisierung aller Menschenrechte. Staaten und internationale Organisationen sollen finanzielle Mittel zur Verfügung stellen sowie Hilfsmaßnahmen ermöglichen – gerade in Entwicklungsländern – um sicheres, sauberes, erreichbares und bezahlbares Trinkwasser sowie Sanitätsversorgung bereit zu stellen. Wie sieht es 4 Jahre später aus?

Es mangelt noch immer an der Umsetzung, um die Wasserversorgung universell zu gewährleisten. Zwar laufen zahlreiche Initiativen und Projekte, die in verschiedensten Ländern, Brunnen bauen, Wasserinfrastruktur herstellen und die Ausbeutung durch Großkonzerne unterbinden wollen. Doch die globale Wasserversorgung ist und bleibt ungerecht verteilt.

Für einen kurzen Moment habe ich überlegt, dass Gerolsteiner ja auch einfach die 2.000 Pakete an Menschen hätte spenden können, die mal nicht eben so an den Hahn gehen können, um sich zu erfrischen oder die Hände zu waschen. Nur…das wäre ja eine einmalige Aktion gewesen…und hätte langfristig nichts verändert.

20140831_191310 (1)Und während ich all meine Gedanken zu diesem Thema festhalte und mich auf meine Wasserwoche einstimme, merke ich, dass man hin und her relativieren kann, zwischen Wasser als Luxusgut und Wasser als Lebensgut. Auch wenn das “Projekt: Wasserwoche” von Gerolsteiner in erster Linie für eine bewusste Woche steht, mit dem Ziel die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern, wird mir einmal mehr auch klar, welchen Ressourcen-Luxus Deutschland eigentlich hat. Es schadet nicht, ab und an einmal inne zu halten und sich den Gegebenheiten bewusst zu werden. Dann kann man, wenn man möchte, auch etwas unternehmen, um die Missstände in anderen Teilen der Welt zu verbessern (siehe weiter oben). Die Charity-Flut der letzten Woche rund um die Icebucket Challenge – in erster Linie für die ALS Association – haben das deutlich gezeigt. Ob man das öffentlichkeitswirksam und mit Spaßfaktor tut ist jedem selbst überlassen. Gleiches gilt für alles im Leben – und ja, auch für einen gesunden (bewussten) Lifestyle.

Bald dann mehr über mein “Projekt: Wasserwoche” und mögliche Kaffee-Entzugserscheinungen, freundliche Fragen in feuchtfröhlichen Runden oder plötzlicher, unerwarteter Limodurst – und möglicherweise neuen Erkenntnissen rund um Menschenrecht, Ressourcenverteilung und “Gutmenscherei”. In diesem Sinne: Wasser Marsch!

Und plötzlich offline

24 Aug 20140824_215605

Wisst ihr noch – Ende Dezember 2013, kurz vor meinem Abflug nach Kolumbien habe ich noch groß getönt: Ich geh offline! Meine 2-monatige Reise nehme ich zum Anlass, auch mal digital runter zu schalten. Und dann…habe ich mich doch von drüben gemeldet, habe Nachrichten an Family und Friends verschickt und sie wissen lassen, dass es mir gut geht. Denn W-Lan gab es ja fast überall.

Und nun ist meine Reise schon wieder lange vorbei – ich schon lange im Alltag angekommen, mit neuen Routinen und alten Gewohnheiten. Online bin ich jeden Tag. Zum einen gehört’s halt mit zum Job und zum anderen habe ich inzwischen so viele Interessen, die sich online am besten verfolgen lassen.

Vorübergehend nicht 24/7 online
Vor kurzem habe ich beschlossen, mich vom WG-Nomadenleben zu trennen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Das hatte nicht nur zur Folge, dass ich plötzlich keine Tupperdosen mehr hatte und auch keinen Staubsauger, sondern für einige Zeit auch keine Internetverbindung. Die sollte in der zweiten Woche nach meinem Einzug hergestellt werden. Darauf stellte ich mich ein und dachte, ich käme schon klar mit Smartphone, notfalls mobilem Tethering und ohne Surfstick.

Aus zwei Wochen wurden drei
Ich gebe zu, das nervte. Nicht nur, weil ich dann für die kleine Einzugssause auf CDs setzen musste (ja – so was besitze ich…und auch CD Abspielgeräte) sondern auch, weil ich nicht mal eben so einem Gedanken per Online-Recherche schnell nachgehen konnte.

Drei volle Wochen ohne Internet (zu Hause)
Sprich: morgens keine Nachrichten lesen auf den gängigen Nachrichtenportalen, kein Löschen von sinnlosen Spam- und Werbemails und auch keine ersten Likes und Huhus auf den sozialen Netzwerken. Einfach nur Müsli, Kaffee und Radio. Ja genau: Radio! Nach getaner Arbeit und vollendetem Sportprogramm konnte ich abends dann auch keine Nachrichten vom Tag via Web konsumieren, keine Serien, kein prokrastinierendes Newsfeed-Scrolling. Als Medien standen wieder Radio und…surprise, surprise BÜCHER parat. Denn einen Fernseher habe ich nicht.

Eins vorweg: Es war herrlich!
Und so machte ich es mir fortan abends mit Lesestoff auf dem Sofa gemütlich. Der ganze Lesestoff, der sich über die letzten Jahre geschenkt und ungelesen angesammelt hatte. Dabei schenkt mir meine Verwandtschaft eigentlich nichts Ungewünschtes. Das waren also alles Bücher, die ich wirklich mal lesen wollte. Doch anstatt sie zu lesen, schaute ich Serien oder verdaddelte die Zeit online. Ja wirklich. Wie traurig. Wie dumm.

Am Anfang der drei Wochen las ich ein vor Ewigkeiten angefangenes Buch zu Ende: “Die Wahrheit über das Lügen” von Robert Feldmann. Zufälligerweise habe ich sogar am 10. September 2013 vom Auspacken und Anlesen dieses Buches ein Instavideo gemacht. Lesezeit also ca. 1 Jahr…

Dann verschlang ich T.C. Boyles “Wenn das Schlachten vorbei ist” innerhalb einer Woche und schließlich von Konstantin Richter “Kafka war jung und er brauchte das Geld” in wenigen Tagen – höchst unterhaltsam und lesenswert! Bei letzterem erinnere ich mich noch genau, dass ich es mir damals (Weihnachten 2012 muss es gewesen sein) nur wegen des Titels gewünscht hatte. Ich hatte völlig vergessen, dass es sich um eine “rasante Kulturgeschichte für Vielbeschäftigte” handelte, wie es im Untertitel heißt. Und war zunächst verblüfft, was ich mir da eigentlich gewünscht hatte – fand das Büchlein aber im Nu herrlich erfrischend! Zur Feuilletonistin werde ich jetzt aber trotzdem (noch) nicht.

Nun habe ich seit einigen Tagen wieder eine wunderbar funktionierende Verbindung ins WWW, ganz kabellos und flott. Im Regal stehen allerdings noch einige (von Weihnachten 2012 und Geburtstag 2014) Bücher im Regal und wollen in die Hände genommen und aufgeschlagen, Seite um Seite umblättert werden.

Was also tun?
Online endlich wieder voll einsteigen und alles stoisch aufsaugen? Oder doch lieber einmal Füße hoch legen, gedämmtes Licht anschalten und einfach nur lesen. Und genau das geht ganz wunderbar, wenn es nur das Medium Buch, die Couch und mich gibt. Dann bleibt die Kiste (der Laptop) zu, das Radio aus.

Plötzlich hatte ich also meine digitale Auszeit, wenn auch “nur” morgens und abends und auch nur für drei Wochen. Aber genau diese Zeit konnte ich Dingen nachgehen, die so lange liegen geblieben waren.

Lesen zum Beispiel
Lesen ist eine tolle Beschäftigung und ich bin ein großer Fan von gedruckten Geschichten. Ich mag die Schwere eines Buches, den Akt des Umblätterns, das Geräusch beim Umblättern, das Lesezeichen einlegen, um an dieser einen Stelle morgen oder später weiter zu lesen und den Seufzer nach dem letzten Punkt, wenn die Geschichte zu Ende ist. All das kann mir ein elektronisches Geschichtenanzeigegerät nicht geben – aber die Vorteile sind auch bekannt. Vielleicht konvertiere ich ja irgendwann.

Übrigens: Tupperdosen und Staubsauger sind inzwischen auch eingezogen.

Gewissensfrage: Wie viel Fleisch ist Vegetariern zumutbar?

17 Aug C360_2014-08-17-20-05-58-799

Die Frage stellt eine 30-jährige Vegetarierin, die seit ihrem 17. Lebensjahr auf Fleisch und seit einiger Zeit ebenso auf Fisch verzichtet. Die junge Frau kocht gerne, probiert immer wieder neue Rezepte aus und bezeichnet sich als tolerante Vegetarierin, die es nicht stört, wenn neben ihr Fleisch verzehrt wird. Jemanden zum Vegetarier konvertieren, das würde sie nicht tun.

Vor kurzem dachte sie darüber nach, Freunde zum Essen einzuladen. Sie wollte sie bekochen – natürlich vegetarisch. Für sie eigentlich selbstverständlich. Doch dann dachte sie darüber nach, welche Gäste kommen würden, wie diese sich ernährten und welche Unverträglichkeiten sie wohlmöglich hatten. Denn unter ihren Freunden befinden sich einige Vegetarier, ebenso aber auch Veganer, Low-Carb Prediger und – ich nenne sie hier ein mal – Traditionalisten. Also diejenigen, die vor allem Fleisch essen – Carnevarier. Manche ihrer Freunde ernähren sich außerdem seit einiger Zeit nach Paleo – einem noch jungen Food-Trend, der auch „Steinzeit“-Ernährung genannt wird. Diese Ernährungsform besteht vor allem aus Fleisch, Meeresfrüchten, Schalentieren, Eiern, Obst, Gemüse sowie Kräutern, Pilzen, Nüssen und Honig und meidet dafür Milchprodukte, Getreide (und –Produkte), Industriezucker bzw. generell industriell verarbeitete Lebensmittel.

Die Palette der Ernährungsbesonderheiten dieses Freundeskreises ist demnach sehr groß.

Die junge Frau stellt sich nun vor allem die Frage: Soll ich Fleisch für meine Paleo- und Carnevarier- Freunde kochen? Und wenn ja, welches? Und sind einige von ihnen Moslem, dass ich Schweinefleisch meide?

Denn, sie ist sich sicher, dass ihre Nicht-Vegetarier Freunde, für sie als Vegetarierin, eine fleischlose Alternative anbieten hätten. Nudelgerichte sind in diesem Fall eine in der Regel unkomplizierte und leckere Möglichkeit (entspricht allerdings weder dem Paleo- noch dem Low Carb- Prinzip).

Mittlerweile – so scheint es – ist Vegetarismus eine fast überall akzeptierte Ernährungsform, für die es viele Alternativen gibt. Auf die Gruppe der Tierverzichter, Allergiker und „Intoleranten“ (diejenigen mit Unverträglichkeiten) wird Rücksicht genommen – Traditionalisten haben gelernt, ihren Toleranz-Rahmen gegenüber der Verzichts-Gruppe auszuweiten.

Doch wie weit geht eine Freundschaft, wenn ein Verzichter für einen Traditionalisten kocht?

Wenn der Traditionalist für den Verzichter das Fleisch weglässt und wohlmöglich ein Tofusteak briete, würde im Gegenzug der Verzichter statt des Tofus ein Rindersteak braten?

Die eingangs gestellte Gewissensfrage steht vor allem im Konsens der Freundschaft – denn wie weit geht man in einer Freundschaft?

In Liebes-Dingen heiß es bekanntlich „Liebe geht durch den Magen“, sprich – wer sich beim Essen einigt, hat gute Chancen auf amouröses Miteinander.

Doch, wie sieht es nun unter Freunden aus?

Nehmen wir ein mal an, dass der Verzichter in ein Geschäft geht, Fleisch kauft und dieses zu Hause zubereiten und wohlmöglich riskiert, dass – beispielsweise das Steak nicht gelingt, so würde doch allein der Aufwand im Vordergrund stehen, den der Verzichter unternommen hat, um einem Freund eine Freude zu bereiten, auch wenn der Traditionalist diesen Aufwand möglicherweise niemals erwarten würde.

Natürlich – so meine Meinung – sollte man immer nur Dinge tun, die man tun will. Wenn es darum geht, dass man jemandem (einem wirklich guten Freund) eine Freude bereiten will, so soll man selbst entscheiden, zu welchem Ausmaß und welche Opfer man selbst bereit ist zu bringen.

Ein Traditionalist wird sicher das Tofusteak (oder welches vegetarische Gericht auch immer) nicht verschmähen, es wohlmöglich und im besten Fall sogar für lecker befinden, eventuell auch nach dem Rezept fragen. Andersrum würde wohl selbst der toleranteste Vegetarier im seltensten Fall ein Fleischgericht probieren und es nachkochen wollen. Ein Vegetarier (Veganer) empfindet Fleisch – in welcher Menge und Form – egal ob von einem Freund zubereiten, mit besten moralischen Gewissen und vor allem mit Leidenschaft – als nicht zumutbar.

Schlussendlich: Die junge Frau ist intoleranter als sie gedacht hat. Denn sie ist offenbar nicht bereit ist, ihren kompromisslos vegetarischen Ernährungsstandpunkt für einen Freund zu ändern. Sie hat beschlossen, diese Intoleranz und ihr moralisch fragwürdiges Verhalten gegenüber Traditionalisten zunächst in Kauf zu nehmen. Gleichzeitig wird sie weiter über die Gewissensfrage nachdenken.

Pack das Handy weg!

6 Aug gondolier in Venice

Wer ohne aus dem Haus geht, fühlt sich nackt – unvollständig.
Nervöses Taschenabklopfen und Anrufenlassen von – im  besten Fall Begleitpersonen – ist ein häufig zu beobachtendes Phänomen.

Das Handy (hier synonymhaft für Smartphone, Blackberry, Handy – kurz Mobiltelefon jeglicher Größe und Funktionsumfang) ist immer dabei. Es hat sich eingebürgert, es zu nächst auf den Tisch zu legen, egal wohin man geht – ins Restaurant, in eine Bar, in die Küche, an den Arbeitsplatz, Hauptsache man ist erreichbar und hat die Kommunikations-Allzweckwaffe schnell zur Hand. Immer erst mal Handy auf’n Tisch, zeigen welcher Typ man ist. Aha, soso, iPhone xy oder Samsung Galaxy so und so oder…oh no…doch nur ein Nokia/HTC/… 0815.

Nein, ich will hier kein Handybashing betreiben, sondern Handybesitzer-Bashing! Liebe Handybesitzer: lasst das Ding doch mal in der Tasche!

Gerne beim Ausgehen und bitte, bitte im Straßenverkehr. Das gilt sowohl für euch Autofahrer als auch für Zweiradfreunde! Im Ernst: Wenn ich nur sehe, wie ihr noch gerade so bei Rot über die Straße heizt, aber auf eurem Schoß die Nachrichten aufpoppen oder ihr vor mir auf dem Radweg hin und her schlängelt, weil ihr den Weg auf Google Maps sucht oder wohlmöglich euer Handy zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt habt: ich könnte wirklich im Dreieck kotzen!

Haltet mich ruhig für einen Spießer: ist mir latte! Mein Leben ist es nicht. Es ist mir ziemlich wertvoll und ich möchte nicht wegen einem von euch im Krankenhaus landen oder noch schlimmer: unter der Erde. Auf Nachrichten kann man später noch antworten. Den verpassten Anrufer zurückrufen. Und auch mal einen Abend lang keine Partyselfies machen.

Wer ohne aus dem Haus geht, fühlt sich nackt – unvollständig…aber vielleicht auch mal mutig.

Für alle, die das Thema als belanglos und überbewertet halten, sollten sich ein paar Minuten vor der nächsten Autotour mit dem Thema “don’t text and drive” auseinander setzen. Ich will hier keine bestimmte Website bewerben und finde auch manche amerikanische Kampagne übertrieben pathetisch, aber im Kern hochrelevant.

Manchmal wünsche ich mir ein Handy, dass genau erkennt, wenn dessen Besitzer im Straßenverkehr unterwegs ist – sowohl selbst am Steuer sitzend oder auf dem Rad als auch als Fußgänger. Ob Handy oder Smartphone – der praktische Kommunikations-Helfer sollte Sensoren haben, die genau auf diese Momente reagieren und sämtliche Feature pausieren – Messenger, Chatter, Soziale Netzwerke etc. Musik hören und per Freisprechanlage telefonieren wäre noch erlaubt, aber die gesamte Bedienung würde automatisch unterbrochen, sobald man im Straßenverkehr unterwegs ist.

Das wäre eine smarte Eigenschaft.

 

Ein bißchen Angst haben ist gut…

31 Jul P1000359

…denn wer abgeklärt durchs Leben schreitet wird niemals einen Unterschied merken, wird niemals das Gefühl kennen, seine Angst überwunden zu haben.

Dieses Gefühl ist leider geil.

Und ja, diese Feldstudie ist wirklich so kurz.

Wer will eigentlich diesen Krieg?

23 Jul share

Bitte ein Mal Hand heben: Wer möchte diesen Krieg? Diesen Krieg am Gaza-Streifen? Diesen Krieg in der Ukraine? Diesen Krieg um Überwachung und Spionage? Diesen oder all die anderen…

Wer möchte all die Toten? All die Angst, die man beim Besteigen eines Flugzeugs hat, weil man eventuell im Flieger sitzt, der eventuell abgeschossen wird (oder verschwindet).

Es reicht doch, dass wir mit dem Klimawandel genug zu tun haben und Naturkatastrophen uns immer wieder aufs Neue herausfordern. Es reicht doch, dass die Ressourcen weltweit ungleich verteilt ist.

Warum müssen “die Mächtigen” der Welt ständig Schwanzvergleich “spielen” in Form von “Raketen-Austausch” und Meinungs-Schrotschuss?

Das ist jetzt auch kein neuzeitliches Phänomen…
…seit Menschengedenken schießen sich die Menschen gegenseitig ab, um ein Land zu erobern und die eigenen Landesgrenzen auszuweiten. Und was bringt es außer einem territorial (oder geistlich) längeren Penis? Die Kinder, die gemacht und geboren werden, wachsen in der gleichen, wenn nicht einer noch brutaleren Welt auf und entwickeln noch grausamere Waffen.

Ich frage mich, ob Frieden hoffnungslos ist.
An der ganzen Kriegsindustrie hängt so viel. Überlegen wir doch einfach mal: Worüber würden Journalisten nur schreiben, wenn es keine Kriege gäbe? Wie würden sich Volkswirtschaften verändern, wenn es keine Waffen und ergo keinen Waffenhandel mehr gäbe? Was würden all die Politiker in Verteidigungsministerien tun? Just to mention a few…

Was haben wir eigentlich aus Kriegen der Vergangenheit gelernt, wenn wir uns jetzt – im offensichtlich 3. Weltkrieg – gegenseitig die Birne wegpusten und einen Scheiß auf wirtschaftliche Sanktionen geben???? Und wie abwegig ist eigentlich der Gedanke, dass Geheimdienste ihre Ausspäh-Fertigkeiten zur Aufklärung von verschwundenen und wohlmöglich versehentlich abgeschossenen Flugzeugen nutzen?

Natürlich könnte ich einen Scheiß drauf geben, was dort in anderen Ländern geschieht – all die Toten könnten mir egal sein: ich kannte sie eh nicht. Es könnte mir alles egal sein und ich könnte mich einfach naiv meinem ganz guten Leben mit Sport und knalligen Nagellackfarben hingeben.

Es ist mir aber nicht egal!
Ich bin nicht so aufgewachsen, dass ich der ganzen Welt mein Leben lang den Mittelfinger zeige und mich nicht mit anderen Menschen, mit anderen Kulturen beschäftigen will. Im Gegenteil: Mein Leben ist schon immer bestimmt aus Integration und Konsensfindung von verschiedenen Meinungen. Ich möchte mich nicht sprachlos machen lassen von den Kriegen der Welt und ich möchte den naiven Glauben nicht aufgeben, dass eine friedliche, demokratische Welt möglich ist. Natürlich reicht mein Glaube allein nicht aus und meine Wahl der richtigen Politiker aber offenbar auch nicht.

Aber wer zum Teufel, WER WILL DIESEN KRIEG? shareWenn keiner die Hand hebt, warum gibt es ihn dann?

 

Das mag hier alles zusammenhangslos klingen und zu unpolitisch durchdacht sein – damit kann keine politische Debatte gelenkt werden, werden manche denken. Mir ist es in diesem Fall – wie bei allen meiner Blogbeiträge – einfach ein persönliches Anliegen darüber zu schreiben. Konstruktive Kommentare und Gedankenaustausch sind wie immer willkommen.

Die Fussball WM 2014 – Beobachtungen Teil 3

15 Jul 20140712_105828

Na? Ausgeschlafen? Oder wem steckt das WM-Finale noch in den Knochen?

Der dritte und letzte Teil der Serie “Die Fussball WM 2014 – Beobachtungen” fasst  das Endspiel und die Post-Endspiel-Phase collagenhaft zusammen.

So eine Final-WM-Party hat was von Karneval. Fahnen am ganzen Leib, Fahnen noch beim Ausatmen…am nächsten morgen. Es dauert noch einige Tage, bis man wieder klarkommt und nicht völlig apathisch vorm Fernseher sitzt, weil kein Fußball läuft.

Man kann sich noch immer nicht satt sehen an den ganzen WM-Selfies, an den unscharfen Handyvideos, die man zum Abpfiff gedreht hat, um diesen historischen Moment bis auf alle Ewigkeit festzuhalten, für sich selbst und die Enkel. Statt zu arbeiten, klickt man sich durch die Kanäle und ergötzt (haha, Wortspiel) an der omnipräsenten Berichterstattung, feiert die Weltmeister über die digitale Fanmeile

A propos Berichterstattung: Ziemlich treffend hat es in meinen Augen Sat.1. Twitter gesagt:

Bildschirmfoto 2014-07-15 um 21.23.19Es ist schon der Wahnsinn, wie die Fußball-WM plötzlich “center of attention” in den Nachrichten war und die Medienmacher jetzt wieder entscheiden, dass die Israel-Krise interessanter ist. Den Weltfrieden hat der Sport leider nicht hergestellt.

Ist es nicht irgendwie absurd, 120 Minuten auf eine Leinwand oder einen Monitor zu starren, zu bibbern, sich die Nägel kaputt zu kauen, weil “die eigene Mannschaft” eventuell gleich das entscheidende Tor schießen könnte? Es wird geflucht und auf den Raucherbalkon geflüchtet, ein Entspannungsbier nach dem anderen getrunken und die Grillwurst auf dem Rost vergessen.

Ohrenbetäubendes, Endorphin-berauschendes Aufspringen – die Erlösung – der Weltmeister-Orgasmus! Am Ende fallen sich alle in die Arme und jubeln einem Geschehen zu, das knapp 10.000 km am anderen Ende der Welt stattfindet – und alle fühlen sich geil!

Manche finden die Vorstellung fantastisch, dass der Sport die Menschen so verbindet, manch andere halten es für dummen Zeitvertreib und peinlichen Patriotismus. Dieses plötzliche “Wir”-Gefühl in Zeiten des Hipstertums und nach Zeiten des Hitlertums – das sei doch verlogen. Entweder gibt es nur sehr wenige Menschen hierzulande, die so denken, oder sie werden von den vielen Fans stumm gepostet (digital übertönt). Möglicherweise sind sie auch alle nach Spanien, nach England oder Portugal geflüchtet, nur um bloß nicht…naja ihr wisst schon: auszurasten.

Ich selbst habe die WM überwiegend per multi-screen verfolgt – Twitter und Facebook liefen fast immer nebenbei und waren teilweise spannender als der Spielverlauf. Was mir auffiel: 99,999 % meiner digitalen Verbindungen waren pro-WM, liebten das Event, das fröhliche Miteinander.

Zumindest ließ mich der Algorithmus das glauben.

Am Ende bleibt mir festzuhalten:

Das war ne richtig geile Party!
Das war ne richtig geile Party!
Das war ne richtig geile Party!
Das war ne richtig geile Party!

Und jetzt?!

Jetzt beruhigen wir uns alle wieder bis spätestens 2016, wenn EM ist.

 

One more thing:
Heute feiert thefeldstudien 2. Jahrestag! Viele Dank fürs fleißige Lesen, Kommentieren und Mitstudieren!

Yes, faith…I’m listening

12 Jul 20140704_083252

Intro:
If you look at this selfie you may question my sense of style, but finding the right shoes to the air cast, because I’m such a girl that still wants to wear a dress once in a while is a painful challenge…

Flashback:
A few years ago someone stole my bike – in front of my house. I was furious of course! My lovely white bike was stolen and I was forced to walking again (because I avoid taking public transportation as much as possible). A good friend of mine said back then: “maybe you have a guardian angel that saved you from a severe accident and now had your bike stolen.” Though, I didn’t like the idea of someone else getting into an accident (even though Schadenfreude kann feel good sometimes), I did like the thought of a guardian angel protecting me from something worse.

A few years later – today – I’m back to thinking that faith or this secret, invisible guardian angel or even karma is protecting me. I just haven’t figured out what it’s protecting me from and why.

The circumstances however are quite unfortunate, I have to say:
First I twisted my ankle by just carelessly stepping aside and slipping of a minor edge. As a matter of fact I somehow managed to twist both ankles and am now limping with torn ligaments on the left and a still slightly bruised and swollen right ankle. None of the two doctors I went to prescribed crutches. Instead, one just taped my left ankle, while the other at least conducted an x-ray to exclude fractures, and gave me a more protecting and stabilizing air cast. I am allowed to walk, but am supposed to rest as much as possible, lift my foot (my right ankle wasn’t checked, because I didn’t notice anything back then). Also, I am allowed to cycle. No working-out-cycling of course, but daily errands and getting to work is absolutely okay. And it’s absolutely awesome for riding my bike is faster, comfortable, less painful.

If only everything was okay with my bike.

To make things worse, I got a flat tire on my way to an appointment with a real estate agent. And on my way back home I found myself on a Stadtrad trying to push my flat tired bike with one hand, which turned out to be a stupid idea, and even more so when it started raining like cats and dogs with thunderstorm and lighting about to hit town (no selfies available…)

A moment of bittersweet comedy that was only familiar to me from movies. I found myself in the pouring rain, with soaking wet clothes, and gazing to the sky talking to the clouds. “I really don’t understand, what you’re trying to tell me”.

After my injury I thought, maybe I should take things more slowly. So I did.
With my flat tired bike I am not sure what to think anymore.

It’s a big mystery I am trying to solve with swollen and funnily bruised feet and ankles.

20140701_123301While figuring out this riddle, I quickly noticed a change in social encounters. With my unmissable air cast and the obvious limping, people instantly start talking to me – even strangers. This injury turned out to be an ideal ice breaker and helpful topic for smalltalk. 85 % of all people I spoke to since the incident shared some kind of similar story of a torn ligament or even a cruciate ligament rupture, the therapy, the duration till they were back to normal walking and training.

The other day while performing one-legged showering I wondered if faith is telling me to ask more for help! As natural as this may sound to other people it’s uncommon for me.

Whatever the answer to this mystery is I wonder what the happy end will look like and what this lesson of limping and uplifted feet teaches me. Even though I’m no religious person I somehow believe in Karma. Naturally I am wondering if I’ve been a bad person lately…or if I’m just getting a warning (like a yellow card in soccer) that still lets me do most of the things.

And so I’m trying to stay motivated, after all it’s just a torn ligament…

One of my favorite findings this week was this video about Courtney Sanders, a climber who’s training with a cast. I’ll talk to my trainers and will see how we can scale my training!

And one of my favorite quotes this week is by Krystal Cantu who lost one arm and returned to training Cross Fit: “If you want safety, wrap yourself in bubble wrap and sit in the couch!” So don’t even bother telling me that “Sport ist Mord” (a stupid German saying, literally meaning “sports are killing”), because I’ll be back on (the running) track!

Die Fussball WM 2014 – Beobachtungen Teil 2

6 Jul 20140702_115424

Bald ist sie vorbei, die WM!

Wie viele Nicht-Fussball-Angheörige sehnen diesem Ereignis wohl entgegen? Dann sind endlich die Schaufenster von all den “in your face” schwarz-rot-blöd Dekorationen befreit und dämliche bis überdämliche Verkaufsangebote mit Kauf-Mich-Jetzt-Weil-WM-Claims entfernt!

20140614_174423Als mittelmäßig bis ja-doch-ganz-schon-gut-informierter Großereignis-Fussball-Fan fühle ich mit den Nicht-Fans mit. Absolut! Ich schäme mich zwar grundsätzlich nicht Deutsche zu sein (jaja, wenn man sieht es mir ja grundsätzlich auch nicht an, dass ich Deutsche bin), aber das viele Grööööööhl und schwarz-rot-gold Behänge von Hasenohren bis zum Fußkettchen ist schon arg peinlich. Und jaja, ich weiß – total empirisch diese modischen Beobachtungen von einer, die sonntags am liebsten Hoodie trägt und seit einer Woche mit einer schicker Bänderriss behandelnden Bandage aus dem Haus geht (so schwarz, wie mein Humor).

 

20140702_115311In der Werbewelt kommt man (aber) nicht umhin, die WM zu nutzen – so scheint es. Vom Optiker ums Eck bis zum Klassikkonzert – jeder macht sich das Sporthighlight des Jahres zu eigen. Aber wahrscheinlich wird hier versucht, eine Zielgruppe anzusprochen, die auch nur von Bier zu Bier denkt.

 

 

 

Vorhang auf und Standing Ovations

23 Jun publikum

Greller Slapstick, Witze below der Gürtellinie und eine Prise Denglish standen u.a. auf dem Programm, das sich Regisseur Herbert Fritsch als Teil der furios-kuriosen Inszenierung von Moliers “Die Schule der Frauen” für die Bühne des Schauspielhauses Hamburg überlegt hatte. Und trotzdem musste ich nicht aus dem Saal stürmen und mich auf offener Straße übergeben. Nein, am Ende riss es mich vor Begeisterung vom Stuhl und ich klatschte bis meine Hände so rot wie Agnes’ Lippen waren und so schmerzten wie Arnolphes Herz. Schon viel zu lange bin ich nicht mehr im Theater gewesen. Heute Abend habe ich beobachtet, wie sich Leute mit Kulturlust (doch meist älteren Jahrgangs) im meist adretten und gleichzeitig bodenständigen Montag-Abend-Zwirn im Foyer des Schauspielhauses sammelten, schon mal ein Gläschen Vino zum Entrée tranken, nochmal über die Inhaltsangabe des Stückes flogen und sich nach und nach Richtung Ränge aufmachten. Wie sie dort Platz nahmen, auf roten Sitzen unter einem mächtigen und gedimmten Kronleuchter, wie alle brav ihre Telefone ausschalteten, ohne Werbung und ohne pssst. Wie es dunkel wart und plötzlich still, ein Scheinwerfer die Bühne beleuchtete und das Stück begann. Gebannt blickten sie auf das Geschehen, lauschten den wortgewandt-rasanten Dialogen und verfolgten die Verwandlung der kreisch-bunten Charaktere von Sekunde 1 bis zum Schluss, als mit einem Mal das Licht ausging und der Ton plötzlich verstummte. Es gab Szenenapplaus und – wie gut bei einer Komödie – Gelächter. Und in der Pause tauschte man sich aus, über die erste gelungene, mitreißende Hälfte, trank zu Erleichterung noch ein Gläschen, aß eine Brezel oder rauchte auf der Kirchenallee gegenüber des Hamburger Hauptbahnhofs bei untergehender Sonne eine Zigarette. Pünktlich zum Beginn der zweiten Hälfte waren wieder alle da. Und am Ende, da riss es einige Zuschauer von den Sitzen, sie feierten das Ensemble, applaudierten den Schauspielern, die sich auf der Bühne um das minimalistische Bühnenbild tanzend beklatschen ließen – zu Recht – minutenlang. Obwohl sie bereits völlig erschöpft waren. Man glaubte ihnen, dass es auch ihnen Spaß gemacht hat. Ich liebe diese Magie, diese Energie im Theater und kann sie doch nicht treffend in Worte fassen. Besonders, wenn Schauspielern, wie dem herausragende Joachim Meyerhoff als Arnolphe jede Pointe, jede – vielleicht sogar spontane – Gag gelingen, wenn die Musik – egal wie skurril – stimmt, und die Kostüme, Masken, und Bühnenbilder die Perfektion mit einer Leichtigkeit wirkend komplettieren. Geflasht und beschwingt stieg ich nach dem Stück auf mein Rad und flog nach Hause, machte mir ein Mitternachts-Ovomaltine-Crunchy-Cream-Brot (nein, 2) und musste diese Gedanken einmal loswerden.

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